© Olena Yakobchuk/Shutterstock.com Die Bundesregierung will ab dem kommenden Jahr das Impfen in Apotheken ermöglichen. Ablehnung kommt von der Ärztekammer, die enorme Risiken sieht.
Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) hat am Wochenende im Rahmen eines gemeinsamen Medientermins mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) angekündigt, dass ab 2027 Impfungen in Apotheken möglich sein sollen. Damit werde man einen großen Wunsch der Bevölkerung in die Umsetzung bringen, so Babler. Noch heuer soll ein Angebot für alle, sich niederschwellig in Apotheken impfen zu lassen, beschlossen werden. NEOS-Chefin Meinl-Reisinger sprach von einem „Meilenstein“ für den Gesundheitsbereich, für den man lange gekämpft habe. Angesichts der Wissenschaftsfeindlichkeit sei es „wichtig, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, das auch angenommen wird“, meinte sie. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) werde beauftragt, ein Modell auszuarbeiten. „Wir werden in den nächsten Wochen mit Gesprächen mit den Systempartnern beginnen“, hieß es auf Anfrage aus dem Gesundheitsministerium. Um die Impfquote zu erhöhen, sei ein niederschwelliger Zugang neben Information und Bewusstseinsbildung essenziell.
Kritik kam umgehend aus der Ärztekammer. „Impfen ist aus gutem Grund eine ärztliche Leistung“, kommentiert Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, die Regierungspläne. „Impfungen sind mehr als nur ein Stich, sie sind ein komplexer Prozess, in dem nur die Ausbildung, die Expertise und die Erfahrung in jeder Situation von Ärztinnen und Ärzten die maximale Patientensicherheit garantiert. Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden. Die beste medizinische Beratung und Versorgung von Patientinnen und Patienten können nur Ärztinnen und Ärzte leisten. Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben, wir lehnen diese Maßnahme daher ab“, so Steinhart.
Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer und Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzt:innen, verweist zudem auf die Sinnlosigkeit der Maßnahme. „Österreich verfügt im internationalen Vergleich über einen gut ausgebauten niedergelassenen Bereich mit ausreichend Impfmöglichkeiten in den Ordinationen. Das unterscheidet uns grundlegend von anderen Ländern, die auf Impfen in Apotheken setzen müssen“, hält Wutscher fest. Zur Erhöhung der Impfraten sollten besser das Beschaffungs- und Bestellwesen der Impfstoffe optimiert werden, rät er. „Wenn man wirklich Verbesserungen in der Versorgung der Bevölkerung erreichen möchte, sollte man eine Verkürzung der Wege ermöglichen. Wenn Patientinnen und Patienten Impfstoffe und Medikamente im Sinne eines One-Stop-Konzepts direkt vom Arzt oder von der Ärztin in den Ordinationen bzw. beim Hausbesuch bekommen, ersparen sie sich den zusätzlichen Weg in die Apotheke“, sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Obmann-Stellvertreterin in der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.
Erfreut zeigte sich naturgemäß die Apothekerkammer über die Umsetzung ihrer langjährigen Forderung. Mit der Grundsatzentscheidung der Bundesregierung werde ein wichtiger Schritt gesetzt, um den Zugang zu Impfungen für die Menschen deutlich zu erleichtern und die Durchimpfungsraten nachhaltig zu erhöhen. Rund 3.000 Apotheker:innen hätten bereits die erforderliche Impfausbildung auf höchstem internationalem Niveau erfolgreich absolviert, teilt die Apothekerkammer mit, Internationale Erfahrungen würden zeigen, dass Impfangebote in Apotheken die Impfbereitschaft deutlich steigern. (red/APA)