© Kzenon – stock.adobe.com Mit ApoDoc soll telemedizinische Beratung in die Apotheken einziehen. Das Pilotprojekt läuft vorerst in ausgewählten Apotheken in Wien und Oberösterreich.
Die assistierte Telemedizin ApoDoc ist ein kostenloses Angebot für alle Personen, bei denen eine ärztliche videobasierte Beratung nötig ist. Seit dem 20. Februar wird diese an Randdienstzeiten (Freitag 14-18 Uhr und Samstag 08-12 Uhr) bereits in drei Wiener Apotheken angeboten. Ab Mitte März kommenzwölf weitere Apotheken in Wien und Oberösterreich dazu. Ziel des Pilotprojekts ist die Entwicklung und Erprobung eines standardisiertentelemedizinischen Ablaufs in öffentlichen Apotheken. Insbesondere außerhalb regulärer Ordinationszeiten soll damit ein zusätzlicher Zugang zu allgemeinmedizinischer Versorgung ermöglicht werden.
Kooperationspartner beim Projekt ApoDoc sind die Österreichische Apothekerkammer sowie die Gesundheitsdienstleister UNIQA Health Services und ihre Tochterfirma Mavie Next. „Als Österreichs führende Gesundheitsversicherung und Vorreiterin im Bereich der Telemedizin haben wir mit unserem Corporate Start-up Mavie das telemedizinische Angebot in den vergangenen Jahren kontinuierlich und sehr erfolgreich ausgebaut. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit der Österreichischen Apothekerkammer Telemedizin nun auch in die Apotheken bringen, denn dort erwarten sich Patientinnen und Patienten Hilfe. Dafür ist mitunter eine ärztliche Abklärung nötig, nicht immer muss diese aber auch physisch erfolgen. Für diese Fälle stellen wir telemedizinische Services von Mavie zur Verfügung“, sagt Hans Aubauer, Leiter Krankenversicherung der UNIQA Insurance Group.
Das neue Angebot verbinde die leichte Erreichbarkeit der Apotheke mit der Expertise von österreichischen Ärzt:innen, betonte Apothekerkammer-Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayer. „Wer mit einem gesundheitlichen Problem in die Apotheke kommt, kann entweder im Rahmen der betreuten Selbstmedikation mit rezeptfreien Arzneimitteln versorgt werden oder im Bedarfsfall mit einem Online-Arztgespräch.“ Die telemedizinischen Leistungen verstehen sich ausdrücklich als Ergänzung zu bestehenden ärztlichen Versorgungsstrukturen im niedergelassenen Bereich. „Sie erweitern den Zugang zu medizinischer Beratung dort, wo ein rascher, niederschwelliger Erstkontakt sinnvoll ist. Mit ApoDoc leisten wir einen wichtigen Beitrag zur besseren Steuerung von Patientenströmen: Statt am Samstag in eine Spitalsambulanz zu gehen, können gesundheitliche Anliegen vor Ort in der Apothekeeffizient telemedizinisch abgeklärt werden.“ Das Pilotprojekt läuft bis Ende Juni 2026. Wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird es vom Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU).
Kritik kommt aus der Ärztekammer: „Arztgespräche sind sensibel und müssen in einem Umfeld passieren, das dafür auch optimal ausgelegt und eingerichtet ist. Das Hinterzimmer einer Apotheke ist dafür gänzlich der falsche Ort“, sagt Peter Niedermoser, Präsident der Ärztekammer für Oberösterreich. „Natürlich wird die Telemedizin in Zukunft ein ganz wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung sein. Hier sollte aber der erste Ansprechpartner die Ärztin bzw. der Arzt des Vertrauens sein. Der Schutz des Patienten, die Diskretion, die räumlichen Voraussetzungen in diesem Bereich sind Grundvoraussetzungen für ein funktionierendes System und kein Gespräch zwischen Tür und Angel.”
Zu hinterfragen sei auch die Tatsache, dass hinter der Umsetzung ein großer, privater Versicherungskonzern als Partner steckt. „Finanzielle Interessen dürfen überhaupt keine Rolle spielen“, so Niedermoser. Der OÖ-Ärztekammer-Präsident appelliert anstatt der Schnellschüsse der Apothekerkammer-Präsidentin zu einem gemeinsamen Schulterschluss in Richtung besserer Versorgung für die Bevölkerung. „Es wäre doch viel besser, sich gemeinsam darum zu kümmern, dass die Österreichische Gesundheitskasse endlich gute Rahmenbedingungen schafft, dass sich die jungen Kolleginnen und Kollegen, die in der Linzer Medizinischen Fakultät ausgebildet werden und für die sich auch die Apothekerkammer eingesetzt hat, in Oberösterreich niederlassen und die Versorgung übernehmen. Bleiben wir doch bei dem, was wir können, bei dem, was jede Berufsgruppe in seiner Ausbildung gelernt hat.“ (APA/tab)