Dr.in Lea Kausche
Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie, Kepler Universitätsklinikum Linz
In der Serie „NEXT GENERATION“ beantworten junge Onkolog:innen fünf Fragen zu ihrem Berufsleben, die gemeinsam mit der YHOGA erarbeitet wurden. Im Interview spricht Dr.in Lea Kausche von der Abteilung Hämatologie und Internistische Onkologie des Kepler Universitätsklinikums Linz über aktuelle Herausforderungen in der personalisierten Patientenversorgung und die Zukunft des onkologischen Berufsbildes.
Dr.in Lea Kausche: Wichtig finde ich eine strukturierte Ausbildung – sowohl in der internistischen Grundausbildung als auch im Rahmen der Schwerpunktausbildung. Unterstützend ist eine feste Ansprechperson im Team, mit der Ausbildungsziele und individuelle Schwerpunkte regelmäßig besprochen werden; in unserem Team übernimmt diese Aufgabe aktuell ein Oberarzt, der die Ausbildung der Kolleg:innen koordiniert. Aus meiner Sicht beschränkt sich eine gelungene Facharztausbildung aber nicht nur auf das eigene Haus. In Österreich sind junge Onkolog:innen über die YHOGA sehr gut vernetzt und es werden über die OeGHO zahlreiche Fortbildungen angeboten. Besonders freut es mich, dass die Teilnahme an diesen Fortbildungen in meiner Abteilung unterstützt wird.
Die onkologische Patientenversorgung hat sich durch neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten grundlegend verändert. Während früher die Chemotherapie im Vordergrund stand, wird die Medizin heute zunehmend molekularer und ermöglicht insbesondere in Zentren mit Anbindung an akademische Einrichtungen personalisierte Therapien. Neue Therapieformen gehen jedoch mit neuen Nebenwirkungen einher, die ein strukturiertes, fachübergreifendes Management erfordern. Eine weitere Herausforderung besteht in der vorausschauenden Planung sinnvoller Therapiesequenzen. Zusätzlich eröffnet die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz neue Perspektiven, etwa für den Wissensgewinn, die Recherche und die digitale Begleitung von Patient:innen über Apps – unter Berücksichtigung von Datenschutz und technischen Rahmenbedingungen.
Der rasche Wissenszuwachs und die Vielfalt therapeutischer Möglichkeiten erfordern eine zunehmende Subspezialisierung in der Onkologie. Gleichzeitig bietet die hämatologisch-onkologische Ausbildung in Österreich eine im internationalen Vergleich breite internistische Basis. Das Fachgebiet umfasst neben malignen Erkrankungen auch gutartige Bluterkrankungen und die Hämostaseologie, die insbesondere bei therapieassoziierten Blutungs- oder Thrombosekomplikationen relevant ist. Positiv hervorzuheben sind zudem die zunehmende interprofessionelle Zusammenarbeit, etwa mit Kolleg:innen aus der Physiotherapie oder der Apotheke, erweiterte Spezialisierungsmöglichkeiten in der Pflege, etwa zur Cancer Nurse, sowie ein gestiegenes Bewusstsein für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Die Balance zwischen Klinik und Forschung ist herausfordernd. An einer Universitätsklinik liegt der Vorteil jedoch in gemischten Teams aus primär klinisch tätigen und forschungsaktiven Ärzt:innen. Für den Erfolg von Forschungsprojekten ist es wichtig, dass ein Teil der Forschung planbar während der regulären Arbeitszeit stattfindet. An meiner Klinik gibt es dafür strukturierte Forschungsfreistellungsprogramme.
Im internationalen Vergleich sehe ich die Versorgungsqualität in Österreich auf einem hohen Niveau. Das Gesundheitssystem ermöglicht einen breiten Zugang zu umfassenden diagnostischen und therapeutischen Optionen. Dadurch ist auch eine personalisierte Medizin gut umsetzbar. Eine zentrale Rolle spielen dabei interdisziplinäre und zunehmend auch molekulare Tumorboards. Für die Zukunft ist insbesondere vor dem Hintergrund einer alternden Bevölkerung von einem steigenden Bedarf an Fachärzt:innen für Hämatologie und Onkologie auszugehen. Die langfristige Begleitung von Krebspatient:innen wird, mit immer effizienteren diagnostischen und therapeutischen Optionen, zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Vielen Dank für das Gespräch!