Frühzeitige Awareness und nachhaltige Therapie

Bei Kindern und Erwachsenen basiert das Management inhalativer Allergien auf 3 Säulen: Allergenvermeidung, bedarfsorientierte medikamentöse Therapie und allergenspezifische Immuntherapie (Abb.). Kinder sind aber keine „kleinen Erwachsenen“ und dürfen daher auch nicht als solche behandelt werden.

Frühzeitige Diagnose

In der Diagnose von allergischen Erkrankungen spielt die Anamnese eine wichtige Rolle – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen. In der Pädiatrie basiert die Anamnese häufig auf den Angaben der Eltern oder Betreuungspersonen. Es ist daher von großer Bedeutung, Eltern dabei zu unterstützen, allergische Symptome korrekt zu erkennen. Diese werden nicht selten mit rezidivierenden Infekten verwechselt oder durch diese maskiert. Zudem bleiben bestimmte Symptome – wie beispielsweise eine eingeschränkte Nasenatmung in der Nacht oder eine verminderte Schlafqualität – häufig unbeobachtet oder unbemerkt.
Auch im Jugendalter, einer Lebensphase, in der sich junge Menschen oft wenig mit ihren gesundheitlichen Problemen auseinandersetzen möchten, ist eine gezielte Begleitung sowohl der Jugendlichen als auch ihrer Eltern essenziell. Im Erwachsenenalter stellen andere Grunderkrankungen, insbesondere Refluxerkrankung, kardiale Belastungen oder Nikotinabusus, wichtige Differenzialdiagnosen bei der Abklärung von Atemnot und Reizhusten dar.
Standardisierte diagnostische Untersuchungen mit Haut-Pricktest, Blutabnahme und gegebenenfalls Provokationstestung spielen zusammen mit der Anamnese eine zentrale Rolle bei der Diagnosestellung. Bei Kindern sind diese Untersuchungen oft nur eingeschränkt durchführbar. Blutabnahmen stellen nicht selten eine Herausforderung dar. Behaarung der Haut oder Tätowierungen erfordern oftmals eine Adaptierung der Untersuchungen im Erwachsenenalter.
Spirometrie ist eine fundamentale Untersuchung zur Beurteilung von Atembeschwerden, eignet sich aber meist erst ab etwa 5 bis 6 Jahren, da jüngere Kinder oft nicht zuverlässig mitarbeiten können. Kinderärzt:innen stützen sich in diesen Fällen verstärkt auf die klinische Beobachtung durch die Eltern und ggf. auf Videoaufnahmen von Atemepisoden. Eine inhalative Therapie mit Kortikosteroiden wird oft in solchen Situationen diagnostisch eingesetzt.

Abb.: Jede Allergiebehandlung basiert auf 3 wichtigen Pfeilern

3 Säulen der Behandlung

Allergenvermeidung

Die Allergenvermeidung gilt grundsätzlich als wichtigste Maßnahme – das Verhindern der allergischen Beschwerden ist immer besser als jede Behandlung. Insbesondere jüngeren Kindern sind Einschränkungen oft schwer zu vermitteln, etwa nicht auf einer Wiese zu spielen oder die Anzahl von Kuscheltieren im Bett zu reduzieren. Maßnahmen der Allergenvermeidung müssen daher immer realistisch, alltagstauglich und familienorientiert gestaltet werden. Sind Haustiere vorhanden, gilt es, die alltäglichen Gewohnheiten zu verändern. Besuche bei Tierbesitzer:innen werden zur emotionalen Herausforderung, wenn dadurch die Atemwege stark gereizt werden. Die konsequente häusliche Reinigung ist bei Milbenallergie durch besondere Maßnahmen wie HEPA-Filter beim Staubsauger, Reduktion von Textilien und der Anwendung spezieller Wasch- und Reinigungsmittel zu ergänzen. Kleidungswechsel nach Aufenthalten im Freien oder Heukontakt im Stall, Haarewaschen und das Trocknen der Wäsche im Wäschetrockner helfen, die Pollenbelastung zu reduzieren.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Therapie der allergischen Rhinitis und Konjunktivitis erfolgt bedarfsorientiert. Bei der Behandlung von Kindern muss neben der alters- und gewichtsadaptierten Dosierung auch die Darreichungsform berücksichtigt werden (Saft, Tablette, Schmelztablette). Orale Lösungen wurden speziell für Kinder entwickelt, enthalten jedoch häufig Zucker und sind im Alltag, insbesondere auf Reisen, weniger praktisch. Eine Umstellung auf Tabletten ist generell ab dem 12. Lebensjahr sinnvoll. Nasensprays und Augentropfen können grundsätzlich bei allen Altersgruppen eingesetzt werden. Bei jüngeren Kindern stellt jedoch die Akzeptanz dieser Applikationsformen häufig eine Herausforderung dar. Die Therapie sollte daher regelmäßig gemeinsam mit den Eltern evaluiert werden, um sicherzustellen, dass sie praktikabel, akzeptiert und wirksam ist.
Bei Atembeschwerden kommen sowohl antiinflammatorische inhalative Kortikosteroide als auch inhalative Bronchodilatatoren zum Einsatz. Diese Therapien können bereits bei kleinen Kindern mit rezidivierenden Atembeschwerden eingesetzt werden. Eine engmaschige Kontrolle ist hier erforderlich, um das Ansprechen auf die Therapie zu beurteilen. Im Falle eines Asthmas empfehlen die aktuellen GINA-Leitlinien bereits bei mildem Asthma bronchiale eine antiinflammatorische Therapie (niedrig dosiertes inhalatives Kortikosteroid) zusätzlich oder kombiniert mit einem Betamimetikum als Bedarfstherapie. Es ist sehr wichtig, bei allen Altersgruppen auf eine richtige Inhalationstechnik und die entsprechende Schulung zu achten. Bei Dosieraerosolen ist die Nutzung einer Vorschaltkammer zu berücksichtigen bzw. die Umstellung auf Pulverinhalatoren zu erwägen. Eine Therapie mit Montelukast wird entsprechend den Leitlinien nicht mehr als primäre Therapie empfohlen und sollte nur in ausgewählten Fällen als Add-on-Therapie eingesetzt werden.

Allergenspezifische Immuntherapie (AIT)

Die dritte Säule der Allergiebehandlung ist die allergenspezifische Immuntherapie. Es besteht eine zunehmende Evidenz dafür, dass die Immuntherapie nicht nur therapeutisch wirkt, sondern auch einen präventiven Effekt auf die Entwicklung weiterer Allergien und die Progression zum Asthma bronchiale haben kann. Aufgrund der Plastizität des kindlichen Immunsystems wird eine frühzeitige Immuntherapie empfohlen.
Für die allergenspezifische Immuntherapie stehen mittlerweile zahlreiche standardisierte Präparate in Form von subkutan zu verabreichenden Injektionen oder sublingual anzuwendenden Tabletten oder Tropfen von hoher Qualität zur Verfügung. Spritzenangst oder der Vorteil der selbständigen Einnahme bei Zeitmangel versus Arzttermin für Injektionen mit gleichzeitiger Symptomkontrolle fließen in die Entscheidungsfindung ein.

Partizipation und Transition

Abschließend ist es in der Behandlung junger Patient:innen essenziell, Kinder und Jugendliche altersentsprechend aktiv in Therapieentscheidungen einzubeziehen. Etwa ab dem 12. Lebensjahr sollten Jugendliche schrittweise Verantwortung für ihre Erkrankung übernehmen. Dies ist ein zentraler Bestandteil der sogenannten Transitionsmedizin. Nur gut informierte und aufgeklärte junge Menschen sind langfristig in der Lage, ihre allergische Erkrankung eigenverantwortlich zu managen. Dies ist besonders wichtig, da Allergien in der Regel chronische Erkrankungen sind, es bestehen jedoch sehr effektive therapeutische Strategien zur Kontrolle der Symptome und zur Verbesserung der Lebensqualität.