In Österreich sind etwa 1,5–2 Millionen Menschen von allergischer Rhinitis betroffen. „Allergien befinden sich unter den Top-3 der chronischen Erkrankungen, bei Personen unter 30 Jahren ist es sogar das häufigste chronische Leiden“, machte Priv.-Doz.in Dr.in Petra Zieglmayer, Allergologin und HNO-Fachärztin, aufmerksam.
Viele Betroffene suchen nur selten ärztliche Hilfe und betrachten die Erkrankung als lästig, aber harmlos. Ein Irrglaube, da die allergische Rhinitis zu Asthma führen kann. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend. Neben der Allergenvermeidung und der symptomatischen Therapie stellt die allergenspezifische Immuntherapie eine wichtige Säule der Behandlung dar. Allerdings vergehen bis zu 15 Jahre bis zum Beginn der Therapie. Obwohl damit die Erkrankung kausal behandelt werden kann, wird sie kaum in Anspruch genommen – „eine verhängnisvolle Sorglosigkeit“, warnte Zieglmayer.
Nachdem das Pollenjahr 2025 unterdurchschnittlich verlief, ist heuer mit einer intensiven Saison zu rechnen. Nach den Frühblühern folgte in der 2. Märzhälfte die Birkenblüte, die oft starke Symptome hervorrufen kann. Eine hohe Pollenproduktion heißt aber nicht automatisch starke Beschwerden, erläuterte Lukas Dirr, MSc, Aerobiologe beim Österreichischen Polleninformationsdienst (ÖPID). Entscheidend sei der Verlauf der Saison: Wenn die Belastung langsam ansteigt, kann sich der Körper besser anpassen. Hingegen können ein abruptes Einsetzen und starke Temperaturschwankungen die Symptomatik verschlimmern. Luftschadstoffe wie Feinstaub können dabei zusätzlich die Schleimhäute reizen und allergische Reaktionen intensivieren. Anfang Mai folgt die Gräserblüte, zu der dann im Sommer noch Beifuß und Ragweed hinzukommen, die bis in den Spätherbst zu Belastungen führen können. Durch klimatische Veränderungen beginnen die Blühzeiten vieler allergener Pflanzen früher, dauern länger und fallen teilweise intensiver aus, wodurch das pollenfreie Zeitfenster im Jahr immer kleiner wird, so Dirr.
Der ÖPID stellt seit knapp 50 Jahren wissenschaftlich fundierte und regional aufbereitete Informationen rund um die Pollenbelastung zur Verfügung. Das Messnetz umfasst 25 Pollenfallen in allen Bundesländern. Da Österreich 3 verschiedene Klimazonen vereint, kann sich die Belastung regional erheblich unterscheiden, erklärte Dr. Markus Berger, HNO-Mediziner und ÖPID-Leiter. Ein neues Tool stellt der KI-Chatbot „Pollee“ dar, der ausschließlich auf geprüfte Quellen im lokalen Netzwerk zugreift und so fachlich korrekte und auf Österreich abgestimmte Informationen bereitstellt. Neu ist darüber hinaus „Pollinar“, ein Webinar-Format für Menschen mit Pollenallergie. In der Grünraumgestaltung wurde die Allergenität von Pflanzen bisher nicht berücksichtigt. Das neue EU-Projekt „PollenCare“ setzt sich für die allergikerfreundliche Gestaltung von Grünflächen ein.