Machtkampf bei Online-Apotheke

© DocMorris

Der Konflikt zwischen Verwaltungsrat und Großaktionär der Versand-Apotheke DocMorris spitzt sich zu. Die Aktie hat seit 2022 massiv an Wert verloren.

Im Vorfeld der Aktionärsversammlung im Mai spitzt sich der Machtkampf bei der Online-Apotheke DocMorris zu. Der Verwaltungsrat wirft dem polnischen Großaktionär CEPD in seiner Einladung vom Donnerstag vor, eine feindliche Übernahme durch die Hintertür anzustreben. Das Gremium drängt die Aktionär:innen zur Ablehnung der Anträge des Investors, um die Unabhängigkeit des Unternehmens zu schützen. Der von Jacek Szwajcowski kontrollierte Investor CEPD, der im Frühjahr 2025 eingestiegen war, hält seit April rund 15 % der Anteile und ist somit der größte Aktionär von DocMorris. Der Großaktionär will bei der Generalversammlung vom 12. Mai früheren Angaben zufolge drei eigene Vertreter in den Verwaltungsrat wählen lassen und durch die Absetzung von Verwaltungsratspräsident Walter Oberhänsli den Vorsitz übernehmen.

Der Rivale von Redcare Pharmacy warnte, Szwajcowski wolle die Kontrolle über das Unternehmen erlangen, ohne den übrigen Anteilseigner:innen ein reguläres Übernahmeangebot mit entsprechendem Preisaufschlag zu unterbreiten. CEPD habe ein Angebot für einen einzelnen Sitz im Verwaltungsrat mehrmals ausgeschlagen. Zudem wirft DocMorris CEPD vor, keine Angaben zu seinen strategischen Absichten oder seinen Verpflichtungen gegenüber Finanzierungspartner:innen und Kreditgeber:innen zu machen. CEPD wollte sich vorerst nicht äußern. Der Verwaltungsrat von DocMorris schlägt stattdessen eine teilweise personelle Erneuerung vor, in dem er drei von sechs Sitzen neu besetzen will.

Gleichzeitig verwies DocMorris auf ermutigende Geschäftszahlen für das erste Quartal 2026. An der Börse legten die Aktien in den vergangenen fünf Tagen rund 13,4 % zu. Der eingeschlagene Kurs zeige Wirkung, weshalb Kontinuität an der Unternehmensspitze geboten sei. Allerdings hat die Aktie in den vergangenen fünf Jahren 96,5 % an Wert verloren.

CEPD hatte den Vorschlag, den Verwaltungsrat neu zu besetzen, im März eingebracht, nachdem das Unternehmen seine mittelfristigen Prognosen gekappt hatte. Man plane keine Übernahme von DocMorris „durch die Hintertür“, hieß es in einem Schreiben vom Donnerstagnachmittag. Solche Darstellungen seien „sachlich falsch, absichtlich irreführend und darauf ausgelegt, die Aktionäre von fünf Jahren Governance-Versagen abzulenken“. (red/APA)