© rh210 - stock.adobe.com Die EU hat sich auf den Critical Medicines Act geeinigt und hofft, Produktionskapazitäten in Europa auszuweiten und die Abhängigkeit von Drittstaaten zu reduzieren.
Im Kampf gegen Engpässe bei lebenswichtigen Medikamenten in der EU haben sich Unterhändler:innen in Brüssel auf Regeln geeinigt, um die europäische Produktion von Arzneimitteln leichter mit öffentlichen Geldern unterstützen zu können. „Die Patienten sollten sich keine Sorgen darüber machen müssen, ob wichtige Arzneimittel wie Antibiotika in ihrer Apotheke oder ihrem Krankenhaus verfügbar sind“, teilte der zypriotische Gesundheitsminister, Neophytos Charalambides, mit. Nach EU-Angaben stammen etwa 80 bis 90 Prozent der Medikamente in Europa aus Asien, vor allem aus China.
Ein Fokus liegt auf der Vergabe öffentlicher Aufträge. Im Fall von Arzneimitteln, bei denen es eine hohe Abhängigkeit von einem oder wenigen Ländern gibt, sollen künftig in Europa hergestellte Medikamente bevorzugt werden. „Dazu gehört, dass Lieferanten proportional zu dem Anteil der in der EU hergestellten Arzneimittel und deren pharmazeutischer Wirkstoffe vergütet werden“, teilte das EU-Parlament mit. So sollen Anreize für sichere Lieferketten geschaffen werden.
Ein weiterer Punkt: Sogenannte strategische Projekte sollen schneller genehmigt werden und rascher Zugang zu Förderungen bekommen. Mehrere Länder können sich zudem künftig zusammenschließen und gemeinsam wichtige Medikamente beschaffen. Das betrifft unter anderem Arzneimittel für seltene Erkrankungen. Bevor die Regeln in Kraft treten können, müssen sie noch vom Europaparlament und den EU-Staaten bestätigt werden, was als Formsache gilt.
Die pharmazeutische Industrie in Österreich sieht im Critical Medicines Act Chancen, verweist aber auf den anhaltend hohen Preisdruck und notwendige bessere Standortbedingungen. „Wer eine stärkere Produktion in Europa will, muss auch bereit sein, die damit verbundenen höheren Kosten zu tragen. Eine dauerhafte Niedrigpreispolitik, wie sie bisher üblich war, steht dem Ziel resilienter Lieferketten entgegen“, betont Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG. Gerade bei patentfreien Arzneimitteln sei der Preisdruck in vielen europäischen Ländern und auch in Österreich enorm hoch, wodurch Produktionskapazitäten aus Europa abgewandert seien.
Kritisch sieht die PHARMIG auch den Vorstoß einer gemeinsamen Beschaffung. „Was diese nicht bewirken darf, ist, dass es erst recht wieder zu einer Standortschwächung und Marktausdünnung kommt, indem der Druck auf Arzneimittelproduzenten durch zusätzliche Verpflichtungen weiter erhöht wird. Vielmehr sollte auch diese Form des Einkaufs am Ende dazu beitragen, Europa als Forschungs- und Produktionsstandort für Arzneimittel zu stärken und nicht weiter zu schwächen.“ (tab/APA)