Rund 80–90 % aller Hautkrebsfälle stehen in Zusammenhang mit langfristiger Exposition gegenüber ultravioletter Strahlung. Die regelmäßige Anwendung von Sonnenschutzmitteln reduziert nachweislich das Risiko für die Entstehung von Melanomen sowie Nicht-Melanom-Hautkrebs wie dem Plattenepithelkarzinom, da UV-Strahlung DNA-Schäden in den Hautzellen verursacht, die mutagen wirken können. UV-Exposition ist darüber hinaus der Hauptfaktor für die extrinsische Hautalterung, das sogenannte Photoaging, das sich durch Faltenbildung, Pigmentflecken, Hautatrophie und Teleangiektasien äußert. Studien zeigen, dass die regelmäßige Anwendung von Sonnenschutzmitteln signifikant mit geringerer Faltentiefe und einem jünger wahrgenommenen Hautbild assoziiert ist. Chronische UV-Schäden führen zudem zum Abbau von Kollagen und elastischen Fasern im Stratum reticulare sowie zur Ausdünnung der Epidermis, was die Barrierefunktion der Haut beeinträchtigt, die Wundheilung verzögert und immunologische Schutzfunktionen der Haut schwächt.
Je nach Hauttyp ist ein unterschiedlicher Lichtschutzfaktor (LSF) indiziert. Der internationale Standard zur Klassifikation ist der Fitzpatrick Skin Type (FST), der 1988 von Thomas B. Fitzpatrick beschrieben wurde und unter anderem zur Bestimmung der minimalen Erythemdosis (MED) – der UV-Dosis, die gerade noch eine Erythemreaktion auslöst – herangezogen wird (Tab. 1).
Der effektive Sonnenschutz ergibt sich aus dem Produkt von Eigenschutzzeit und LSF: Bei FST I (Eigenschutz ca. 10 Minuten) und LSF 50 ergibt sich rechnerisch ein Schutz von etwa 500 Minuten – wobei dieser Wert unter Realbedingungen durch unvollständiges Auftragen, Schwitzen und Baden deutlich reduziert wird. Generell wird für alle Personen ab einem Alter von 6 Monaten ein LSF von mindestens 30 empfohlen, wobei für FST I und II sowie für Kinder LSF 50+ indiziert ist.
Sonnenschutzmittel enthalten chemische (organische), mineralische (anorganische) UV-Filter oder eine Kombination aus beiden. Chemische Filter wie Avobenzon absorbieren UV-Strahlung und wandeln sie in Wärme um. Sie sind leicht in der Textur, können jedoch bei empfindlicher Haut Irritationen verursachen. Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid reflektieren und streuen UV-Strahlung physikalisch, sind photostabil und gut verträglich, weshalb sie bei Kindern, sensibler Haut und in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl gelten.
Für einen adäquaten Schutz ist die aufgetragene Menge entscheidend: Studien zeigen, dass in der Praxis häufig nur 25–50 % der empfohlenen Menge von 2 mg/cm2 verwendet werden, was den tatsächlichen LSF erheblich reduziert. Sonnenschutzmittel sollten 20–30 Minuten vor UV-Exposition aufgetragen und alle 2 Stunden sowie nach dem Schwimmen oder starkem Schwitzen erneut appliziert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt photosensibilisierenden Arzneimitteln – darunter Tetrazykline, Thiazide, bestimmte NSAR und Fluorchinolone –, bei deren Anwendung ein erhöhtes Erythemrisiko besteht und konsequenter Lichtschutz besonders zu empfehlen ist. Sonnenschutz ist zudem nur ein Element einer umfassenden Strategie, die das Aufsuchen von Schatten, das Tragen von Kopfbedeckung und UV-Schutzkleidung sowie das Meiden der Mittagssonne einschließt.