Ulrike Königsberger-Ludwig, Christoph Hörhan © AHF Eine neue Umfrage analysiert Trends und Erwartungen zum Gesundheitssystem: Die Menschen in Österreich sehen skeptisch in die Zukunft, sind aber reformbereit.
Eine Umfrage im Vorfeld des am Donnerstag beginnenden Austrian Health Forum in Schladming zeigt Reformbereitschaft in vielen Bereichen. Durchgeführt wurde die repräsentative Befragung von 1000 Österreicher:innen ab 16 Jahren im Mai 2026 durch Demox Research. „Es gibt klare Anzeichen, dass die Bevölkerung in vielen Bereichen reformbereit ist. Die Sicherung der Versorgung bleibt Top-Thema, aber die Menschen sind offen für neue Ansätze im System“, fasst Christoph Hörhan, Gründer des Austrian Health Forum, die Ergebnisse der Umfrage zusammen.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, stimmen viele den folgenden Lösungen zu: 86 % befürworten eine Attraktivierung der Gesundheitsberufe schon beim Berufseinstieg. 80 % wünschen sich eine verstärkte Einbindung von Wahlärzt:innen in das öffentliche Gesundheitssystem. 66 % können sich außerdem vorstellen, dass qualifiziertes Fachpersonal in Apotheken medizinische Leistungen übernimmt, die bislang Ärzt:innen vorbehalten waren. Auch die Idee, nach einer Abklärung durch eine Gesundheitshotline einen Arzt oder eine Ärztin zugewiesen zu bekommen, wird von einer knappen Mehrheit (53 %) befürwortet. Für einen rascheren Termin beim Arzt sind sogar 58 % bereit, einen bestimmten Behandlungspfad einzuhalten, beispielsweise die Anmeldung über eine Telefonhotline wie etwa der Gesundheitshotline 1450.
Bei der Diskussion um Krankenhausstandorte zeigen sich 42 % pragmatisch: Sie würden längere Fahrzeiten ins Krankenhaus akzeptieren, wenn sie im Nachbarbezirk mit einer besseren Versorgung rechnen könnten, etwa durch eine höhere Spezialisierung in einem etwas weiter entfernten Schwerpunkt-Krankenhaus. Allerdings lehnen 51 % der Befragten den Abbau eines Spitalsstandorts im eigenen Bezirk strikt ab. 68 % glauben nicht, dass es der Politik gelingen wird, die Herausforderungen im Gesundheitswesen zu bewältigen. 66 % glauben nicht, dass es Einsparungen im System ohne Leistungskürzungen geben kann, vielmehr erachten 82 % Kürzungen bei Leistungen, höhere Selbstbehalte oder Kosten in naher Zukunft im Gesundheitswesen für wahrscheinlich.
Noch immer geben 55 % an, mit der Gesundheitsversorgung und dem System von medizinischer Versorgung in Österreich zufrieden zu sein. Doch der Anteil der Zufriedenen sinkt von Jahr zu Jahr. Als unzufrieden bezeichnen sich 44 % und bezogen auf die Versorgung durch Hausärzte, Fachärzte und Krankenhäuser bemängeln 64 % eine allgemeine Verschlechterung: hauptsächlich aufgrund der längeren Wartezeiten, der schwierigen Terminvergabe (38%), des Ärztemangels (32%), nur 17% bemängeln die Qualität der Behandlungen, der Diagnostik oder Kommunikation durch ärztliches Personal. (rüm)