© Erste Group / Rotes Kreuz Eine Analyse von hunderttausenden Rettungseinsätzen zeigt: Schon zwei aufeinanderfolgende Hitzetage erhöhen die Belastung von Gesundheitsberufen messbar.
Die jüngste Hitzewelle in Österreich belastete nicht nur die Bevölkerung, sondern auch Einsatzorganisationen massiv. Das zeigt eine neue Studie des Ludwig Boltzmann Institute for Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) gemeinsam mit der MedUni Wien, dem ComplexityScience Hub, der Berufsrettung Wien sowie der University of California.
Das Forschungsteam analysierte mehr als 936.000 Einsätze der Berufsrettung Wien und verknüpfte diese mit meteorologischen Daten aus 506 Messpunkten im Wiener Stadtgebiet. Die Auswertung zeigt: Bereits zwei aufeinanderfolgende Tage mit einer Mindesttemperatur von mindestens 20,5 Grad Celsius führten zu einem signifikanten Anstieg der Rettungseinsätze. An Sommertagen rückte die Berufsrettung im Durchschnitt zu 900 bis 1.000 Einsätzen pro Tag aus, an Spitzentagen zu mehr. Je länger eine Hitzewelle andauerte, desto stärker nahm die Nachfrage nach Notfallversorgung zu. Besonders ausgeprägt war der Effekt während der ersten Hitzewelle eines Sommers, wenn sich die Bevölkerung noch nicht an die hohen Temperaturen angepasst hat. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Hitzewellen die Notfallversorgung deutlich stärker beeinflussen als bislang angenommen“, erklärt Sebastian Zeiner, Anästhesist und Intensivmediziner an der MedUni Wien und der UCSF.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre: Während Hitzewellen mussten sie um knapp 20 Prozent häufiger vom Rettungsdienst versorgt werden. Bei älteren Menschen zwischen 76 und 85-Jahren nahmen die Einsätze um mehr als 12 Prozent zu. Zudem traten während heißer Phasen hitzebedingte Erkrankungen, Atemwegserkrankungen, Bewusstlosigkeit sowie Verletzungen und Stürze deutlich häufiger auf. Die erhöhte Belastung des Rettungsdienstes endete nicht mit der Hitzewelle, sondern blieb noch bis zu fünf Tage nach deren Ende erhöht.
„Solche Muster frühzeitig zu erkennen, ist entscheidend, um Rettungsdienste und Gesundheitssysteme besser auf extreme Hitze vorzubereiten und rechtzeitig zu entlasten“, so Oliver Kimberger, wissenschaftlicher Leiter am LBI DHPS. Aufbauend auf diesen Ergebnissenentwickelt die Forschungsgruppe derzeit Machine-Learning-Modelle zur Vorhersage des Rettungsdienstaufkommens. (tab)
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