Die häufigsten Ursachen für eine Vaginitis sind die bakterielle Vaginose (BV) und die vulvovaginale Kandidose (VVC). Trotz der Häufigkeit der BV und VVC müssen weitere Ursachen wie parasitäre Infektionen oder sexuell übertragbare Krankheiten (STD) im Rahmen der Diagnostik einer Vaginitis in Betracht gezogen werden.
Während die BV mit einer Prävalenz von 23% bis 29 % in der Literatur beschrieben wird, leiden mindestens 70 % bis 75 % der Frauen einmal in ihrem Leben an einer VVC. Die bakterielle Vaginose ist gekennzeichnet durch das Auftreten einer hohen diversen Bakterienanzahl, insbesondere der Gardnerella species, mit gleichzeitiger Verdrängung des protektiven vaginalen Mikrobioms durch Laktobazillen. Zudem spielen die Ethnizität, der Lebensstil, hormonelle Faktoren sowie das Sexualverhalten eine prägende Rolle bei der Entstehung einer BV.
Im Rahmen der VVC kommt es zu einer Besiedelung der Vagina und Vulva durch Candida-Pilze, wobei Candida albicans den häufigsten darstellt. Im Rahmen der Schwangerschaft, durch Vorliegen eines Diabetes mellitus oder durch Antibiotika-, Hormonersatz- oder Immunsuppressionstherapie kann das Auftreten einer VVC begünstigt werden.
Eine Vaginitis kann, muss jedoch nicht symptomatisch verlaufen. Im Falle eines asymptomatischen Verlaufs ist eine Therapie außerhalb einer Schwangerschaft nicht zwangsläufig indiziert. Zu den klassischen Symptomen einer Vaginitis gehören Pruritus, Brennen, Dyspareunie sowie Dysurie, kombiniert mit einer Veränderung des Vaginalsekrets in Bezug auf Geruch und Konsistenz bzw. Aussehen.
Initial mag die Diagnose nicht eindeutig sein, im Hinblick auf die Erreger sind jedoch Unterschiede der Symptomatik feststellbar: Die Symptome der BV werden durch die Amsel-Kriterien beschrieben. Hierzu zählen der vaginale pH-Wert > 4,5, der Fluor genitalis sowie das Auftreten eines Amingeruchs bei Zugabe von Kalilauge zum Vaginalsekret. Weiterhin können im Nativsekret sog. Clue Cells im Mikroskop betrachtet werden, welche die bakterielle Besiedelung der Vaginalepithelzellen beschreiben. Sind 3 dieser 4 Kriterien erfüllt, kann von einer BV ausgegangen werden. Im Gegensatz dazu treten im Rahmen der VVC eine Rötung im Bereich der Labien, ein Brennen sowie ein weißlicher Ausfluss von bröckliger Konsistenz auf. Begleitend können Dysurie sowie Dyspareunie auftreten. Im Hinblick auf parasitäre Infektionen stellt das Protozoon Trichomonas vaginalis eine weitere typische Ursache der Vaginitis dar. Typisch ist ein Pruritus, lokales Brennen sowie Dyspareunie und Dysurie in Kombination mit einem gelblich-grünlichen Vaginalsekret von schaumigem Charakter.
Im Rahmen der Diagnostik einer Vaginitis sollte mit einer gründlichen gynäkologischen Anamnese sowie klinischen Untersuchung begonnen werden. Bei Verdacht auf eine BV sollte der mikroskopische Nachweis von Clue Cells im Nativpräparat erfolgen. Den Goldstandard stellt die Gram-Färbung und Bestimmung des Nugent Scores dar. Eine molekulargenetische Diagnostik ist derzeit speziellen Fällen der BV vorbehalten und spielt in der klinischen Routine eine untergeordnete Rolle. Zur Feststellung der VVC stellt die Klinik in Kombination mit dem mikroskopischen Nachweis von (Pseudo-)Hyphen das diagnostische Mittel der Wahl dar. In unklaren Fällen kann, laut Leitlinie, die Anlage einer Kultur erfolgen. Die Trichomonaden können ebenfalls im Mikroskop detektiert werden, auch hier stehen zur weiteren Diagnostik die Kultur nach Vaginalabstrich sowie die PCR-Testung zur Verfügung.
Bei symptomatischer Vaginitis sollte in jedem Fall eine leitliniengerechte Therapie eingeleitet werden, bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft auch bei asymptomatischer Vaginitis. Zur Behandlung der BV und der Trichomoniasis steht die antibiotische Behandlung zur Verfügung, während für die VVC eine antimykotische Therapie lokal oder oral anzuwenden ist (Tab.). Neben den oben genannten gibt es multiple weitere Therapiemöglichkeiten, hier sind auch nichterregerspezifische Therapeutika wie Dequaliniumchlorid zu erwähnen. Wichtig ist jedoch, dass eine Therapie niemals ohne vorherige adäquate Diagnostik erfolgen sollte.

Bei Symptomen wie Pruritus, Brennen oder Rötung der Vulva und/oder Vagina und Auftreten eines auffälligen Fluors können neben den häufigsten genannten Auslösern auch andere Infektionen ursächlich sein. Im Rahmen einer umfassenden Diagnostik müssen STD wie z.B. Chlamydien, Gonorrhö oder Genitalherpes in Betracht gezogen werden, um schwerwiegenden Komplikationen wie Infertilität oder Pelvic Inflammatory Disease (PID) vorzubeugen.