© Parlamentsdirektion/Arman Rastegar Neben mehr Primärversorgungseinheiten soll es künftig auch Facharztzentren geben. Die Gesundheitsministerin und die Staatssekretärin gaben am Wochenende erste – noch vage – Einblicke in die Pläne.
Die fachärztliche Versorgung soll es in Zukunft in Österreich außerhalb der Spitäler zunehmend in eigenen Facharztzentren geben. Dafür ist eine Anschubfinanzierung notwendig, für die weitere Zukunft sollen die Gelder dafür dann in den nächsten Finanzausgleichsverhandlungen festgelegt werden, erklärten am Samstag Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) und ÖGK-Obmann Andreas Huss bei den Praevenire Gesundheitsgesprächen in Alpbach.
„Der Reformprozess ist kein Sparprogramm. Aber der Hauptgrund ist, dass wir die Gesundheitskosten im Griff behalten. Wir werden Transformationsbudgets brauchen, wenn wir beginnen, Facharztzentren zu etablieren. Dann wird man diese neuen Zentren, die neuen Planungen und Strukturen im Finanzausgleich abbilden müssen“, sagte die Staatssekretärin Samstagnachmittag. Der Prozess stehe erst am Beginn und sei für Jahre geplant. Ähnlich auch der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss: „Wir brauchen eine Anschubfinanzierung. Die kommt vom Bund und ist bereits fixiert. Die Dauerfinanzierung ist dann Aufgabe von Bundesländern und Sozialversicherung gemeinsam. Das wird für den nächsten Finanzausgleich verhandelt, der mit 1. Jänner 2029 in Kraft treten wird.“ Da werde man dann auch den Kostenschlüssel zwischen Bundesländern und Krankenkassen ausverhandeln.
Der Hintergrund: Die Bundesländer mit ihren Krankenhäusern müssen laut dem Generaldirektor der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS), Alexander Biach, derzeit jährlich Ausfallhaftungen von 6,5 Milliarden Euro übernehmen und drängen auf Verlagerung von medizinischen Leistungen in den niedergelassenen Bereich. Als möglichen Ausweg dazu wurde in der aktuellen Gesundheitsreform neben dem Ausbau der Primärversorgungseinheiten in Sachen Allgemeinmedizin auch die Etablierung von Facharztzentren festgelegt. Sie sollen einerseits die Spitäler und Ambulanzen entlasten, andererseits eine bessere fachärztliche Versorgung mit längeren Öffnungszeiten und schnelleren Terminen gewährleisten.
Noch unklar ist, ob es im Zuge der Reform auch zu Spitalsschließungen kommen wird. In ersten Papieren der Reformpartner wurde das in den Raum gestellt. Gesundheitsminister Korinna Schumann (SPÖ) betonte am Sonntag in der ORF-Pressestunde, dass nicht an Spitalsschließungen gedacht werde. Gefragt nach entsprechenden Befürchtungen und Kritik aus den eigenen Parteireihen, darunter Kärnten und Burgenland, aber auch einer Studie ihres eigenen Ministeriums, wonach Spitäler unter 180 Betten geschlossen werden könnten, sprach die Ministerin von „Weiterentwicklungen“. Die Standorte würden Gesundheitsstandorte bleiben, aber könnten langfristig etwa zu Facharztzentren, zu Primärversorgungszentren oder zu spezialisierten Spitälern weiterentwickelt werden. Es gehe um einen Gesamtplan, nicht mehr um Einzeleinheiten, so Schumann, es brauche eine Verbindung der vielen einzelnen Teile und Zusammenarbeit über die Bundeslandgrenzen hinweg. (red/APA)