Praxisnahe Themen beim 8. Steirischen AHOP-Fortbildungstag

Am 29. Jänner 2026 luden Bettina Fiedler und Marlene Fitzek zum 8. Steirischen AHOP-Fortbildungstag nach Graz. Den Auftakt machte Dr. Gabriel Rinnerthaler mit einem Vortrag zu Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (Antibody-Drug Conjugates, ADC). Er zeigte anschaulich, wie diese innovativen Therapieformen die onkologische Behandlung revolutionieren. Ergänzend dazu stellte Marlene Fitzek die spezifischen pflegerischen Maßnahmen zu den derzeit in Österreich zugelassenen ADC vor.

Neues Nebenwirkungsspektrum

Besonders deutlich wurde dabei die Veränderung des Nebenwirkungsspektrums: Während früher Übelkeit und Diarrhö im Vordergrund standen, treten heute zunehmend Augentoxizitäten, spezielle Formen oraler Mukositis sowie Hautreaktionen auf. Um Patient:innen optimal begleiten zu können, bleibt kontinuierliche Fortbildung daher essenziell.
Aktuelle Erkenntnisse zur chemotherapieinduzierten peripheren Neuropathie präsentierten 2 Ergotherapeut:innen. Sie hoben hervor, wie wichtig eine frühzeitige sensorische und motorische Stimulation ist. Empfohlen werden mehrmals täglich kurze nervenstimulierende Übungen (3-mal 10 Minuten), beispielsweise mit Igelball oder Fingermassagering, ergänzt durch einfache motorische Trainings wie den Einbeinstand.

Chemotherapiebedingte kognitive Beeinträchtigung

Ein besonderer Schwerpunkt des Fortbildungstages war der Vortrag der Klinischen Psychologin Stefanie Hechenberger zum sogenannten „Chemohirn“, fachlich als krebsbedingte kognitive Beeinträchtigung (CRCI) bezeichnet. Bis zu 70 % der onkologischen Patient:innen sind im Verlauf ihrer Erkrankung davon betroffen. Die kognitiven Einschränkungen können bereits vor, während oder nach einer Krebstherapie auftreten und sind meist reversibel, können jedoch bis zu 36 Monate nach Therapieende bestehen bleiben. Konzentrationsprobleme, verminderte Belastbarkeit und sozialer Rückzug zählen zu den häufigsten Folgen und beeinträchtigen die Lebensqualität oftmals erheblich. Hechenberger betonte daher die Bedeutung eines frühen Erkennens, gezielten Screenings und einer adäquaten Patientenedukation. Dabei sei zu berücksichtigen, dass subjektiv wahrgenommene kognitive Veränderungen trotz unauffälliger Screening-Ergebnisse bestehen können. Hechenberger betonte zudem die zentrale Rolle der Pflege im frühzeitigen Erkennen und in der Begleitung Betroffener. Besonders wichtig seien aktives Zuhören, gezielte Patientenedukation, Unterstützung im Alltag sowie die Weitervermittlung an geeignete Fachstellen.

Notfallmedizin

Den Abschluss bildete Dr. Florian Mitter mit einem praxisnahen Vortrag zur Notfallmedizin in palliativen Situationen. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte er, dass nicht jede medizinisch mögliche Maßnahme auch sinnvoll ist. Im Mittelpunkt standen ethische Fragestellungen und individuelle Entscheidungsprozesse, die in der Betreuung von Palliativpatient:innen eine wesentliche Rolle spielen.