Hitzeschutz beginnt nicht bei 41 Grad

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Jetzt schreien also alle nach Hitzeschutzmaßnahmen. Das ist allerdings ein wenig spät. Hitzeschutz ist kein Notfallprogramm für die Hitzewelle, sondern eine Daueraufgabe.

Es ist schon bemerkenswert, dass jetzt wo das Thermometer erstmals 41 Grad erreicht, plötzlich alle über Hitzeschutz sprechen. Der Juli brachte bereits rund 400 Hitzetote in Österreich, der August könnte das sogar übertreffen. Viele der nun eingeforderten Maßnahmen sind das, was längst hätte umgesetzt werden müssen. „Hitze ist eines der größten Gesundheitsrisiken des Klimawandels“, sagt Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ).

Gute Gesundheitspolitik zeichnet sich allerdings nicht dadurch aus, dass sie während einer Krise besonders sichtbar wird. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie für Krisen Vorbereitungen trifft, bevor sie eintreten. Dienstpläne, Trinkkonzepte, bauliche Maßnahmen, Verschattung, Kühlung sensibler Bereiche und klare Handlungsanweisungen müssen lange vor dem Sommer geplant und umgesetzt werden. Wer erst reagiert, wenn die Hitze bereits da ist, hat den entscheidenden Zeitpunkt verpasst.

Dass langfristige Planung funktioniert, zeigt Paris. Dort begann bereits 1991 der Aufbau eines Fernkältenetzes. Was damals als zukunftsweisendes Infrastrukturprojekt startete, ist heute ein rund 120 Kilometer langes unterirdisches Netz, das Krankenhäuser, öffentliche Gebäude und Unternehmen mit nachhaltiger Kühlung versorgt. Anpassung an den Klimawandel wurde dort geplant, lange bevor extreme Hitze zum beherrschenden Sommerthema wurde. Das erinnert an ein oft zitiertes Wort von John F. Kennedy: „The time to repair the roof is when the sun is shining.“ Offenbar wird dieses Zitat politisch allerdings missverstanden. Es bedeutet nicht, das Dach während der größten Hitze zu reparieren, sondern rechtzeitig Vorsorge zu treffen.

Für Gesundheitsberufe ist dieses Prinzip selbstverständlich. Sie warten auch nicht mit Impfungen, bis eine Epidemie ihren Höhepunkt erreicht hat, oder beginnen mit der Sturzprävention erst nach dem Oberschenkelhalsbruch. Prävention lebt vom frühzeitigen Handeln. Hitzeschutz beginnt nicht mit der Hitzewarnung und auch nicht sich wechselseitig übertreffenden Presseaussendungen zur Hitzewelle. Er beginnt Jahre davor – in der Planung, in der Infrastruktur und in konsequenter Vorsorge. Wer darüber erst spricht, wenn erstmals 41 Grad erreicht sind, kommt in der öffentlichen Debatte schlicht zu spät. (rüm)