© Novo Nordisk Anfang September ist in Deutschland die Abnehmpille von Novo Nordisk erhältlich. Österreich dürfte zeitnah folgen. Novo Nordisk-Chef Mike Doustdar sieht den Markt im Umbruch und rechnet nicht mit einem reinen Zweikampf mit Eli Lilly.
Im Kampf um den milliardenschweren Markt für Abnehmmittel wehrt sich der Chef von Novo Nordisk gegen die Vorstellung eines reinen Zweikampfs mit dem US-Rivalen Eli Lilly. Der Markt werde sich nicht zu einem Duell nach dem Muster „Cola gegen Pepsi“ entwickeln, sagte Mike Doustdar der Nachrichtenagentur Reuters in einem Interview. Vielmehr setze der dänische Pharmakonzern auf eine breite Palette an Behandlungsformen wie Tabletten, um im Wettbewerb zu bestehen. Investoren unterschätzten derzeit den Bedarf der Patient:innen an unterschiedlichen Medikamenten, erklärte der österreichisch-iranische Manager, der vor einem Jahr an die Spitze des Unternehmens gerückt war.
Die Patient:innen begännen gerade erst zu verstehen, welches GLP-1-Medikament am besten zu ihnen passe. Mit der Zulassung neuer Arzneien erwartet Doustdar eine stärkere Segmentierung des Marktes. „Im Moment gehen die Anleger davon aus, dass es sich um ein Alles-oder-nichts-Spiel zwischen zwei Akteuren handelt – es gibt einen Verlierer und einen Gewinner“, sagte er. Die Zukunft der sogenannten GLP-1-Medikamente sehe jedoch anders aus: „Es wird Cola und Pepsi und Fanta und Dr Pepper und Red Bull geben. Die Menschen sind durstig, und sie können ihre Wahl treffen.“ Analyst:innen schätzen, dass das Geschäft mit den Abnehmspritzen bis 2030 ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar (86,6 Mrd. Euro) pro Jahr erreichen wird. Allein in den USA gelten mehr als 100 Millionen Erwachsene als fettleibig.
Novo Nordisk hatte mit Wegovy als erstes Unternehmen eine hochwirksame GLP-1-Spritze zur Gewichtsreduktion auf den US-Markt gebracht, geriet zuletzt aber durch das Konkurrenzprodukt Zepbound von Eli Lilly unter Druck. Dies spiegelt sich auch an der Börse wider: Während die Aktien von Novo Nordisk seit ihrem Höchststand im Jahr 2024 deutlich nachgegeben haben, stiegen die Papiere von Eli Lilly weiter an und trieben den Börsenwert des US-Konzerns auf über eine Billion Dollar.
Ein zentraler Baustein der neuen Entwicklung ist die Tablettenform von Wegovy. Diese halte derzeit einen Marktanteil von 90 Prozent bei den oralen GLP-1-Medikamenten, sagte der Konzernchef. Doch Eli Lilly hat ebenfalls ein orales Produkt am Start, andere Hersteller entwickeln noch. Mit 1. September soll es in Deutschland Wegovy-Tabletten geben. Novo Nordisk Österreich konnte auf APA-Anfrage „noch kein genaues Datum für die Produkteinführung“ hierzulande nennen. „Novo Nordisk startet mit einer schrittweisen Einführung innerhalb der EU, um damit eine ausreichende Verfügbarkeit in den jeweiligen Ländern sicherzustellen“, wurde betont. Die Erfahrungen aus den USA, wo die Abgabe in Tablettenform Anfang des Jahres eingeführt wurde, zeigten, dass es zu einer starken Nachfrage komme. Die Einnahme der Tabletten ist zudem etwas komplex. Sie müssen auf nüchternen Magen nach mindestens acht Stunden Fasten eingenommen werden. Eine halbe Stunde nach der Einnahme darf nichts gegessen oder getrunken werden. Semaglutid in Tablettenform sollte mit einem halben Glas Wasser geschluckt werden. Bei Auslassen einer Dosis sollte erst mit der nächsten Dosis fortgesetzt werden. (red/APA)