© freshidea - stock.adobe.com Auf einem völlig neuen Konzept basiert eine Therapie gegen Multiple Sklerose, die von einem internationalen Forscherteam kreiert wurde und bald zu den Patient:innen gebracht werden könnte.
Mehr als zwanzig Jahre Entwicklungsarbeit stecken in einer neuen Therapie gegen Multiple Sklerose (MS), die auf einem völlig anderen Konzept als die bisherige Behandlung beruht: Einem solchen, das sich laut den Forscher:innen, die das Konzept erstellten, gegen viele andere Autoimmunerkrankungen anwenden lassen könnte. „Das neue Konzept nutzt körpereigene rote Blutkörperchen, Erythrozyten, an die in steigenden Dosen bestimmte Myelinpeptide gekoppelt werden, gegen die sich die fehlgeleitete Immunreaktion bei MS richtet“, heißt es seitens der Universität Zürich zu der neuen Therapie, wo Forscher:innen an der Entwicklung der Behandlung beteiligt waren. Und weiter: „Nach der Rückgabe in den Körper werden die Erythrozyten wie alternde rote Blutkörperchen vor allem in Leber und Milz aufgenommen und abgebaut, wobei die gekoppelten Antigene dem Immunsystem so präsentiert werden, dass das Immunsystem lernt, die körpereigenen Strukturen nicht mehr anzugreifen.“
Bei zehn Patient:innen mit MS wandten die Schweizer, die gemeinsam mit schwedischen Wissenschafter:innen und Forscher:innen aus Innsbruck an der Behandlung arbeiteten, die neue Therapie bereits an. Sie erwies sich als gut verträglich und sicher. Verschiedene Laborparameter wiesen darauf hin, dass sich die entzündlichen Prozesse im Gehirn zurückbildeten. Schon drei Monate nach der einmaligen Gabe der roten Blutkörperchen mit den Peptiden wurden regulatorische T-Zellen gefunden, die Autoimmunprozesse dämpfen. So sei die Therapie zwar in Sicht und könnte laut den Forscher:innen bald zu den Patient:innen gebracht werden, die notwendige weitere klinische Entwicklung sei aber sehr kostspielig. Sobald die erforderliche Finanzierung gesichert sei, werde in einer nächsten Studie die klinische Wirksamkeit der Therapie untersucht. (sst/APA)