Die ärztliche Ausbildung in Österreich wird generell immer besser bewertet – das zeigen die heute präsentierten Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung 2026 der Österreichischen Ärztekammer.
Seit vier Jahren führt die Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in Kooperation mit der ETH Zürich und HF Partners eine umfassende Ausbildungsevaluierung unter allen Ärztinnen und Ärzten in Ausbildung durch – basierend auf einer Befragung mittels Print-Fragebögen. Die Rekord-Rücklaufquote vom Vorjahr (59 Prozent) konnte heuer auf 60,4 Prozent gesteigert werden. Erstmals nahmen mehr als 6.000 Ärzte teil – diese Zahlen gab die ÖÄK bei einer Pressekonferenz in Wien bekannt.
Noch erfreulicher ist die Entwicklung der Bewertung der acht abgefragten Dimensionen (von einer Globalbewertung der Ausbildungsstätte über Fehler-, Lern- und Führungskultur bis hin zum Bereich „evidenzbasierte Medizin“): „In allen acht Bereichen gab es Verbesserungen“, fasste Daniel von Langen, ÖÄK-Vizepräsident und Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte, zusammen. „49,5 Prozent der beurteilten Ausbildungsstätten haben eine Bewertung von mindestens 5,0 von 6,0 Punkten erhalten – das ist eine Steigerung von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit ist aktuell quasi jede zweite Abteilung ein potentieller Vorzugsschüler.“
Gleichzeitig ist auch die Anzahl jener Abteilungen, an denen ausgebildet wird, gesunken, die – sozusagen ein „Genügend“ oder „Nicht genügend“ erhalten haben. Das sind nur noch 10,9 Prozent. „Fazit nach den vier Jahren, in denen wir die Ausbildungsevaluierung gemeinsam mit der ETH Zürich durchführen, ist, dass die Ausbildung immer besser bewertet wird. Die Ausbildungsevaluierung wirkt also qualitätsverbessernd und hat die Zufriedenheit bei den Ärzten in Ausbildung gesteigert“, so von Langen.
Bei der Beurteilung der Inhalte je nach Ausbildungsabschnitt lag wie auch in den Vorjahren die Ausbildung in der Allgemeinmedizin – also in der Lehrpraxis mit 1:1-Betreuung durch den ausbildenden Arzt – mit 5,32 von 6,0 vorne. Bei den Dimensionen wiederum auffallend: Die „Aufholjagd“ der evidenzbasierten Medizin, die erstmals über 4 von 6 Punkten erhielt (4,04).
Michael Siegrist von der ETH Zürich fasste die Ergebnisse generell zusammen und verwies auch explizit auf die Verbesserung bei der evidenzbasierten Medizin: „Die Resultate der Ausbildungsevaluierung 2026 zeigen eine erfreuliche Entwicklung. Die Rücklaufquote ist seit 2023 kontinuierlich gestiegen. 2026 haben sechs von neun Bundesländern eine Rücklaufquote von über 60 Prozent erreicht. Dies zeigt, dass die Befragung zunehmend in den Institutionen und in der ärztlichen Ausbildung verankert ist. Die Gesamtbeurteilung hat sich verbessert, wobei die Dimension ‘evidence based medicine‘ die stärkste Verbesserung aufweist. Gleichzeitig ist der Anteil der Ausbildungsstätten mit einer ungenügenden Beurteilung zurückgegangen. Hinsichtlich der Größe der Ausbildungsstätte zeigen sich Unterschiede: Kleinere Ausbildungsstätten und Lehrpraxen werden besser bewertet.“
Zusätzlich zu den acht Dimensionen werden jährlich zwei spezifische Modulfragen abgefragt. Dieses Mal ging es um „Onboarding“ und „Auswahl des Arbeitsplatzes“. Die Antworten beim Onboarding zeigen, dass es dort noch viel Luft nach oben gibt: Ein Viertel der Befragten gab zum Beispiel an, dass sie bei Stellenantritt nicht ausreichend in die für die ärztliche Tätigkeit notwendigen administrativen und organisatorischen Abläufe und die dazugehörigen Tools (z.B. KIS-System) eingewiesen worden seien. Rund 40 Prozent wiederum hätten vor dem Dienstantritt nicht den Arbeitsvertrag übermittelt bekommen – und sogar 52 Prozent wurde kein inhaltlich und zeitlich detaillierter Ausbildungsplan ausgehändigt, obwohl dies sogar gesetzlich laut Paragraph 21 der österreichischen Ärzteausbildungsordnung 2015 vorgeschrieben ist. „Das sind aus meiner Sicht keine zufriedenstellenden Ergebnisse“, betonte Kim Haas, Bundeskurienobmann-Stellvertreterin und ÖÄK-Turnusärztevertreterin: „Man muss sich um die Jungen viel besser kümmern. Hier sind die Spitalsverwaltungen im Zusammenspiel mit den einzelnen Abteilungen und deren Leitern gefordert. Dazu kommt, dass sich jede Dritte bzw. jeder Dritte in den ersten zwölf Monaten vom Dienstantritt weg oft nicht ausreichend auf die anstehenden ärztlichen Aufgaben vorbereitet fühlt.“
„Wir appellieren daher an die Spitalsträger, mehr Fokus auf die Einführungsphase in den Spitälern zu legen, Ausbildung ernst zu nehmen und der nachrückenden Ärzte-Generation von Anfang an das nötige Know-how weiterzugeben, damit sie so rasch wie möglich das tun können, wofür sie ausgebildet wurden: Nämlich Ärztin oder Arzt und sein – und zwar als vollwertiges, gut vorbereitetes Mitglied der jeweiligen Abteilungsteams“, forderte Haas.
Für die Wahl des Arbeitsplatzes wiederum sei die oberste Motivation – so die Angaben der Befragten – das „Medizinische Leistungsspektrum und die Inhalte“. Das ist für 76 Prozent eher bzw. sehr wichtig, gefolgt vom Wohnort (67 Prozent) und der Wartezeit bis zum Stellenantritt (62 Prozent). Haas schlussfolgerte: „Das zeigt, dass unsere jungen Ärztinnen und Ärzte arbeiten und lernen wollen – und zwar sofort, und nicht auf Wartelisten auf Plätze für die Basisausbildung versauern. Es geht ihnen um die Medizin an sich, um den Wohnort und wie lange man auf den Start ins Berufsleben wartet. Ärzte wollen arbeiten und sich um die Patienten kümmern.“
Kümmern werde man sich auch wieder um eine detaillierte Analyse der Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung. „Denn gut ist noch nicht gut genug. Die Ausbildung unserer Ärztinnen und Ärzte ist ein enorm wichtiges Fundament für ein starkes Gesundheitssystem. Deshalb werden wir uns auf den wirklich erfreulichen Ergebnissen und der schönen Entwicklung der vergangenen Jahre nicht ausruhen, im Gegenteil – wir werden weiter mit vollem Einsatz für weitere Verbesserungen arbeiten. Die Qualität der Ausbildung ist ein ganz entscheidender Faktor für eine gute ärztliche Versorgung zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten“, so BKAÄ-Obmann von Langen. „Ein ganz entscheidender Faktor für die Erfolgsgeschichte Ausbildungsevaluierung sind aber unsere Ärztinnen und Ärzte selbst“, unterstreicht von Langen. „Wir haben die Evaluierung zwar neu aufgesetzt, aber die Ärzteschaft hat diese so ernstgenommen, dass die jährliche Qualitätskontrolle bereits viele Verbesserungen bewirkt hat. Und nicht, weil man ‚muss‘, sondern weil es ein sehr stark ausgeprägtes Maß an Eigeninteresse an guter Ausbildung gibt.“
Die Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung 2026 sind auf der ÖÄK-Website unter https://ausbildungsevaluierung.aerztekammer.at/2026/ transparent und bis auf Abteilungsebene mittels so genannter „Spinnengrafik“ dargestellt und abrufbar.