Erste unsichtbare Hörhilfe aus Tirol 

© Med-El

Das Medizintechnik-Unternehmen MED-EL hat das erste Cochlea-Implantat vorgestellt, das vollständig unter der Haut sitzt. Das System ist für Personen mit hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit gedacht.  

Bei dem System namens „TICI UNICO“ handle es sich um das erste seiner Art weltweit, hieß es bei der Präsentation. Während bei einem klassischen Cochlea-Implantat der Schall über einen außen getragenen Audioprozessor aufgenommen und an das unter der Haut liegende Implantat übertragen wird, ist bei der neuen Technologie nun auch das Mikrofon implantiert. Es nimmt Schall durch die Haut auf. Dieser wird anschließend in elektrische Signale umgewandelt und an die Elektrode in der Cochlea weitergeleitet. Dort wird der Hörnerv stimuliert und die Information vom Gehirn als Klang wahrgenommen.

Rund 40 Patient:innen weltweit seien mittlerweile mit der unsichtbaren Implantat-Variante ausgestattet, erklärte Ingeborg Hochmair-Desoyer, Mitgründerin und CEO von MED-EL. Fünf Betroffene tragen das System schon länger im Rahmen einer klinischen Studie, die am AKH Wien und der Medizinischen Universität Wien läuft. Das mittlerweile zugelassene Produkt wurde nun auch erstmals außerhalb einer Studie in Wien und St. Pölten operativ eingesetzt.

„Für unsere Patient:innen bedeutet diese Technologie vor allem mehr Freiheit im Alltag. Sie müssen kein externes Gerät mehr tragen, abnehmen oder daran denken. Das Implantat ist von außen nicht sichtbar und ermöglicht – entsprechend der individuellen Hörsituation – Hören rund um die Uhr. Das ist gerade bei alltäglichen Situationen wie Schlafen, Sport oder Schwimmen ein wesentlicher Unterschied“, sagt Christoph Arnoldner, Leiter der Leiter Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie von AKH Wien und MedUni Wien.

Die Idee, ein Implantat zu entwickeln, das von außen nicht sichtbar ist, trage sie bereits seit nahezu 50 Jahren in sich, sagte Hochmair-Desoyer. Geeignete Batterien oder Mikrofone waren aber lange nicht verfügbar. Das neue System sei nicht nur ein ästhetisches Thema, es bringe Betroffenen auch psychologisch viel, zeigte sich die Forscherin und Firmengründerin überzeugt. Alle Komponenten unter die Haut zu bringen, habe rund 15 Jahre gedauert. Die größte Herausforderung war das dafür eigens entwickelte Mikrofon, das für die klanglichen Veränderungen, die unter der Haut entstehen, optimiert werden musste. Einzig für das Laden brauche es nun ein externes Gerät, währenddessen können Träger:innen weiter hören, wurde betont. Für viele Betroffene sei der größte Vorteil, dass das Implantat auch in der Nacht genutzt werden kann. (tab)