Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin – Ein unverzichtbarer Beitrag zur Gesundheit

Von leichten bis sehr schweren Erkrankungen, von Verletzungen, psychischen Betreuungen, Untersuchungen von Säuglingen und Kindern bis hin zur Betreuung der älteren Menschen spannt sich der Bogen der allgemeinärztlichen Tätigkeit.
Dies erklärt auch den angestrebten Titel eines „Facharztes für Allgemein- und Familienmedizin“. Durch die spezielle Ausbildung, die jetzt auch wesentlich mehr in die allgemeinmedizinische Praxis verlagert wird, gelingt es den Ärztinnen und Ärzten, eine optimale ganzheitliche Betreuung anzubieten. Diese unterscheidet die AllgemeinmedizinerInnen von den Ärztinnen und Ärzten in den Sonderfächern (z. B.: Chirurgie, Hals-Nasen-Ohren, Haut, Interne etc.).

Primärversorger

Der Begriff Primärversorgung ist eng mit unserem Fachgebiet verknüpft und darf keinesfalls mit den derzeit so häufig genannten Primärversorgungseinheiten verwechselt werden. Diese stellen zwar Versorgungseinheiten dar, können jedoch eine großflächige, individuelle Versorgung nicht ersetzten.
Unter Primärversorgung (Primary Care – Gesundheitszielsteuerungsgesetz) durch AllgemeinmedizinerInnen muss man die „allgemeine und direkt zugängliche erste Kontaktstelle für alle Menschen mit gesundheitlichen Problemen im Sinne einer umfassenden Grundversorgung“ verstehen.
Daraus leitet sich ab, dass wir Allgemeinmediziner die Patientenversorgung koordinieren sowie auch die Patienten ganzheitlich und kontinuierlich betreuen.

FamilienmedizinerInnen

Die vom Hausarzt/vonder Hausärztin gelebte Familienmedizin beginnt bereits mit der Betreuung der Schwangeren und deckt letztlich alle Generationen ab: Neugeborene und Säuglinge, erkrankte Schulkinder, Jugendliche, die Ratschläge einholen, Erwachsene, die auch arbeitsmedizinisch betreut werden, sowie geriatrische Patienten. Besonders im hohen Alter wird die Visite durch den Hausarzt/die Hausärztin sehr geschätzt, bei der die Patienten ihre Sorgen anbringen können. Oftmals ist hier das Gespräch wesentlich hilfreicher als die Verordnung von Medikamenten.

Vertrauensärzte

Der Zugang zur allgemeinmedizinischen ärztlichen Versorgung ist sehr niederschwellig. Dies ist ein wichtiges Kriterium für die hausärztliche Versorgung. Es gibt keine langen Fahrstrecken, keine wochenlangen Wartezeiten für einen Termin und die persönliche und individuelle Betreuung. Da sich Ärztin/Arzt und PatientIn großteils schon jahrelang kennen, resultiert daraus ein besonderes Vertrauensverhältnis. Wir kennen unsere PatientInnen bestens und haben dadurch einen wesentlichen Betreuungsvorteil gegenüber anderen Fachgruppen. So können wir sehr oft und auch ohne große Befragung psychische, soziale, kulturelle, manchmal sogar existenzielle Faktoren in die persönliche Betreuung einfließen lassen.

Ver- und VorsorgemedizinerInnen

In den Ordinationen wird die breite Palette der Diagnostik und in den meisten Fällen auch Behandlung durchgeführt. Dadurch erfüllen wir den überwiegenden Anteil der medizinischen Versorgung.
Ein wichtiger Versorgungsauftrag wird mehr und mehr die Gesundheitsförderung. Vorsorgeberatung und Vorsorgeuntersuchung haben heute einen wichtigen Stellenwert. Eine herrliche Aufgabe für die Allgemeinmediziner, vorbeugend zu wirken und nicht nur nachträglich Schäden zu „reparieren“!

Langjährige Begleiter

Eine besonders wichtige Rolle spielt die Allgemeinmedizin bei der Betreuung von behinderten oder chronisch kranken Menschen. Die effiziente Koordination der therapeutischen Maßnahmen, die einen wesentlichen Einfluss auf den Behandlungserfolg haben kann, nimmt hier einen besonderen Stellenwert ein. Aber auch Beratung in rehabilitativen Maßnahmen ist wichtig und unerlässlich.
Besonders auch SchmerzpatientInnen schätzen den Einsatz und die schmerzlindernde Begleitung und Behandlung durch Allgemeinmediziner. Vor Ort und ohne große Fahrwege, verbunden mit allen Mühen für die PatientInnen, wird hier Großartiges geleistet.
In diesem Zusammenhang ist auch die palliativmedizinische Betreuung von Schwerkranken zu erwähnen, die in der allgemeinmedizinischen Praxis stattfindet und von den Betroffenen sehr geschätzt wird.

Notfallmediziner

Gerade in den ländlichen Gebieten ist der Hausarzt gleichzeitig auch Notfallmediziner, der in lebensbedrohlichen Situationen effiziente Hilfe leistet und den PatientInnen nach medizinischer Erst- und Notfallversorgung in das nächstgelegene Krankenhaus einweist.

Ein individuelles Fachgebiet, das bei allen Befragungen in der Bevölkerung erfreulicherweise beste Benotungen erhält.
Es erklärt auch die Begeisterung, mit der sehr viele Ärztinnen und Ärzte im Sinne der PatientInnenbetreuung tätig sind.

Aus dem Gesagten lässt sich die breite Palette der Tätigkeiten und das immer wieder schöne Arbeitsfeld des Allgemeinmediziners gut vorstellen.
Umso mehr freut es uns, dass wir zukünftig die Möglichkeit haben in der Ärzte Krone, die großen und kleinen Anliegen der Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner in der Rubrik „Aus der Praxis“ kommunizieren und diskutieren können.

 

KOMMENTAR | AUS DER PRAXIS

Die Salzburger COVID-Impfordinationen

MR Dr. Christoph Fürthauer
Arzt für Allgemeinmedizin, Pfarrwerfen, Salzburg;
Vizepräsident der Ärztekammer für Salzburg

Mit außergewöhnlichem Einsatz, teils bis an die Grenzen strapazierter Geduld und bewundernswerter Kraft, haben die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam mit Ihrem Ordinationspersonal wesentlich mehr geschafft, als wir uns zu Beginn der COVID-Impfkampagne vorstellen konnten. Rund 80 % aller Impfwilligen im Bundesland Salzburg haben sich für die COVID-Impfung in einer der Ordinationen entschieden und wurden dort auch geimpft. Der hohepersonelle sowie persönliche Einsatz und die Bereitschaft, weit über die regulären Arbeitszeiten hinaus da zu sein, haben dazu beigetragen, dass mit Anfang Juli nahezu alle impfwilligen Personen vollständig geimpft waren. Die Entlastung des Gesundheitssystems und die wiedererlangte gesellschaftliche Freiheit wurden in Salzburg somit wesentlich durch die Arbeit in den Impfordinationen ermöglicht – wieder einmal ein eindrucksvoller Beweis für die hochqualitative und wohnortnahe Versorgungswirksamkeit der niedergelassenen Ärzteschaft.
Seitens der Ärztekammer für Salzburg ist es uns ein großes Anliegen, dies allen Beteiligten in den Ordinationen mitzuteilen und dafür Danke zu sagen. Der Großteil dieser Ordinationen sind Kassenordinationen für Allgemeinmedizin, aber auch die Unterstützung durch die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen und der Wahlärztinnen und Wahlärzte hat erheblich zum Erfolg und zur Akzeptanz beigetragen und bleibt unverzichtbar. Die Herausforderung, die zur Impfung Angemeldeten zu erreichen bzw. mit ihnen Impftermine zu koordinieren, sind uns mehr als bewusst. Auch wissen wir von den leider manchmal aufgetretenen Pannen bei der Impfstofflieferung. Zudem hat der Start der betrieblichen Impfungen die Organisation noch einmal erschwert und für verständlichen Unmut gesorgt.
Es ist nun Zeit, vom Krisenmodus zurückzuschalten. Die Verständigung der Impfwilligen und die Möglichkeiten der direkten Terminvergabe über die Partnerplattform soll weiter vereinfacht und eine unkomplizierte Verfügbarkeit der Impfstoffe dem aktuellen Bedarf angepasst werden. In einer aktuellen Befragung haben gut 90 % der 190 Ordinationen, die geantwortet haben, ihre Bereitschaft bekundet, weiter am COVID-Impfprogramm teilzunehmen, wenn vor allem die bürokratischen und organisatorischen Rahmenbedingungen weiter verbessert werden und die Honorierung mindestens im derzeitigen Umfang gewährleistet bleibt.

© Fotostudio August

AutorIn: OMR Dr. Edgar Wutscher

Fortbildungsreferent der Ärztekammer für Tirol, Arzt für Allgemeinmedizin, Sölden
© Ärztekammer Tirol, Wolfgang Lackner


AEK 18|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-09-24