Aktualisierte Leitlinie zum Reizdarmsyndrom

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist durch chronische Bauchbeschwerden – insbesondere Bauchschmerzen, Blähungen/aufgetriebener Leib und Stuhlgangsveränderungen (Diarrhö/Obstipation) − charakterisiert, für die sich in der Routinediagnostik keine organische Ursache finden lässt. Daher ist die Behandlung oftmals komplex und langwierig. Die aktualisierte S3-Leitlinie „Reizdarm“, die demnächst publiziert wird, weist einige Neuerungen auf.

Diagnostik

„Symptomatik, Anamnese und körperlicher Untersuchungsbefund bei einem RDS lassen aufgrund mangelnder Spezifität keine sichere Abgrenzung von einer differenzialdiagnostisch zu bedenkenden „organischen“ Erkrankung zu, so Prof. Dr. Peter Layer, Ärztlicher Direktor des Israelitischen Krankenhauses in Hamburg und Leitlinienkoordinator.
In der neuen Leitlinie liegt daher der Schwerpunkt weniger auf Diagnoseverfahren, sondern eher auf wichtigen Differenzialdiagnosen, die in Abhängigkeit der vorherrschenden Symptome ausgeschlossen werden müssen, wie etwa Ovarialkarzinome oder Zöliakie.
Deutlich umfangreicher als in der letzten Version ist der Abschnitt „Spezielle Diagnostik für Ernährung“. Hierbei sind die Themen „Gluten-Sensitivität“ und die „Histamin-Intoleranz“ neu hinzugekommen. Negativ beurteilt werden die wissenschaftlich nicht etablierten Immunglobulin-G-(IgG-) Tests für Nahrungsmittelunverträglichkeiten, ebenso die mikrobielle Analytik der kommensalen Darmmikrobiota.

Ernährung als Therapieform

Der Aspekt Ernährung bekommt in der Therapie des RDS deutlich mehr Aufmerksamkeit. Als Folge einer FODMAP-Empfindlichkeit (fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole) kommt es zu Blähungen und Flatulenz sowie einer veränderten Darmmotilität und Schmerzen. So wird die Low-FODMAP-Diät als mögliche Therapieform empfohlen, denn Studienergebnisse zeigen bei 60 bis 70 Prozent der Reizdarmsyndrompatienten vom Verstopfungstyp eine positive Auswirkung aufgrund der Diät. Weiters erhalten auch Probiotika (nicht aber Präbiotika) eine Positiv-Empfehlung in der neuen Leitlinie.

Medikamentöse symptomorientiertere Therapien

Neu aufgenommen wurde die Empfehlung für das Antibiotikum Rifaximin zur Behandlung anderweitig therapierefraktärer Fälle des nicht-obstipierten RDS.
Zur Behandlung der Diarrhö bei RDS wurden Colesevelam und Eluxadolin neu in der Leitlinie vermerkt, und für 5-HT3-Antagonisten wird eine stärkere Empfehlung ausgesprochen.
Bei Obstipation erhielt Makrogol eine stärkere Therapieempfehlung, und positiv bewertet wurden auch Prucaloprid und Linaclotid.
Umfangreicher als bisher dargestellt ist die komplementäre Therapie. So hat sich Pfefferminzöl als wirksam zur Behandlung vor allem der RDS-Symptome „Schmerz“ und „Blähungen“ erwiesen und sollte erwogen werden.
Auch in COVID-Zeiten ist es besonders wichtig, dass Patienten mit chronisch entzündlichen und malignen Erkrankungen der Verdauungsorgane ihre Arztbesuche weiterhin wahrnehmen und auf keinen Fall eigenmächtig eine medikamentöse Therapie unterbrechen, so Prof. Layer.


Quellen:
Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) 23. Juni 2020
Wissenschaft: Prof. Dr. Peter Layer

Chefarzt und Direktor der Medizinischen Klinik, Israelitisches Krankenhaus, Hamburg


Redaktion: Mag. Birgit Schmidle-Loss

AEK 24|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-12-11