Belastung im Alltag

Viele Menschen erleben Kopfschmerzen als normale körperliche Reaktion auf alltägliche Auslöser wie Infekte, geringfügige Verletzungen, Schlafmangel oder Alkoholkonsum. Diese Kopfschmerzen sind meist beidseitig, drückend, eher leicht bis mittelstark und gehen nicht mit typischen Begleitsymptomen einher. Erst wenn Kopfschmerzen ohne erkennbare Trigger regelmäßig und über längere Zeit auftreten, handelt es sich um eine Erkrankung.1

Burden of Disease

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten und belastendsten Schmerzzuständen: Im Jahr 2023 waren weltweit etwa 2,9 Milliarden Menschen davon betroffen. Die Lancet Global Burden of Disease Study platziert Kopfschmerzstörungen auf Platz 6 der Zustände mit der höchsten Beeinträchtigung – effektive Management- und Präventionsstrategien sind daher von hoher Bedeutung. Während der Kopfschmerz vom Spannungstyp eine fast doppelt so hohe Prävalenz (24,9% vs. 14,1%) wie die Migräne aufweist, ist Letztere für 90% der in Behinderung verbrachten Lebensjahre verantwortlich.2

Kopfschmerz vom Spannungstyp

Beim Kopfschmerz vom Spannungstyp wird zwischen selten auftretendem episodischem, häufig auftretendem episodischem und chronischem Kopfschmerz unterschieden. Der selten auftretende Typ ist in der Bevölkerung weit verbreitet und erfordert meist keine medizinische Behandlung. Hingegen kann die häufig auftretende episodische Form zu starker Beeinträchtigung führen, die eine medikamentöse Therapie notwendig macht.3
Chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp stellt eine ernsthafte Erkrankung dar, welche die Lebensqualität stark einschränkt. Während frühere Modelle primär psychische Ursachen betonten, deuten neuere Studien darauf hin, dass insbesondere die schwereren Formen neurobiologische Grundlagen haben.3 Auch ein aktueller Review bringt eine multifaktorielle Pathophysiologie aus erhöhter Muskelempfindlichkeit, myofaszialen Triggerpunkten, Zentralisierung der Schmerzverarbeitung, genetischer Prädisposition und psychiatrischen Komorbiditäten mit Spannungskopfschmerz in Verbindung.4

Diagnose und Therapie

Die Diagnose des Kopfschmerzes vom Spannungstyp erfolgt anhand der ICHD-3-Kriterien.3 Sekundäre Kopfschmerzerkrankungen müssen zuvor ausgeschlossen werden. Wichtigste Differenzialdiagnose unter den primären Kopfschmerzarten ist die Migräne, wobei die Differenzierung bei fehlender oder geringer vegetativer Begleitsymptomatik im Einzelfall erschwert sein kann. Dauer, Häufigkeit und Intensität der Attacken sowie Begleitsymptome können anhand eines Kopfschmerzkalenders festgehalten werden. Ab wann eine Behandlung sinnvoll ist, hängt vom individuellen Leidensdruck ab.1 Eine Netzwerkmetaanalyse zur akuten Behandlung episodischer Spannungskopfschmerzen zeigte, dass NSAR und andere Analgetika signifikant wirksamer als Placebo sind und ein günstiges Sicherheitsprofil aufweisen. Besonders Ibuprofen schnitt beim Vergleich der Wirkstoffe bei der 2-Stunden-Schmerzfreiheit am besten ab, gefolgt von Diclofenac.5 Eine andere Arbeit fand keine signifikanten Unterschiede in der Wirksamkeit von Ibuprofen und Paracetamol.6 Diese Daten stehen im Einklang mit den Leitlinienempfehlungen, wonach Monopräparate zuerst versucht werden sollten. Kombinationspräparate aus Paracetamol/NSAR und Koffein sind zwar wirksamer, aber auch mit mehr Nebenwirkungen verbunden. Die Akuttherapie sollte nicht öfter als an 10 (Kombinationspräparate) bzw. 15 Tagen (Monopräparate) pro Monat eingenommen werden, da sonst ein Risiko für Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch besteht.1 Nichtmedikamentöse Interventionen (kognitive Verhaltenstherapie, Physiotherapie, Lebensstilmaßnahmen etc.) stellen eine wertvolle Ergänzung zur Pharmakotherapie dar.1, 4