Früherkennung als Chance

Die Anzahl an Menschen, die mit Demenz leben, steigt aufgrund der demografischen Entwicklung und des Bevölkerungswachstums kontinuierlich an. Es wird geschätzt, dass 2050 über 150 Millionen Personen von einer Demenz betroffen sein werden, im Vergleich zu 57,4 Millionen im Jahr 2019.1
In Hinblick auf neu verfügbare kausale Therapieoptionen sind Methoden zur Früherkennung entscheidend.

Alzheimer-Demenz

Die Alzheimer-Demenz (AD) ist die häufigste Demenzform und durch die Ansammlung von Amyloid-Plaques und neurofibrillären Strukturen im Gehirn charakterisiert. Neben genetischer Prädisposition ist AD mit einer Vielzahl an Risikofaktoren wie Alter, systemischer Inflammation, chronischen Erkrankungen, Lebensstil und Umwelteinflüssen assoziiert. Fortschritte im Verständnis der komplexen Pathophysiologie ebnen den Weg für verbesserte Diagnosetechniken und Risikobewertung sowie kausale Therapiemöglichkeiten.2

Biomarker zur Früherkennung

In den letzten Jahren haben sich Biomarker als zentraler Baustein der frühen Alzheimer-Diagnostik etabliert. Neben Verfahren wie der Amyloid-PET-Bildgebung und Liquormarkern (Ab42/40-Ratio, phosphoryliertes Tau) rücken zunehmend blutbasierte Biomarker in den Fokus, da sie weniger invasiv und leichter verfügbar sind. Besonders vielversprechend sind phosphorylierte Tau-Proteine im Plasma, insbesondere p-Tau217, die eng mit der zugrunde liegenden Alzheimer-Pathologie korrelieren.3

Aktuelle Arbeiten legen nahe, dass Blutbiomarker künftig als Screening-Instrument in einem gestuften diagnostischen Ansatz eingesetzt werden könnten. So könnte zunächst ein Bluttest durchgeführt werden, während positive Befunde anschließend durch Liquoranalysen oder PET-Bildgebung bestätigt werden. Dieser Ansatz könnte invasive und kostenintensive Untersuchungen deutlich reduzieren sowie gleichzeitig die Identifikation einer präklinischen Alzheimer-Pathologie erleichtern. In einer 2025 publizierten multizentrischen Kohortenstudie erwies sich Plasma-p-Tau217 sogar als potenziell geeignetes Instrument zur Identifikation präklinischer Alzheimer-Erkrankungen, wobei eine Kombination mit weiteren Verfahren die diagnostische Sicherheit zusätzlich erhöht.4

Herausforderungen und Grenzen

Trotz dieser vielversprechenden Entwicklungen bestehen weiterhin Herausforderungen bei der klinischen Implementierung von Biomarkern. Ein zentrales Problem ist die Standardisierung der Messmethoden und Cut-off-Werte, da unterschiedliche Assays und Laborverfahren zu variierenden Ergebnissen führen können.4, 5 Zudem können populationsbezogene Unterschiede die Aussagekraft einzelner Biomarker beeinflussen.4 Fachgesellschaften betonen daher, dass Biomarker derzeit vor allem im spezialisierten Kontext bei Patient:innen mit (milden) kognitiven Beeinträchtigungen und im Rahmen einer umfassenden klinischen Bewertung eingesetzt werden sollten.6