Gemeinsam gegen Parkinson

Die Frühphase der Erkrankung unterscheidet sich vom Krankheitsbild in einem späteren Stadium. Frühsymptome können Depressionen, Schlafstörungen, Verstopfung, Störungen des Geruchssinns oder Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich sein. Insbesondere bei Frühsymptomen ist der Hinweis auf Schlafstörungen hilfreich. Im Frühstadium der Erkrankung kann der Traumschlaf gestört sein: Die Patienten schreien im Schlaf, schlagen um sich oder treten. Das kann vor allem Partnern von Betroffenen auffallen. Nahestehende Begleitpersonen können darüber hinaus oft wichtige weiterführende Auskünfte zu Verhalten, Stimmung, Stimme oder Beweglichkeit von Betroffenen geben.

Diagnose und klinischer Verlauf der Krankheit

Derzeit wird die Diagnose einer Parkinson-Krankheit an das Auftreten motorischer Symptome geknüpft. Mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der Magnetresonanztomografie oder der Computertomografie können andere Krankheiten ausgeschlossen oder andere Formen der Parkinson-Syndrome – die sogenannten „atypischen Parkinson-Syndrome“ – abgegrenzt werden. Ferner kann die nuklearmedizinische Untersuchung zur Feststellung von Störungen im Stoffwechsel des Hirnbotenstoffes Dopamin hilfreich sein. Im fortgeschrittenen Stadium der Parkinson-Krankheit vorherrschende Symptome sind eine deutliche Bewegungsstörung mit Bewegungsverlangsamung, ein vornüber gebeugter Gang, Muskelsteifigkeit, eine leise Stimme, kleine langsame Schritte, Zittern (vornehmlich in Ruhe), Stürze, reduzierte Mimik oder eine kleiner werdende Handschrift. Spätsymptome, wie der Verlust der posturalen Stabilität (Verlust der Stellreflexe und damit Gleichgewichtsstörung), die zu einer Sturzneigung bei Patienten mit Morbus Parkinson führt, sind weniger Medikamenten als einer physiotherapeutischen Parkinson-Therapie zugänglich. Auch das Nachlassen geistiger Fähigkeiten in den Spätphasen der Parkinson-Krankheit stellt ein große Herausforderung dar.

Psychosoziale Aspekte

Die Diagnose „Parkinson“ ist für viele Patienten und deren Angehörige zunächst sehr belastend. In manchen Fällen sind Betroffene aber auch erleichtert, da die Ursachen ihrer „unerklärlichen“ Beschwerden begründet werden können.
Heutzutage stehen die Chancen sehr gut, die Symptome der Parkinson-Krankheit und damit Einschränkungen der Lebensqualität über einen langen Zeitraum gut behandeln zu können. Das ist umso mehr ein Grund, Symptome frühzeitig abklären zu lassen: „Je früher und konsequenter mit einer Therapie begonnen wird, desto besser! Das erhöht die Lebensqualität und hilft, den Alltag besser zu bewältigen.“

Therapiemöglichkeiten

Der Ausbruch einer Parkinson-Krankheit kann derzeit nicht verhindert werden, aber die Symptome können mit Medikamenten behandelt werden: Seit den 1970er-Jahren wird weltweit bei allen Parkinson-Formen der Wirkstoff L-Dopa eingesetzt, um die Dopaminkonzentration im Gehirn zu erhöhen. Weitere Medikamente wie Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer oder auch Amantadine können auch heute schon in der Therapie der Parkinson-Symptome langfristig und erfolgreich eingesetzt werden. In den vergangenen Jahrzehnten haben Therapien, wie die tiefe Hirnstimulation (THS) oder die kontinuierliche Medikamentenverabreichung mittels externer Pumpensysteme, große Fortschritte in der Behandlung vor allem bei langjährigen und komplizierten Verläufen des Morbus Parkinson bewirkt. Eine neue Möglichkeit zur Unterstützung der Evaluierung von Parkinson-Patienten ist das internetbasierte Scoring-Instrument MANAGE PD. In diesem ermöglicht die Bewertung von motorischen und nicht motorischen Symptomen, funktionellen Einschränkungen sowie neuro-psychiatrischen Symptomen eine Evaluierung, ob Patienten ausreichend mit oraler bzw. konventioneller Therapie therapiert sind oder gegebenenfalls für eine gerätegestützte Therapie in Frage kommen.

Nichtmedikamentöse Therapie

Die Parkinson-Erkrankung führt bei den Betroffenen zu verminderter körperlicher Aktivität und in Spätphasen der Erkrankung auch zu schwerer Behinderung. Eine spezialisierte Physiotherapie (verglichen mit konventioneller Physiotherapie) führt bei Parkinson-Patienten zu weniger Komplikationen, einer höheren Mobilität und auch einer höheren Lebensqualität.

Personalisierte Medizin erforderlich

Die Entschlüsselung molekularer Mechanismen der Krankheitsentstehung wird in den kommenden Jahren eine Verfeinerung der personalisierten – also für den einzelnen Patienten maßgeschneiderten – Therapie erlauben. Diese Therapien sollen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und damit das Fortschreiten des Zelluntergangs im Gehirn aufhalten.

Multiprofessionelle Behandlung und Versorgung

Wer eine zeitgemäße Parkinson-Therapie ernst nimmt, sollte Patienten nicht nur individuell, sondern auch multidisziplinär behandeln. Die multidisziplinäre Versorgung von Parkinson-Patienten umfasst die Hand-in-Hand-Arbeit von Ärzten, Pflegefachkräften und Therapeuten. Der fachliche Austausch zwischen den verschiedenen Disziplinen ist eine wichtige Voraussetzung für eine ganzheitliche und effiziente Versorgung von Menschen mit Parkinson. Verschiedene Disziplinen arbeiten in diesen Konzepten multiprofessionell zusammen, sodass unterschiedliche Kenntnisse und Methoden interdisziplinär integriert werden und die Versorgung den gesamten Krankheitsverlauf umfasst.
Noch immer ist die multidisziplinäre Versorgung von Parkinson-Patienten wenig erforscht. Eine Auswertung von 48 Publikationen zu diesem Thema im Jahr 2020 ergab, dass sowohl die Zusammensetzung der Teams als auch die konzeptionellen Ansätze sehr unterschiedlich sind. Jedenfalls sind für die Organisation multidisziplinärer klinischer Pflegeteams zwei Punkte vorrangig: „Die Förderung der Kommunikation zwischen den Berufsgruppen und die parkinsonspezifische Qualifikation des Pflegepersonals und anderer Berufsgruppen.“

Wissenswertes für die Praxis
  • Schlafstörungen können ein erster Hinweis sein: Im Frühstadium der Erkrankung kann der Traumschlaf gestört sein, die Patienten schreien im Schlaf, schlagen um sich oder treten.
  • Weltweit wird bei allen Parkinson-Formen der Wirkstoff L-Dopa eingesetzt, um die Dopaminkonzentration im Gehirn zu erhöhen. Dopaminagonisten, MAO-B-Hemmer, COMT-Hemmer oder Amantadine kommen ebenfalls zum Einsatz.
  • Parkinson-Patienten müssen individuell und multidisziplinär von Ärzten, Pflegefachkräften und Therapeuten behandelt werden.

 


Literatur:

AutorIn: Priv.-Doz. Dr. Sylvia Boesch, MSc.

Universitätsklinik für Neurologie
Zentrum für seltene Bewegungsstörunge
Medizinische Universität Innsbruck
© Foto Hofer


AEK 06|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-03-26