Parteien einig: „Ja“ zum Facharzt für Allgemeinmedizin

 

Wirklich ausführlich finden sich Gesundheitsthemen nicht in den Wahlprogrammen der Parteien. Lediglich die kleineren Parteien haben eigene Punkte in den Programmen. SPÖ, ÖVP und FPÖ hingegen rücken vor allem das Thema Pflege ins Zentrum und bleiben mit Forderungen, wie einer Reduktion der Wartezeiten (SPÖ) oder der Sicherung der freien Arztwahl (ÖVP) und Umwandlung von Akut- in Pflegebetten (FPÖ) eher vage. Gefragt nach konkreten Themen (siehe Tabelle) gibt es dann Überraschungen: So sind sich etwa alle sechs größeren Parteien einig, dass künftig ein Facharzt für Allgemeinmedizin kommen soll. Auch beim Bürokratieabbau im Gesundheitswesen herrscht Einigkeit. Eine generell Impfpflicht dürfte es hingegen auch künftig nicht geben. Ebenso wie den Ausbau von ärztlichen Hausapotheken – hier sind nur die NEOS und die Liste JETZT dafür.

Einig sind sich die Parteien darin, dass alle Menschen auch künftig einen Zugang zu Spitzenmedizin haben sollen und die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum gestärkt werden muss. Wie das gehen soll, ist umstritten. „Wir müssen Allgemeinmediziner gerecht entlohnen und vor allem durch Landarzt-Stipendien spannende Anreize für angehende Ärztinnen und Ärzte schaffen. Außerdem müssen wir flexibler werden, indem wir mobile Einrichtungen stärker forcieren und die Errichtung von Gruppenpraxen in strukturschwachen Regionen erleichtern“, sagt etwa ÖVP-Gesundheitssprecherin Gabriela Schwarz. Mittelfristig solle für alle ambulanten Behandlungen, egal ob in Spitalsambulanzen oder im niedergelassenen Bereich, die Finanzierung aus einer Hand umgesetzt werden, sagt Schwarz. Die NEOS wiederum wünschen sich mehr Kooperationsmöglichkeiten zwischen den niedergelassenen Gesundheitsberufen, wie Ärzte, Pflege, Therapeuten, sowie ein „Bekenntnis zur niedergelassenen Versorgung und die entsprechenden finanziellen Umschichtungen von den Spitälern in die niedergelassene Versorgung“.

Die GRÜNEN legen gleich ein Bündel von Maßnahmen auf den Tisch: Aufstockung der Ausbildungsplätze für All-gemeinmediziner, verpflichtende Lehrpraxis für alle Medizinstudenten, Unterstützung bei Praxisgründungen, ver-besserte Kassenverträge mit kostendeckenden Grundpauschalen, Unterstützung bei Nacht- oder Wochenend-diensten sowie flexiblere Zusammenarbeitsformen. Auch die SPÖ will die Versorgung verbessern und legt ein 10-Punkte-Programm vor, um den „akuten Ärztemangel“ zu beheben. Es reicht von Anreizen für Mediziner, im Land zu bleiben, über das Forcieren von Primärversorgungseinheiten bis hin zu Lan-desförderungen mit Schwerpunkt auf unterversorgte Regionen. Die Gesundheitshotline „1450“, die derzeit in drei Bundesländern eingerichtet ist, soll flächendeckend für ganz Österreich zu einer „Terminkoordinationsagentur“ ausgebaut werden, um Wartezeiten zu reduzieren.

AutorIn: Martin Rümmele

AEK 18|2019

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2019-09-20