Pertussis – ausgefallene Schulimpfungen nachholen

Krankheitsbild

Erreger des Keuchhustens ist Bordetella pertussis (seltener auch Bordetella parapertussis oder Bordetella bronchiseptica u. a.). Die Übertragung erfolgt als höchst ansteckende Tröpfcheninfektion mit einer Inkubationszeit von 3 bis 12 (bis 20) Tage. Die Erkrankung verläuft besonders bei Kindern in 3 Stadien (Prodromal-, Anfalls-, Rekonvaleszenzstadium). Während Erkrankte, insbesondere während der ersten Wochen, mit Schnupfen, Heiserkeit, mit und ohne Fieber und uncharakteristischem Husten hochansteckend sind, entwickelt sich das typische Krankheitsbild erst nach 1 bis 2 Wochen. Dabei kommt es typischerweise besonders bei Kindern zu bellenden, stoß- und krampfartigen Hustenanfällen, teils bis zum Rot- oder Blauwerden, oft mit Erbrechen. Im Gegensatz dazu ist das Krankheitsbild bei Erwachsenen meist weniger typisch mit Wochen andauernden, besonders nächtlichen Hustenattacken, so dass Keuchhusten hier oft nicht erkannt wird. Für einen schweren Krankheitsverlauf sind neben Kindern vor allem Personen mit Grunderkrankungen gefährdet. Mögliche Komplikationen sind unter anderem Apnoe, Sekundärinfektionen (bakterielle Pneumonien) und ARDS (Acute Respiratory Distress Syndrome). In ca. 1 % der Fälle kann es bei Säuglingen zum Tod kommen, bei älteren Personen können durch die schweren Hustenattacken auch Hirnblutungen auftreten.
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, welche allerdings nur bei sehr frühzeitigem Therapiebeginn den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, jedoch vor allem die Infektiosität vermindern.

Epidemiologie

Seit 2014 wird in Österreich ein Anstieg der Pertussis-Fallmeldungen verzeichnet, von 4,3/100.000 Personen auf 24,9/100.000 im Jahr 2018. Eine Zunahme der gemeldeten Fälle wurde in allen Altersgruppen beobachtet. Mit einer Inzidenz von 179 Fällen pro 100.000 im Jahr 2018 wurden die meisten Fallmeldungen bei Kindern unter einem Jahr gemeldet. Ein Grund für den kontinuierlichen Anstieg der Fallzahlen besonders bei den < 1-Jährigen könnte sein, dass die empfohlenen Impfungen gegen Pertussis zu spät verabreicht werden. Stichprobenanalysen der Nationalen Referenzzentrale für Pertussis-Serologie in den Jahren 2016, 2017 und 2018 zeigten, dass weniger als 38 % der Einsendungen über ausreichende Antikörper gegen Pertussis verfügten. Bei den Erwachsenen liegen den gehäuften Fällen daher offenbar ungenügende Auffrischungsimpfungen zugrunde.

Impfungen als wirksame Prävention

Viele Studien weisen Erwachsene als Infektionsquelle für Neugeborene in den ersten Lebenswochen aus. Kontaktpersonen und Haushaltsangehörige sind zudem die wichtigsten Infektionsquellen für vulnerable Personen. Die Aufrechterhaltung der Immunität gegen Pertussis durch regelmäßige Auffrischungsimpfungen ist der einzige effektive Weg, einer Erkrankung vorzubeugen. Regelmäßige Auffrischungsimpfungen gegen Pertussis werden daher generell für alle Jugendlichen und Erwachsenen als wichtig und wirksam erachtet.

Impfschema

Die Impfung gegen Pertussis ist in Österreich derzeit nur als Kombinationsimpfstoff erhältlich und für alle Personen empfohlen. Besonders wichtig ist ein aufrechter Schutz für Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere, alle Personen im Umfeld eines Neugeborenen, Personen, die im Gesundheits- und Pflegebereich tätig sind, Personal von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen bzw. mit häufigen Publikumskontakten, Personen mit erhöhter Gefährdung infolge eines Grundleidens (Asthma, COPD, chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen [besonders bei Lungenkarzinom], Immunsuppression [inkl. therapiebedingt]) sowie Raucherinnen und Raucher. Zudem ist die Impfung gegen Pertussis auch als Reiseimpfung empfohlen. Die Impfung gegen Pertussis ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm als Teil der 6-fach-Impfung enthalten und nach dem 2+1-Schema im 3., 5. und 11.–12. Lebensmonat empfohlen. Wegen des häufigen Vorkommens von Keuchhusten und des schweren Verlaufs im Säuglingsalter sollte mit der Impfserie so früh wie möglich begonnen werden, d. h. unmittelbar mit vollendetem 2. Lebensmonat. Im Schulalter ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm die Auffrischung im Rahmen der 4-fach-Impfung (Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Polio) im 7.–9. Lebensjahr vorgesehen und als Schulimpfung empfohlen.
Nach der Grundimmunisierung im Säuglingsalter und der Auffrischungsimpfung im Schulalter sind Auffrischungsimpfungen gegen Pertussis alle 10 Jahre, ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle 5 Jahre (je nach weiterer Notwendigkeit von Polio-Impfungen mit einem 3- oder 4-fach-Kombinationsimpfstoff) empfohlen.

Schulimpfungen vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie

Da insbesondere die Auffrischungsimpfung gegen Pertussis im 7.–9. Lebensjahr bisher oft als Schulimpfung angeboten wurde, ist davon auszugehen, dass diese Impfungen auf Grund vermehrter Schulschließungen nicht in vollem Ausmaß angeboten bzw. in Anspruch genommen werden konnten, dies zeigt sich auch an den Abrufzahlen der Impfstoffe im kostenfreien Kinderimpfprogramm. Um so entstandene Impflücken zu schließen und das Entstehen weiterer Impflücken zu vermeiden, sollte daher jeder Arztkontakt unbedingt genutzt werden, um den Impfstatus zu überprüfen und – wo notwendig – fehlende Impfungen nachzuholen.

 

Wissenswertes für die Praxis
  • In Österreich wird in den letzten Jahren ein Anstieg der Pertussis-Fallmeldungen verzeichnet, insbesondere Säuglinge sind von schweren Krankheitsverläufen betroffen, Todesfälle treten vor allem im 1. Lebensjahr auf.
  • Der zeitgerechten Grundimmunisierung sowie der Einhaltung regelmäßiger Auffrischungsimpfungen in jedem Lebensalter kommt ein hoher Stellenwert zu.
  • Da die Auffrischungsimpfung gegen Pertussis (7.–9. Lebensjahr) als Schulimpfung angeboten wird, muss aufgrund vermehrter Schulschließungen beachtet werden, dass fehlende Impfungen nachgeholt werden.

 

Impfung in der Schwangerschaft

Da Pertussis-Antikörper der Mutter in erster Linie diaplazentar während der Schwangerschaft und nicht über die Muttermilch an das Baby übertragen werden, ist zum Schutz des Neugeborenen die Impfung von Schwangeren bevorzugt in der 27.–36. Schwangerschaftswoche, unabhängig vom Abstand zur letzten Impfung gegen Pertussis, explizit empfohlen. Die gute Verträglichkeit und Sicherheit der Impfung während der Schwangerschaft, die hohe Immunogenität bei Mutter und Kind sowie der Schutz vor Pertussis in den ersten 6 Lebensmonaten konnten in zahlreichen Publikationen gezeigt werden. Außer möglichen Lokalreaktionen nach kurzen Auffrischungsintervallen liegen keine Sicherheitsbedenken für Mutter und Kind vor.
Sollte die Pertussis-Impfung im Ausnahmefall – entgegen der dringenden Empfehlung – nicht während der Schwangerschaft erfolgt sein und ist sie laut regulärem Impfschema fällig, so soll eine Impfung gegen Pertussis im Wochenbett durchgeführt werden.

Details zum empfohlenen Impfschema stehen im Impfplan Österreich, verfügbar unter www.sozialministerium.at/impfplan, zur Verfügung.
AutorIn: Dr. Katja Fischer

Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, VII/A/10 Impfwesen; Mitglied des Nationalen Impfgremiums


AutorIn: Priv.-Doz. Mag. Dr. Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM

Leiterin der Impfabteilung im Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz; Mitglied des Nationalen Impfgremiums
© BMSGPK – Marcel Kulhanek


AEK 08|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-04-23