Wann sind Allergene tierisch, und wann sind Tiere allergen?

In 40 % aller österreichischen Haushalte sind Hunde, Katzen oder andere „fellige Kleintiere“ anzutreffen. Bei zirka 35 % der Allergiker stellen Allergien gegen ihre tierischen Mitbewohner gesundheitliche Probleme dar.
Jedoch sind die Beschwerden von Tier zu Tier unterschiedlich. Katzenallergiker sind meist auf alle Katzen allergisch, während Hundeallergiker auch nur auf eine Hunderasse, ein Geschlecht oder nur ein bestimmtes Tier reagieren können.

Katzen: Katzenallergene haben besonders gute Schwebeeigenschaften und verbreiten sich leicht. Katzen sondern das Hauptallergen Fel d 1 aus, welches einer eigenen Eiweiß-Familie angehört und nicht mit Allergenen anderer Haustiere verwandt ist. Die erhöhten Beschwerden bei Katzenallergikern werden diesem Eiweiß zugeschrieben.
Hingegen sondern kastrierte Kater und weibliche Katzen weniger Allergene ab, verursachen aber dennoch zumeist Beschwerden. Allergenfreie Katzen gibt es nicht.

Hunde: Allergien auf Hunde sind meist weniger stark ausgeprägt als auf Katzen. Alle Hunderassen haben die gleichen Allergene, doch variieren die abgegebenen Mengen in den Rassen und Geschlechtern. Die Haarlänge spielt beim Allergiepotenzial keine Rolle. So kann ein kurzhaariger Pudel mehr Allergene abgeben als ein altenglischer Hirtenhund.

Pferde: Eine Allergie gegen Pferde betrifft nicht nur Reiter, sondern kann beispielsweise auch von einer Rosshaarmatratze herrühren. Besondere Vorsicht ist bei Impfstoffen (z. B. bei einer Diphtherie-Impfung) geboten, die Pferdeserum enthalten.
Die typischen Allergiesymptome treten sofort nach Kontakt mit dem Allergen auf, in Form von Niesen, Schnupfen und juckenden Augen. Unbehandelt kann sich daraus Asthma entwickeln. In seltenen Fällen kommt es auch zu Quaddelbildung (Nesselsucht) und Hautausschlag.

Komplexes Zusammenspiel

Nicht die Tierhaare sind die Allergie-Auslöser, sondern Eiweiße in Hautschuppen, Speichel oder Urin der Tiere. Diese setzen sich im Fell fest oder verbreiten sich durch winzige Partikel in der Luft. Die Allergene können dann sowohl über die Atemwege als auch durch direkten Körperkontakt aufgenommen werden. Kompliziert wird die Situation dadurch, dass die verschiedenen Allergenfamilien oft bei mehreren Tierarten vorkommen, umgekehrt aber wiederum fast alle Tiere Allergene aus mehreren Allergenfamilien enthalten.
Sehr selten leiden Tierallergiker gleichzeitig auch an Nahrungsmittelallergien, da ähnliche oder gleiche Allergene im Tier und im jeweiligen Lebensmittel vorkommen. Bekannte Beispiele sind:

  • Katzen-Schweinfleisch-Syndrom: Katzenallergiker, die auf das Katzenserumalbumin reagieren, vertragen manchmal kein Schweinefleisch, da diese mit dem Serumalbumin Fel d 2, welches auch im Schweinefleisch vorkommt, kreuzreagieren.
  • Vogel-Ei-Syndrom: Allergiker, die beispielsweise auf Wellensittiche reagieren, können eine Unverträglichkeit bei Verzehr von oder Kontakt mit rohem Hühnerfleisch und (halb-)rohen Eiern entwickeln. Gekocht werden diese meist vertragen.
  • Rinderallergie: Hier sind Kreuzreaktionen mit rohem Rindfleisch und roher Milch bekannt. Gekocht werden die Lebensmittel in der Regel vertragen.

Bei Betroffenen kann der Verzehr zu Hautausschlägen und Quaddeln, Juckreiz im Rachen und einem pelzigen Gefühl der Zunge führen. Gesicht, Lippen, Mund- und Rachenraum können anschwellen. Im schlimmsten Fall stürzt der Kreislauf ab, und es kommt zum allergischen Schock.

Wie wird eine Tierallergie diagnostiziert?

Die Allergieauslöser kann man mit Hilfe von Haut- und Bluttests identifizieren. In den letzten Jahren hat sich auch die Komponenten-Diagnostik bewährt, bei der man Blutserum gegen Einzelallergene testet. Sie erlaubt, zwischen echter Mehrfachallergie und Kreuzreaktivität zu unterscheiden und beweist eine allergische Disposition. Die tatsächliche Allergie kann bei Zweifel mit einem nasalen Provokationstest bestätigt werden, bei der geringe Allergenmengen auf die Nasenschleimhaut aufgebracht werden.

Risikofaktoren

Die Veranlagung zu einer Atopie wird zum Teil vererbt. Allerdings scheint auch ein Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamin D, Beta-Carotinoiden sowie Eisen und Folsäure die Allergie-Entstehung zu begünstigen. In unmittelbarer Nähe eines Bauernhofs zu leben sowie das Halten vieler Tiere scheint Allergien vorzubeugen. Es gibt Hinweise, dass dabei sowohl Mikroben als auch Mikronährstoffe schützend wirken. Jedoch: Auf ein Haustier zu verzichten, schützt nicht davor, eine Tierallergie zu entwickeln. So haben manche Menschen eine Katzenallergie, obwohl diese nie im Besitz einer Katze waren.

Was können Sie Ihren Patienten empfehlen?

Tierallergiker sollten den Kontakt zum jeweiligen Tier meiden. Es kann auch sinnvoll sein, Gegenstände und Kleidungsstücke zu reinigen oder zu entfernen und Luftfilter zu verwenden. Ob eine Trennung vom Haustier nötig ist, hängt von der Stärke der Beschwerden und den Behandlungsmöglichkeiten ab.
Besteht bereits eine Allergie in der Familie, wird davon abgeraten, sich Katzen und kleine Nagetiere zuzulegen. Bei bekannter Tierallergie kann eventuell auf eine andere Tierart bzw. ein anderes Geschlecht ausgewichen werden. So gibt es beispielsweise Hundefreunde, die nur auf männliche Hunde allergisch sind, da sie auf ein Allergen reagieren, welches männliche Hunde in der Prostata produzieren und über den Urin ausscheiden.

Therapiemöglichkeiten: Allergenvermeidung vs. spezifische Immuntherapie

Haben die Betroffenen beruflich mit Tieren zu tun, wird möglicherweise eine spezifische Immuntherapie empfohlen, um einen Berufswechsel zu vermeiden. Es kommt hier aber häufiger zu schweren Nebenwirkungen als bei anderen Allergieauslösern. Die sublinguale Route ist hier der subkutanen Spritzentherapie vorzuziehen. Die Allergenvermeidung ist daher nach wie vor die effektivste Methode zur Reduzierung der Symptome. Allergische Beschwerden wie Schnupfen können mit entzündungshemmenden und/oder antiallergischen Nasensprays oder Antihistaminika in Tablettenform gelindert werden. Gegen Hautausschläge gibt es kortisonhaltige Salben.

 

Wissenswertes für die Praxis

  • Auch wer kein Haustier hat, kann eine Tierallergie entwickeln.
  • Nicht Tierhaare, sondern Eiweiße in Hautschuppen, Speichel und Urin sind für Allergien verantwortlich.
  • Kinder, die mit vielen Tieren aufwachsen, haben ein geringeres Allergierisiko.
  • Hypoallergene Haustiere gibt es nicht. Kastrieren von Katzen und Hunden hilft, die Allergenlast zu senken.

 

 


 

Kommentar | Bauernhofschutz gegen Allergien
Allergien betreffen mittlerweile fast 30 % der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum und sind bedingt durch eine überschießende Immunantwort gegen normalerweise ungefährliche Stoffe.
Diese Neigung, Allergien zu entwickeln, auch Atopie genannt, wird teilweise vererbt und ist paradoxerweise in unserer Gesellschaft durch einen Mangel an Kontakten und das Fehlen von Mikronährstoffen gekennzeichnet.
Das Fehlen von sozialen Kontakten mit Menschen und Tieren sowie der konstanten Berührung mit Keimen hinterlässt das Immunsystem ungeschult. Gleichzeitig leiden Atopiker*innen häufiger an einem Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamin A, Vitamin D sowie Eisen und Folsäure. Gerade dieser Mangel aber signalisiert den Abwehrzellen Gefahr und begünstigt die überschießende Immunantwort, die so häufig bei Allergiker*innen anzutreffen ist.
Im Gegensatz dazu trainiert das bäuerliche Umfeld das Immunsystem und schützt vor Allergien. Dieser „Bauernhofeffekt“ schützt Kinder, die im bäuerlichen Umfeld aufwachsen, um bis zu 80 % vor Asthma und Heuschnupfen. Von einem Leben auf einem Bauernhof unabhängig, kann der Allergieschutz auch durch Trinken von unverarbeiteter Milch vermittelt werden. Diese Schutzfaktoren in der Rohmilch sind hitzeempfindliche Eiweiße, die Mikronährstoffe transportieren können und eben nicht in ihrer natürlichen Form in der heute zumeist angebotenen lange haltbaren Milch enthalten sind. Neue Studien zeigen nun, dass genau diese hitzeempfindlichen Eiweiße unter normalen Umständen unsere Abwehrzellen mit Mikronährstoffen versorgen, aber auch, dass diese in erstaunlich großen Mengen im Bauernhofstaub vorhanden sind. Somit schließt sich der Kreis, und ein wichtiges Glied wurde mit diesen Eiweißen in der Molke gefunden. Dadurch eröffnen sich auch neue Ansätze für die Entwicklung neuer Behandlungsformen, indem der Bauernhofeffekt ausgenutzt wird, um den vorherrschenden Mangel bei Allergiker*innen ausgleichen zu können.

AutorIn: Priv.-Doz. Dr. Franziska Roth-Walter

Comparative Medizin, Interuniversitäres Messerli Forschungsinstitut
Veterinärmedizinische Universität Wien
Medizinische Universität Wien, Universität Wien


AEK 09|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-05-04