Die Alopecia areata ist eine Autoimmunerkrankung, die zu einem nichtvernarbenden Haarverlust führt. Hier kommt es zu einer Entzündung im unteren Teil des Haarfollikels, wodurch dieser zerstört wird. Dadurch kann das Haar nicht mehr produziert werden und fällt aus. Die Stammzellen des Haarfollikels befinden sich jedoch deutlich höher in der Haut und bleiben verschont. Dadurch ist auch nach langer Krankheitsdauer ein Nachwachsen der Haare möglich.
Klinisch werden unterschiedliche Subtypen der Alopecia areata unterschieden. Diese richten sich nach dem Ausmaß des Haarverlustes und der Verteilung. Die klassische und häufigste Form ist die sogenannte „Patch-Type“-Alopecia areata. Hier entstehen teils mehrere, meist kreisrunde kahle Stellen an der Kopfhaut. Sobald die gesamte Kopfbehaarung verloren geht, spricht man von einer Alopecia areata totalis; wenn auch die Körperbehaarung betroffen ist, von einer Alopecia areata universalis. Eine Sonderform stellt die sogenannte „Ophiasis“-Form dar. Hier kommt es nur zu einem Verlust der Haare im Bereich des Hinterkopfes und der Seiten. Der Vertexbereich bleibt dabei unbetroffen.
Je nach Subtyp kann es zu einer Spontanheilung der Erkrankung kommen. Bei der „Patch-Type“-Variante tritt sie bei 40–60 % der Patient:innen auf, wobei die Wahrscheinlichkeit für eine Spontanremission mit zunehmender Erkrankungsdauer abnimmt. Bei einer ausgedehnten Alopecia areata totalis oder universalis, die eventuell bereits seit mehreren Jahren besteht, sinkt die Rate der Spontanremissionen auf wenige Prozentpunkte.
Mittlerweile gibt es sehr klare Empfehlungen zur Behandlung der Alopecia areata. Allgemein wird zwischen einer lokalisierten Form des kreisrunden Haarausfalls (ca. 20–50 % der Kopfbehaarung) und einer generalisierten Form unterschieden.
Bei der lokalisierten Form ist die Therapie mit topischem oder intrakutanem Steroid das Mittel der Wahl. Hier gibt es jedoch deutliche Unterschiede im Ansprechen zwischen Kindern und Erwachsenen. Während bei Kindern die Ansprechrate auf ein topisches Steroid bei 50–80 % liegt, ist sie bei Erwachsenen teils nur bei 30 %, was der Rate der Spontanremission entspricht. Bei Erwachsenen ist daher die Therapie mit intrakutanem Triamcinolon (mit 5 mg/ml für die Kopfhaut) das Mittel der Wahl. Hier werden Ansprechraten von über 80 % berichtet, womit es sich um eine sehr effektive und nebenwirkungsarme Therapie handelt. Die Therapie sollte alle 4–6 Wochen wiederholt werden, bis es zu einem vollständigen Nachwachsen der Haare kommt.
Für die Behandlung der generalisierten Alopecia areata (über 20–50 % der Kopfbehaarung) wird allgemein eine Systemtherapie empfohlen. Hier unterscheiden die aktuellen Empfehlungen zwischen einer akuten und einer chronischen Alopecia areata. Die akute Form ist durch einen aktiven Haarausfall (positiver Zupftest) und auflichtmikroskopische Aktivitätszeichen (Rufzeichenhaare, Black Dots) gekennzeichnet. Bei der akuten Form wird weiterhin initial eine Therapie mit einem systemischen Steroid empfohlen. Bei der chronischen Form sind mittlerweile JAK-Inhibitoren als Erstlinientherapie empfohlen.
Mit Baricitinib wurde 2022 erstmals eine Therapie für die Alopecia areata zugelassen. Mittlerweile ist neben Baricitinib auch Ritlecitinib und (in den USA und Großbritannien) Deuruxolitinib spezifisch für die Behandlung der fortgeschrittenen Alopecia areata zugelassen worden. In den Zulassungsstudien wurden bei allen 3 Präparaten Patient:innen mit einem durchschnittlichen Haarverlust von über 80 % und einer durchschnittlichen Erkrankungsdauer von 10 Jahren eingeschlossen – d. h. Patient:innen, die früher als nicht mehr therapierbar galten. Bei allen 3 Präparaten zeigte sich eine Ansprechrate von circa 40 %, sodass diese Präparate als gleichwertig zu sehen sind. Die Therapie sollte auch bei JAK-Inhibitoren zumindest bis zum vollständigen Nachwachsen der Haare durchgeführt werden. Neue Studien haben jedoch gezeigt, dass es bei Absetzen der Therapie bei bis zu 80 % der Patient:innen zu einem Rezidiv kommt. Ein Neubeginn der Therapie nach Absetzen scheint jedoch nicht mit einem schlechteren Ansprechen assoziiert zu sein.
Bei der Alopecia areata handelt es sich strenggenommen um eine ästhetische Erkrankung, da es außer dem Haarverlust zu keinen Beeinträchtigungen kommt. Dennoch darf nicht unterschätzt werden, dass die psychischen Auswirkungen teils dramatisch sein können. Da es bei dieser Erkrankung nie zu einer Vernarbung kommt, ist ein Nachwachsen der Haare immer möglich. Es gibt mittlerweile eine Reihe an wirksamen, zugelassenen Behandlungsoptionen, die auch nach langer Krankheitsdauer noch effektiv sein können.
Praxismemo