EONS13@ESMO 2020: A groundbreaking virtual cancer nursing conference

Die Jahrestagung der European Society of Medical Oncology (ESMO) gilt als die größte europäische Zusammenkunft medizinischer und pflegerischer Fachpersonen mit onkologischem Schwerpunkt. COVID-19 spiegelte sich 2020 sowohl im Kongressprogramm als auch in der virtuellen Form wider. Die Zusammenstellung der erstklassigen Inhalte erfolgte durch die EONS-Präsidenten Dr. Andreas Charalambous und Wendy Oldenmenger, in Abstimmung mit dem wissenschaftlichen Komitee. Das breitgefächerte Programm bot Pflegepersonen die Möglichkeit, ihr Wissen bspw. zu Phase-I-Studien, Immuntherapien und zur Rollenentwicklung von Cancer Nurses zu vertiefen. Die Session mit dem Titel „Evolving Roles“ begeisterte mit einem umfassenden Blick auf Geschichte, aktuelle Situation und Best-Practice-Beispiele.

Herausforderung Pandemie

Gerade in der derzeitigen Situation der Pandemie müssen Möglichkeiten in der Betreuung von PatientInnen neu gedacht und rasch umgesetzt werden. Cancer Nurses sind in ihrem Arbeitsfeld häufig mit Innovationen, wie etwa mit neuen Therapieansätzen, konfrontiert und müssen deshalb einen hohen Grad an Flexibilität aufweisen. Zusätzlich können sie auf ein fundiertes praktisches und theoretisches Wissen zurückgreifen, um neuen Situationen zu begegnen.

Kontinuität in der Begleitung von PatientInnen trotz Distanz: Ein ausgezeichnetes praktisches Beispiel stellte Delphine Mathivon, Nurse Navigator, mit ihrem Vortrag Value of Nurse Navigators ­Telemonitoring for Cancer Patients Tested positive for COVID-19 vor. Cancer Nurses bieten in einem System rasch wechselnder Bezugspersonen Kontinuität. Aufgrund der Pandemiesituation sind aber Kontaktzeiten und -möglichkeiten deutlich eingeschränkt. Zusätzlich stellen Personen mit einer Tumorerkrankung eine Risikogruppe dar. Um trotz dieser herausfordernden Situation für die PatientInnen präsent zu sein, wurde eine ursprünglich zur Therapiebegleitung einer oralen Antitumortherapie entwickelte App adaptiert.

Nurse Navigators als Ansprechpersonen: Zum Einsatz kam die App bei PatientInnen mit einer Tumorerkrankung, die positiv auf COVID-19 getestet wurden, jedoch kaum Symptome aufwiesen und bei denen keine stationäre Aufnahme notwendig war. Zusätzlich wurden PatientInnen, die von einer COVID-Station entlassen wurden, damit ausgestattet. CAPRI COVID-19 besteht aus einer Web-Anwendung für PatientInnen und einer Telefonplattform. Nurse Navigators und PatientInnen können rund um die Uhr kommunizieren. Auf Basis eines entwickelten Algorithmus werden Interventionen abgeleitet. Eine erste Evaluation ergab, dass ein Großteil der PatientInnen zuhause bleiben konnte. Die Anwendung der App ermöglichte einen sicheren Weg in der Betreuung der PatientInnen im multiprofessionellen Team. Die Rolle und das Potenzial der Nurse Navigators konnte unter Beweis gestellt werden.

Die Anerkennung von Cancer Nurses vorantreiben: Erneut konnte aufgezeigt werden, was Cancer Nurses zu leisten vermögen, auch und besonders unter Ausnahmebedingungen. Deshalb müssen rechtliche Verankerung und Anerkennung vorangetrieben werden, um ihr Potenzial vollumfänglich einzusetzen, das unterstreicht auch Lena Sharp, PhD, Past President of EONS. Das erklärte Ziel: PatientInnen mit einer Tumorerkrankung auf höchstem Qualitätsniveau zu unterstützen.


Quelle: Scotté F et al., Eur J Cancer 2020; 132:1–4
AutorIn: Martina Spalt, RN, BSc, LfGuK

AHOP-Vorstandsmitglied
© Foto: feelimage/Matern


AHOP-News 02|2020

Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft hämatologischer und onkologischer Pflegepersonen in Österreich (AHOP)
Publikationsdatum: 2020-12-29