Arthrotische Gelenke: alt und abgenutzt

Wie erkennen?

Folgende Bedingungen sind typisch für eine Arthrose:

  • Alter des Patienten über 50 Jahre
  • Schmerzhaftigkeit nur einzelner (großer) Gelenke. Bei der rheumatoiden Arthritis dominiert hingegen ein mehrfacher und symmetrischer Gelenkbefall.
  • Anlaufschmerz zu Bewegungsbeginn zum Beispiel beim Aufstehen aus dem Bett oder von einem Sessel
  • gestörter Schlaf durch anhaltende Gelenkschmerzen in der Nacht

Je nach Symptomatik lassen sich drei Untergruppen bilden:

  • Die klinisch stumme Arthrose lässt im Röntgen beginnende strukturelle Gelenkschäden erkennen, Symptome fehlen jedoch (noch). Diese Gruppe ist die umfangreichste.
  • Die aktivierte Arthrose fällt durch einen Entzündungsprozess mit Schwellung, Ruheschmerz und Überwärmung auf und folgt auf Belastungssituationen.
  • Bei der dekompensierten Arthrose schreitet der Zerstörungsprozess ohne Entzündung der Gelenkflächen fort. Die gelenknahen Muskeln schmerzen als Folge einer Schonhaltung.

 

 

Wann zum Arzt?

Auf jeden Fall sollten ältere Patienten mit Zeichen eines Ergusses oder einer Entzündung (Schwellung, Rötung, Schmerzen) den Arzt aufsuchen. Eine sichere und erfolgreiche Selbstmedikation wird wohl am ehesten bei der dekompensierten Arthrose zu erwarten sein.

Das gastrointestinale Blutungsrisiko der oralen NSAR ist seit Jahrzehnten bekannt und durch die PPI weitgehend beherrschbar (aber nicht im Darm!), das später entdeckte kardiovaskuläre Risiko wird aber noch immer unterschätzt. Wie soll man sich an der Tara beratend bei einem kardialen Risikopatienten verhalten?

Ein Standardsatz in der Fachinformation von Präparaten mit NSAR lautet: Bei kardiovaskulären eingeschränkten Patienten sollte die niedrigstmögliche Dosis über den kürzesten Zeitraum, der für die Erreichung der Beschwerdefreiheit notwendig ist, eingesetzt werden. Die Therapie sollte in regelmäßigen Abständen überdacht werden und muss abgebrochen werden, wenn sie keinen erkennbaren therapeutischen Nutzen bringt oder sich als unverträglich erweist.

Sicherheitsaspekte in der Selbstmedikation

In erster Linie wird man auf die Dauer der Behandlung achten. Sie soll sich nach dem Zeitraum der Schmerzhaftigkeit richten, das heißt, bei nachlassenden Schmerzen ist die Medikation abzusetzen.

Der zweite Sicherheitsaspekt betrifft die Wahl der Dosierung von Ibuprofen, das in Stärken zu 200 mg (RPF), 400 mg, 600 mg und 800 mg (RP) verfügbar ist. Reicht die rezeptfreie Einzeldosis von 200 mg für das Indikationsgebiet Arthrose? Wenn keine Entzündung vorliegt und nur die Analgesie gewünscht wird, wahrscheinlich ja. Die 400-mg-Stärke hat dabei Reservestatus.

Studie*: Höhere Ibuprofen-Dosen nicht immer notwendig

Die randomisierte doppelblinde Vergleichsstudie in der Notaufnahme einer Schmerzabteilung verwendete Ibuprofen in Einzeldosen zu 400 mg, 600 mg und 800 mg. Die Beurteilung der Schmerzen erfolgte mit einer Analog-Skala 60 Minuten nach der Einnahme. Es fand sich in den drei Dosisgruppen kein Unterschied in der Schmerzlinderung! Dosierungen > 400 mg Ibuprofen scheinen also analgetisch keinen Mehrwert zu haben.

Zum Vergleich: Der antiinflammatorische Ceiling-Effekt von Ibuprofen liegt mit 2.400 mg beziehungsweise 3.200 mg pro Tag deutlich darüber.

* Literatur: Ann Emerg Med. 2019 Oct; 74(4):530-537. DOI: 10.1016/j.annemergmed.2019.05.037. Epub 2019 Aug 2; Motov S et al. „Comparison of Oral Ibuprofen at Three Single-Dose Regimens for Treating Acute Pain in the Emergency Department: A Randomized Controlled Trial“.

AutorIn: Dr. Alfred Klement

Apo-K 06|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-03-27