Der Rheumapatient an der Tara

Das Spektrum der verschiedenen Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises ist groß. Grundsätzlich unterscheidet man entzündliche Krankheitsformen, wie beispielsweise chronische Polyarthritis, und degenerative Gelenkerkrankungen, wozu die große Gruppe der Arthrosen gezählt wird. Ge­nerell ist bei rheumatischen Erkrankungen eine fachärztliche Therapie indiziert, wobei ein früher Behandlungsbeginn wesentlich für den Therapieerfolg ist. Sehr häufig suchen Patienten mit Gelenkschmerzen Rat an der Tara, wobei bei unklarer Genese eine ärztliche Abklärung immer zu empfehlen ist, um eine möglichst frühe zielgerichtete Therapie zu ermöglichen. Bei ­diagnostiziertem Rheuma können unterstützende Maßnahmen jedoch sehr wohl einen wertvollen Beitrag für das individuelle Wohlbefinden leisten.

Natürliche Knorpelbaustoffe bei Arthrosen

Die Behandlung degenerativer Krankheitsformen hat langfristig neben Schmerzfreiheit und Bewegungserhaltung auch zum Ziel, das Knorpelgewebe wiederaufzubauen beziehungsweise einen weiteren Abbau zu verhindern. Neben Wasser (bis zu 80 %) sind Proteoglykane wie Chondroitin- und Glucosaminsulfat wichtige Bestandteile des Knorpelgewebes. Die Regeneration des Knorpelgewebes erfolgt jedoch sehr langsam, da die Nährstoffversorgung in diesem Bereich ausschließlich über Diffusion erfolgt. Außerdem haben die Chondrozyten einen besonders langen Zellzyklus und teilen sich nur bei Veränderungen ihrer Mikroumgebung.

Gute Erfolge erzielt man mittels kurmäßiger Zufuhr dieser Knorpelaufbausubstanzen über mehrere Monate. In Kombination können die beiden Proteoglykane ein Fortschreiten des degenerativen Prozesses hemmen beziehungsweise die Neubildung des Knorpelgewebes unterstützen. Ein weiterer Bestandteil der Knorpelgrundsubstanz, der Gelenkflüssigkeit und des Bindegewebes ist die Hyaluronsäure. Sie führt unter anderem zu einer Erhöhung der Viskosität der Synovia, was wiederum die Gleiteigenschaften des Knorpels verbessern kann. Weiters hilft der Zusatz von nativem Typ-II-Kollagen die überschießende Immunreaktion, welche mitverantwortlich für die Zerstörung des Knorpels ist, einzudämmen. Regelmäßige Bewegung verbessert übrigens den Gelenkstoffwechsel und die Durchblutung und unterstützt somit die Versorgung mit den genannten Knorpelbausteinen.

NSAR in der Selbstmedikation

Rheumatische Erkrankungen gehen häufig mit starken Schmerzen einher. Neben ärztlich verordneten Basistherapeutika kommen zur Schmerzlinderung auch orale und topische Analgetika zum Einsatz. Bei Arthrosen steht die analgetische Wirkung im Vordergrund, bei entzündlichen Erkrankungen ist ein zusätzlicher antiphlogistischer Effekt erwünscht. Rezeptfrei kommen vor allem Salicylsäurederivate, Ibuprofen und Dexibuprofen, Naproxen sowie (topisch) Diclofenac zum Einsatz. Nebenwirkungen oraler Arzneiformen betreffen vor allem den Gastrointestinaltrakt, weshalb auch bei verordneten NSAR auf einen entsprechenden Magenschutz hingewiesen werden sollte. Zurückhaltend einsetzen sollte man systemische NSAR bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei Asthmatikern sowie bei Arzneimittelunverträglichkeiten. Kontraindiziert sind NSAR bei Marcoumar®- und NOAK-Patienten, bei Therapie mit anderen Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel ist jedenfalls Rücksprache mit dem Arzt zu halten. In topischer Anwendung sind NSAR jedoch praktisch nebenwirkungsfrei.

Effektive Hilfe aus dem Pflanzenreich

Durch den gezielten Einsatz hochwertiger pflanzlicher Arznei- beziehungsweise Nahrungsergänzungsmittel gelingt es bisweilen, den Einsatz synthetischer Arzneimittel zumindest reduzieren zu können. Bei entzündlichen (rheumatischen) Gelenkerkrankungen ist das Extrakt der Katzenkralle (Uncaria tomentosa) eine wirksame Option. Die in Südamerika beheimatete Pflanze wirkt über verschiedene Mecha­nismen immunmodulierend, was vor allem auf ihren Gehalt an pentazyklischen Oxindolalkaloiden (POA) zurückgeführt wird. Die südafrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) hat sowohl antiphlogistisches als auch analgetisches Potenzial. Dies beruht unter anderem auf einer Hemmung der Lipoxygenase, woraus eine verminderte Bildung der Leukotriene der 4er-Serie resultiert. Bekannt als „natürliches Aspirin“ ist die Weidenrinde (Salicis cortex). Aufgrund ihres Gehalts an Salicin wird sie bereits seit Jahrhunderten als pflanzliches Analgetikum eingesetzt. Das Harz des Weihrauchbaumes (Olibanum) enthält Boswelliasäuren, welche durch spezifische Hemmung der 5-Lipoxygenase die Leukotriensynthese reduzieren. Weihrauchpräparate sind als alkoholische Trockenextrakte des Harzes als Nahrungsergänzungsmittel im Handel. Auch die Hagebutte (Rosa canina) ist bekannt für ihren positiven Effekt bei Rheuma. Verantwortlich sind vor allem Proanthocyanidine, Flavonoide und Ascorbinsäure, welche unter anderem antioxidativ wirken und eine Senkung der Menge an C-reaktivem Protein bewirken.
Als äußerlich anzuwendende pflanzliche Option soll in diesem Zusammenhang auch der Beinwell (Symphytum officinale) genannt werden. Dieser eignet sich sowohl bei Muskel- und Gelenkbeschwerden als auch bei Prellungen und Verstauchungen. Im Handel befinden sich ausschließlich Beinwellextrakte aus speziellen Züchtungen, welche frei von potenziell toxischen Pyrrolizidin­alkaloiden sind. Entzündungshemmend wirken vor allem die Inhaltsstoffe Allantoin und Rosmarinsäure. Ätherisches Rosmarinöl (Rosmarinus officinalis) wirkt durchblutungsfördernd und führt bei topischer Anwendung ebenfalls zu einer raschen Schmerzlinderung.

Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren

Eine ausreichende Zufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen ist auch für den Bewegungs- und Stützapparat essenziell. Patienten mit entzündlichen rheumatischen Krankheitsformen sollten beispielsweise auf einen ausreichend hohen Vitamin-D3-Spiegel achten, da dieses Vitamin auch maßgeblich immunologische Prozesse beeinflusst. Antioxidativ wirksame Vitamine (A, C, E) sowie Selen neutralisieren freie Radikale und haben somit ebenfalls einen positiven Einfluss auf entzündliche Prozesse. Hervorzuheben sind auch Omega-3-Fettsäuren, wobei vor allem die Eicosapentaensäure (EPA) bei entzündlichen Prozessen hilfreich ist. Wird mit der Nahrung allein der Bedarf der genannten Stoffe nicht gedeckt, so stehen qualitativ hochwertige Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung.

Nicht zuletzt sei auch auf die Bedeutung der Folsäure hingewiesen. Patienten mit Methotrexat-Therapie benötigen 24 Stunden nach der Methotrexat-Einnahme eine Folsäure-Gabe.

 

Tipps für Ihre Kunden

  • Raten Sie bei längerfristigem Einsatz von NSAR und/oder Glucocorticoiden zu einer Verordnung eines PPI.
  • Bei Einnahme von Methotrexat ist nach 24 Stunden die zusätzliche Gabe von Folsäure erforderlich.
  • Regelmäßige Bewegung unterstützt den Knorpelstoffwechsel und verbessert auch typische Beschwerden wie etwa Morgensteifigkeit.
  • Die ausreichende Versorgung mit Antioxidanzien, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren wirkt entzündlichen Prozessen entgegen.
AutorIn: Mag. pharm. Kornelia Baumgartner

Apo-K 17|2019

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2019-09-13