Erkältung bei Kindern

Husten und Schnupfen haben bei Kindern zurzeit Hochsaison. Insbesondere Kleinkinder erkranken häufig, da sich das Immunsystem noch im Aufbau befindet und mit jedem Infekt quasi „dazulernt“. Bis zu 12 Infekte pro Jahr sind in diesem Alter keine Seltenheit. Auch Schulkinder sind häufig krank, mit zunehmendem Alter reduziert sich jedoch die Anzahl der Infekte.

Es beginnt mit einem Schnupfen …

Eine Rhinitis ist besonders für die Kleinsten sehr unangenehm, da sie vorwiegend durch die Nase atmen und sich noch nicht schnäuzen können. Physiologische Kochsalz- oder Meersalzlösungen spülen die Nase und können mehrmals täglich verwendet werden, bei Stillkindern ist auch das Eintropfen von Muttermilch hilfreich. Mit Hilfe eines Nasensaugers lässt sich das Sekret vorsichtig entfernen. Zur Verbesserung der Nasenatmung beim Trinken beziehungsweise Schlafen können nach ärztlicher Verordnung Nasentropfen mit 0,01 % Oxymetazolin verabreicht werden. Ab dem ersten Lebensjahr sind Dosierungen für Kleinkinder indiziert, wie beispielsweise Oxymetazolin 0,025 %, Xylometazolin 0,05 % oder Phenylephrin. Ab dem Schulalter sind bereits höhere Dosierungen möglich, mentholhältige Nasensprays sollten allerdings erst ab 10 Jahren gegeben werden.

Das hustende Kind

Wenn Kinder husten, ist in der Beratung vor allem das Alter von großer Bedeutung. Kleinkinder sollten immer ärztlich untersucht werden, größere Kinder jedenfalls bei gleichzeitigem Auftreten von Fieber beziehungsweise Husten, der sich innerhalb von 14 Tagen nicht bessert.
Ein produktiver Husten erfordert die Gabe eines Expektorans, um den zähen Schleim zu verflüssigen und dessen Abtransport zu erleichtern. In der Kinderheilkunde sind pflanzliche Hustensäfte sehr beliebt, bereits für die Kleinsten eignen sich einige Arzneipflanzen. So ist etwa Efeuextrakt nach ärztlicher Verordnung schon im 1. Lebensjahr zugelassen, auch Spitzwegerichsirup oder -tee kann Babys gegeben werden. Ab dem 3. Lebensjahr sind thymianhältige Hustensäfte eine weitere Option, ebenso wie die synthetischen Expektoranzien Ambroxol und Acetylcystein. Um die Verflüssigung des Schleims zu unterstützen, sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. Abends sollten generell keine schleimlösenden Arzneimittel gegeben werden, da die Kinder in der Nacht den gelösten Schleim nicht abhusten können. Bei (nächtlichem) Reizhusten sind Antitussiva empfehlenswert. Sehr wirksam sind Schleimdrogen, deren Inhaltsstoffe die Schleimhaut mit einer Schutzschicht überziehen, wodurch der lokale Reiz reduziert wird. Dazu zählen unter anderem Isländisch Moos, Spitzwegerich, Königskerze, Eibisch und Malve. Auch Efeuextrakt wirkt sehr gut hustenreizstillend.

Wenn das Kind fiebert …

… ist bei Babys und Kleinkindern generell zum Arztbesuch zu raten! Bei größeren Kindern ist die Entscheidung vom Allgemeinzustand beziehungsweise von den weiteren Symptomen abhängig. Fieber ist grundsätzlich als natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen Keime anzusehen und hat somit physiologische Funktion. Steigt das Fieber jedoch über 39 °C, so wird das Kreislaufsystem stark belastet, weshalb antipyretische Maßnahmen indiziert sind. Neigt das Kind zu Fieberkrämpfen, so sollte das Fieber bereits früher gesenkt werden. Mittel der Wahl sind Paracetamol, das bereits im Säuglingsalter gegeben werden kann, sowie Ibuprofen ab dem 4. Lebensmonat. Beide Wirkstoffe werden entsprechend dem jeweiligen Körpergewicht dosiert.

Pflanzenpower für das Immunsystem

Um den Genesungsprozess zu unterstützen beziehungsweise weiteren Infekten vorzubeugen, helfen zahlreiche immunstärkende Maßnahmen. Generell ist die Substitution von Vitaminen und Mineralstoffen in altersgerechter Dosierung empfehlenswert, um Ernährungsdefizite auszugleichen. Sehr effektiv ist die zusätzliche Gabe immunstärkender Pflanzenextrakte. Das Extrakt der Baumaloe (Aloe arborescens) wirkt sowohl antiviral als auch antibakteriell und kann somit den Krankheitsverlauf mildern beziehungsweise verkürzen. Es kann Kindern ab 3 Jahren gegeben werden. Bekannt für seine immunstärkende Wirkung ist beispielsweise das Extrakt der Zistrose (Cistus incanus) durch seinen hohen Gehalt an Polyphenolen. Bestimmte Polysaccharide (zum Beispiel β-1,3/1,6-D-Glucan) wirken immunmodulatorisch und können ebenfalls über längere Zeit gegeben werden. Bewährt haben sich auch Extrakte des roten Sonnenhutes (Echinacea purpurea) als unspezifisches Immunstimulans. Die Anwendung sollte jedoch auf einen Zeitraum von maximal 8 Wochen beschränkt bleiben.

 

 

Kranke Kinder brauchen …

  • viel Schlaf und eine ruhige Umgebung
  • genug Zeit zur Regeneration (nicht zu früh wieder in Kindergarten oder Schule!)
  • Zuwendung und Zeit
  • frische Luft (häufig lüften beziehungsweise spazieren gehen)
  • viel Flüssigkeit
  • hohe Luftfeuchtigkeit im Raum, um die Atemwege zu befeuchten
  • die im Impfplan Österreich empfohlenen Schutzimpfungen
AutorIn: Mag. pharm. Kornelia Baumgartner

Apo-K 22|2019

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2019-11-22