Gesunde Lebensjahre

Laut Eurostat hinkt Österreich bei den gesunden Lebensjahren im europäischen Vergleich ziemlich hinterher.* Wir liegen dabei nicht nur hinter anderen wohlhabenden Ländern wie Deutschland, Frankreich oder Schweden. Auch in Staaten, die bei weitem nicht über das Wohlstandsniveau Österreichs verfügen (wie etwa Bulgarien), bleiben deren Bürger länger gesund. Nun könnte man es sich leicht machen und derartige Statistiken auf die heimische Gemütlichkeit schieben. Man müsse ja nur weniger und leichter essen, sich mehr bewegen und die entsprechenden Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen. Das greift aber zu kurz. Wir haben Defizite in puncto Health Literacy und tun im Schulsystem nichts, um dem entgegenzuwirken. Sport und Ausbildung/Schule sind in Österreich nur schwer vereinbar, womit sich viele jungen Menschen irgendwann gegen den Sportverein entscheiden. Mögliche Lenkungseffekte wie Zuckersteuern dürfen nicht einmal diskutiert werden – wer dies auch nur anspricht, bekommt haufenweise öffentliche Schelte. Gute Projekte zur Gesundheitsförderung sind oft schlecht dotiert (das habe ich in früheren beruflichen Tätigkeiten hautnah miterlebt). Der Zeigefinger und die Drohung sind immer noch stark ausgeprägt – kein Wunder, dass es dann an der Compliance fehlt oder man immer mehr Menschen an die Weiten und Auswüchse des Internets verliert. Die Coronakrise, so ist es zu befürchten, wird Österreich weitere gesunde Lebensjahre kosten, denn zum oft ungünstigen Lebensstil gesellt sich nun auch ein starker psychischer Faktor. Die Folgen von zunehmenden Depressionserkrankungen und Ängsten werden wir noch lange spüren. Womit sich eine Abwärtsspirale einstellt, denn wer sich psychisch nicht gut fühlt, tut sich schwerer, Gesundheitsempfehlungen umzusetzen. Die Hoffnung, dass die Politik auf diese Entwicklungen reagiert, ist enden wollend. Millionen, die die Regierung für Eigenwerbung ausgibt, wären woanders wahrlich besser investiert. Zum Beispiel in einen Aktionsplan „Gesund 2030“.


* https://ec.europa.eu/eurostat/databrowser/view/tepsr_sp320/default/table?lang=de

Redaktion: Mag. Martin Schiller

Redaktionelle Leitung, Apotheker Krone


Apo-K 08|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-04-30