Gesundheitsbefragung zeigt: Österreicher werden kränker

Wie gut ist es um die Gesundheit der Menschen in Österreich bestellt – und vor allem, wie entwickeln sich wichtige Parameter? Alle fünf Jahre befragt die Statistik Austria im Auftrag des Gesundheitsministeriums sowie der Bundesgesundheitsagentur Tausende Menschen (diesmal genau 15.461) im Land über ihre Gesundheit. Das Ergebnis ist auch Basis für viele gesundheitspolitischen Entscheidungen. Und der Vergleich mit der vorangegangenen Befragung überrascht: 75 % der österreichischen Bevölkerung ab 15 Jahren beurteilen ihren eigenen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut, 2014/15 hatten allerdings 79 % ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut eingeschätzt. Laut der aktuellen Erhebung fühlen sich nur 6 % gesundheitlich schlecht oder sehr schlecht – das ist ein Prozentpunkt mehr als 2014/15.

 

 

Verschlechtert hat sich auch die Zahl der gesunden Lebensjahre: Waren es zuletzt noch 65,9 Jahre in guter oder sehr guter Gesundheit bei Männern ab der Geburt, sank die Zahl jetzt auf 63,1 Jahre. Bei Frauen kam es zu einem Rückgang von 66,6 auf 64,7 Jahre. 2,8 Millionen Personen im Alter von 15 Jahren und darüber gaben an, eine dauerhafte Krankheit oder ein chronisches Gesundheitsproblem zu haben. Bei der Befragung davor waren es noch 2,6 Millionen. Am häufigsten wurden chronische Kreuzschmerzen, Allergien, Bluthochdruck und chronische Nackenschmerzen genannt (12-Monats-­Prävalenz). Frauen leiden zudem weitaus häufiger an chronischen Nacken- und Kopfschmerzen, Harninkontinenz, Ar­throse und Depressionen als Männer. Die Apotheker Krone hat zur Übersicht die Entwicklungen in den wichtigsten Bereichen herausgegriffen.

Bluthochdruck: Anstieg bei Männern ab 45

Mehr als ein Fünftel der Männer (22,0 % [21 %]) und Frauen (21,6 % [20 %]) gaben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate an Bluthochdruck gelitten zu haben. Das Krankheitsbild ist dabei stark altersabhängig: Während die 15- bis unter 44-Jährigen kaum von Bluthochdruck betroffen waren (Männer: 5,7 % [6 %], Frauen: 3,2 % [3 %]), kam es ab 45 Jahren zu einem deutlichen Anstieg der Bluthochdruckfälle. Von den über 75-Jährigen waren schließlich 50,4 % (47 %) der Männer und 55,7 % (58 %) der Frauen betroffen.

Bewegungsapparat: Rücken- und Nackenschmerzen weitverbreitet

1,9 Millionen (1,8 Millionen) Personen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten unter chronischen Kreuzschmerzen oder einem anderen chronischen Rückenleiden gelitten zu haben, Frauen (27,3 % [26 %]) etwas häufiger als Männer (24,5 % [23 %]). Mit zunehmendem Alter stieg die Häufigkeit dieses gesundheitlichen Problems beträchtlich an: Während bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen jeder Zehnte unter Kreuzschmerzen litt, war jeder dritte 60- bis 74-Jährige betroffen. Im höheren Erwachsenenalter (75+) gingen die Zahlen allerdings auf 42,2 % (43 %) leicht zurück. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind in den jüngeren und mittleren Altersgruppen nur schwach ausgeprägt, von den über 75-Jährigen klagte beinahe jede zweite Frau, aber lediglich jeder dritte Mann über Rückenschmerzen. Beinahe ein Fünftel der Bevölkerung litt unter chronischen Nackenschmerzen oder sonstigen chronischen Beschwerden der Halswirbelsäule (19,5 % [19 %]). Frauen (24,8 % [23 %]) waren häufiger von diesem Problem betroffen als Männer (14,0 % [14 %]). Die Häufigkeit dieser Beschwerden nahm mit dem Alter zu, wobei die Unterschiede nach Geschlecht erhalten blieben.

Psyche

Bei der Frage nach Depressionen zeigten sich insgesamt zwischen der aktuellen Befragung und der von 2014/15 Verbesserungen: 5,7 % (6 %) der Männer und 9,2 % (10 %) der Frauen berichteten, dass sie innerhalb der vergangenen zwölf Monate unter Depressionen gelitten hatten. Bei 77,9 % der Betroffenen wurde diese Diagnose von einem Arzt gestellt.

Kopf bereitet Schmerzen

Ein Gesundheitsproblem, das vor allem bei Frauen im jungen und mittleren Erwachsenenalter auftritt, sind chronische Kopfschmerzen. 11,4 % (11 %) der unter 60-jährigen Frauen, aber nur 5,6 % (4 %) der gleichaltrigen Männer gaben an, unter chronischen Kopfschmerzen gelitten zu haben. Im Alter von 60 Jahren und darüber lag die Prävalenz bei 7,2 % (7 %) der Frauen beziehungsweise 5,4 % (3 %) der Männer. Insgesamt hatten 4,1 Millionen (3,6 Millionen) Personen in den letzten vier Wochen Schmerzen, Frauen (59,8 % [54 %]) etwas häufiger als Männer (51,8 % [45 %]). Mit dem Alter verstärkten sich die Schmerzen. Während 8,8 % (5 %) der Männer und 12,3 % (8 %) der Frauen im Alter von 15 bis 29 Jahren über mäßige Schmerzen klagten, war rund jede vierte Person ab 75 Jahren davon betroffen.

Akzeptable Ergebnisse bei Mundgesundheit

Der Großteil der Befragten berichtete über eine sehr gute oder gute Mundgesundheit. Bei Frauen war dies mit 71,8 % etwas häufiger der Fall als bei Männern (68,9 %). 23,8 % der Männer und 20,9 % der Frauen beurteilen ihre Mundgesundheit als mittelmäßig, jeweils 7,3 % stufen den Zustand ihrer Zähne oder ihres Zahnfleisches als schlecht ein. Bei Letzteren wurden keine geschlechtsspezifischen Unterschiede festgestellt. Im Jahr 2014 wurden Parameter zur Mundgesundheit nicht abgefragt.

Präventive Aspekte: mehr Übergewicht, weniger Bewegung

Der Anteil der adipösen Bevölkerung ist seit 2014/15 um rund zwei Prozentpunkte gestiegen. In absoluten Zahlen sind damit 660.000 Männer und 580.000 Frauen in Österreich von starkem Übergewicht betroffen, das sind 18 % der Männer und ­15 % der Frauen. 1,5 Millionen Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren greifen täglich zur Zigarette. Das sind im Vergleich zu 2014 um 228.000 Personen weniger. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen von 1972 ging die Raucherquote auch bei Frauen zurück – bei Männern wurde diese Entwicklung schon länger beobachtet. Aktuell rauchen 18 % der Frauen und 24 % der Männer.

Der tägliche Obst- und Gemüseverzehr war laut Befragung bei Frauen deutlich höher als bei Männern. 58,7 % der Frauen aßen täglich Gemüse und Obst. Hingegen nahmen nur rund 40 % der Männer jeden Tag Obst oder Gemüse zu sich. Sie verzehrten dagegen weitaus häufiger als Frauen täglich Fleisch- und Wurstwaren (43,9 % beziehungsweise 21,8 %). Insgesamt ist der Konsum von Fleisch und Wurst somit im Vergleich zu 2014 gestiegen – damals waren es täglich 39 % beziehungsweise 19 %. Nur 7 % der Frauen und 4 % der Männer erreichen die Empfehlung der WHO, täglich fünf Portionen Obst und/oder Gemüse zu essen (2014: 4 % der Männer und 10 % der Frauen).

Negative Trends zeigen sich auch beim Thema Bewegung. Verglichen mit den Ergebnissen der Befragung aus dem Jahr 2014 erfüllten diesmal weniger Männer und Frauen die Empfehlungen der WHO (Ausdaueraktivität mindestens 2,5 Stunden/Woche, Muskelkräftigungsaktivität mindestens zweimal pro Woche). Vor allem bei den Ausdaueraktivitäten führten mit Ausnahme junger Frauen weniger Personen wenigstens 2,5 Stunden pro Woche aerobe körperliche Aktivitäten durch. Bei der Muskelkräftigungsaktivität waren die Unterschiede zu 2014 geringer. Bei jungen Männern zeigte sich hier ein Rückgang um 5,4 %. Diese Gruppe erfüllte 2019 deutlich seltener als fünf Jahre zuvor beide WHO-Empfehlungen (Rückgang um 6,3 %). Literatur: Österreichische Gesundheitsbefragung 2019. Hauptergebnisse des Austrian Health Interview Survey (ATHIS) und methodische Dokumentation. Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK), Wien 2020Österreichische Gesundheitsbefragung 2014. Hauptergebnisse des Austrian Health Interview Survey (ATHIS) und methodische Dokumentation. Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit, Wien 2015

AutorIn: Martin Rümmele, Mag. Martin Schiller

Apo-K 22|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-11-20