Halsschmerzen: die Rachenschleimhaut gut auskleiden

Leichtes Kratzen, Trockenheitsgefühl, Brennen im Hals oder ein schmerzhafter Schluckvorgang sind mögliche Ausgestaltungen von Halsschmerzen und neben Schnupfen oder Kopfschmerzen Kardinalsymptome einer sich anbahnenden Erkältung. Ursachen der sich in weiterer Folge rötenden und anschwellenden Rachenschleimhaut sind in bis zu 80 % aller Fälle Viren, wobei Rhinoviren als Hauptübeltäter gelten, gefolgt von Corona- und Adenoviren. In circa 1 % aller Fälle wird das Eppstein-Barr-Virus als Erreger für Halsschmerzen verantwortlich gemacht.

Neben klassischen Viren kommen als mögliche Verursacher auch Bakterien, Pilze, hämatopoetische, vaskuläre oder muskuloskelettale Erkrankungen, Neoplasien, Tumoren, Neuralgien, Verletzungen oder weitere Beschwerden (Reflux, Struma, Thyreoiditis, Vitamin-B12-, Eisen- oder Folsäuremangel) in Frage. Irritative Noxen (zum Beispiel Alkohol, Zigarettenrauch, Staub), Überbeanspruchung der Stimme oder trockene Raumluft (Hitze, Klimaanlage) begünstigen weiters die Entstehung von Erkrankungen im Rachenraum.

Darreichungsform Lutschtablette

Eine Lutschtablette kann einfach, ohne Wasser, auch von Patienten mit Schluckschwierigkeiten eingenommen werden und eignet sich gut für unterwegs. Die Wirkung erfolgt zuerst lokal, in weiterer Folge kommt es jedoch über die gut durchblutete Mundschleimhaut zu einer raschen Resorption des Wirkstoffs in den Blutkreislauf. Das konstante Lutschen stimuliert in der Mundhöhle eine erhöhte Speichelproduktion und verbessert die Befeuchtung des entzündeten Areals. Mit dem Speichel werden vermehrt Abwehrstoffe – wie Lysozym und Immunglobuline – gebildet, was eine körpereigene Bekämpfung der Krankheitserreger darstellt.

Zucker und Zuckeralkohole bilden die Basis der Lutschtablette, wobei sensible Personen und Kinder bei sorbithaltigen Präparaten mit Magen-Darm-Beschwerden reagieren können. Zuckerfreie Darreichungsformen verhindern die Kariesbildung und sind auch für Diabetiker geeignet. Bis zu ihrer vollständigen Auflösung sollen Lutschtabletten im Mund langsam hin und her bewegt, nicht zerbissen oder gar im Ganzen geschluckt werden. Bei dieser Arzneiform ist es ratsam, auf eine trockene Lagerung bei Raumtemperatur zu achten, um eine Aufweichung beziehungsweise Verklebung mit der Folie des Blisters zu verhindern, was eine mögliche Veränderung des Wirkstoffs zur Folge haben könnte. Damit eine möglichst effiziente Wirkung der Pastillen-Arzneistoffe gewährleistet werden kann, empfiehlt es sich, nach der Anwendung für mindestens fünf bis zehn Minuten auf Speisen, Getränke und das Reinigen der Zähne zu verzichten.

Als möglicher Nachteil von Lutschpastillen ist zu erwähnen, dass die enthaltenen Arzneistoffe den Kehlkopf so gut wie nicht erreichen, was mit Rachensprays besser gelingt.

Auch der systemische Gebrauch von Substanzen wie Paracetamol oder Ibuprofen zur Linderung der Halsschmerzen kommt in der Selbstmedikation zur Anwendung. Salzhaltige Pastillen befeuchten ebenfalls den irritierten Rachenraum und helfen bei kratzigem Empfinden sowie Reizhusten.

Phytotherapeutisch eignen sich Pflanzen zur Herstellung von Tees oder Gurgellösungen mit antiphlogistischen (zum Beispiel Flos Chamomillae, Folium Plantaginis), antiseptischen (zum Beispiel Folium Salviae, Herba Thymi), schleimbildenden (zum Beispiel Lichen Islandicus, Folium und Radix Althaeae) sowie adstringierenden (zum Beispiel Flos Tiliae, Folium Salviae) Komponenten. In Fertigpräparaten kommen neben Auszügen von Eibisch und Salbei vor allem Flüssigextrakte von Thymian-, Salbei- sowie Pfefferminzblättern zum Einsatz.

Ein klassisches Hausmittel bei Entzündungen der Rachenschleimhaut ist der kühlend sowie abschwellend wirkende Topfenwickel, der sich für alle Altersklassen eignet. Dabei wird zimmerwarmer Speisetopfen fingerdick zwischen zwei Tüchern aufgetragen, welche anschließend für etwa 30 Minuten auf den Hals gelegt werden. Zur besseren Wirkung können auf den Topfen wenige Tropfen ätherisches Lavendel-fein-Öl gegeben werden.

Homöopathische Einzelmittel wie Aconitum, Apis mellifica, Atropa Belladonna, Hepar sulfuris oder Mercurius solubilis zählen zu bewährten komplementärmedizinischen Arzneimitteln.

Ein Arztbesuch ist bei Halsschmerzen dringend anzuraten, wenn:

  • Fieber über 38 °C über einen Zeitraum von 48 Stunden besteht
  • starke Schluckbeschwerden vorhanden sind
  • starke Ohrenschmerzen gleichzeitig auftreten
  • die Tonsillen eine Schwellung und einen eitrigen Belag aufweisen
  • die Symptome sich nach 3 Tagen nicht bessern• gleichzeitig ein Hautausschlag im Gesicht oder am Körper auftritt
  • bei Kindern eine Ess- und Trinkverweigerung verzeichnet wird
  • eine himbeerrote Zunge vorhanden ist
  • zeitgleich starke Heiserkeit wahrnehmbar ist
  • Atembeschwerden und Atemnot auftreten.

AutorIn: Mag. pharm. Doris Auinger

Apo-K 20|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-10-23