Hausmittel bei Erkältung – ein Überblick

Der Satz „Zieh dich warm an, sonst erkältest du dich!“ lässt unweigerlich an die eigene Oma denken, die uns schon beim ersten „Herbstlüfterl“ mit Schal und Haube bekleidet sehen wollte. Ob allerdings die Erkältung tatsächlich vom Frieren und von der Kälte stammt, hat die Wissenschaft schon seit den 1950er-Jahren beschäftigt. Hier gab es eine Studie mit Probanden, die in nassen Socken und Badehosen mehrere Stunden auf einem kalten Flur auf- und abgehen mussten. Allerdings war die Erkältungsrate der Probanden nicht höher als die der Kontrollgruppe, die dasselbe in warmer Umgebung absolviert hatte. Versuche wie diese gab es in den letzten 70 Jahren einige, die meisten allerdings mit uneinheitlichen Resultaten. Die wahrscheinlich schlüssigste Theorie geht davon aus, dass die Unterkühlung der Nasenschleimhäute eine Gefäßverengung bewirkt, wodurch weniger Immunglobuline in den Blutgefäßen zirkulieren. Weiters verlangsamt sich durch die Kälte die körpereigene Produktion von sekretorischem Immunglobulin A, das unter anderem auch in der Nasenschleimhaut gebildet wird und der unspezifischen Immunabwehr dient. Neben den kälteren Temperaturen in den Herbst- und Wintermonaten steigt die Viruslast in schlechter gelüfteten Innenräumen an, wodurch es häufiger zu Ansteckungen kommt. Neben der fehlenden Frischluftzufuhr spielt auch die Heizungsluft eine zentrale Rolle, da die Schleimhäute im Nasopharyngealraum austrocknen und somit anfälliger für virale Angriffe sind. Hier kann man mithilfe von befeuchtenden Nasensprays und -spülungen vorbeugen.

Hühnersuppe und Inhalation

Ein wohlbekanntes und schmackhaftes Hausmittel bei Erkältungskrankheiten ist Hühnersuppe. Diese enthält neben Cystein, welches an der Reifung von Lymphozyten beteiligt ist, auch an Histidin gebundenes Zink, das dadurch besonders gut aufgenommen werden kann. Zink spielt eine wesentliche Rolle bei entzündlichen Prozessen und weist ein starkes antioxidatives Potenzial auf. Beide Eigenschaften wirken sich positiv auf die Immunabwehr aus und begünstigen das raschere Abklingen der Erkältungssymptome. Einige Studien haben in In-vitro-Modellen interessanterweise gezeigt, dass Hühnersuppe die Migration von neutrophilen Granulozyten hemmt, wodurch die lokalen Entzündungsreaktionen abnehmen.* Die Datenlage ist allerdings nicht ausreichend für eine konkretere Aussage. Das Einatmen der heißen Dämpfe während des Essens kann jedoch einen befeuchtenden Effekt auf die Schleimhäute und eine schwach schleimlösende Wirkung im Nasenbereich haben. Inhalationen sind generell eine gute Möglichkeit, um einerseits die Schleimhäute der Atemwege zu befeuchten und um andererseits zähes Nasensekret zu verflüssigen und die Nase zu befreien. Neben der klassischen Inhalation mit Wasserdampf oder Kochsalzlösung helfen verschiedene ätherische Öle wie aus Thymian, Eukalyptus, Pfefferminze, Latschenkiefer und Kampfer, die Atemwege zu befreien.

Tees, Essigpatscherln und Wickel

Bei Fieber wirken Holunderblüten- und Lindenblütentee durch die enthaltenen Flavonoide und Schleimstoffe leicht fiebersenkend und schweißtreibend. Ebenso wird warmer Holunderbeerensaft wegen seines hohen Gehalts an Vitamin C und Polyphenolen in der Volksmedizin gerne bei Halsschmerzen und fieberhaften Erkältungskrankheiten eingesetzt. Wadenwickel und Essigpatscherln sind eine weitere Möglichkeit, hohes Fieber schonend zu senken. Durch die kalten Umschläge wird das Blut an den unteren Extremitäten abgekühlt und führt so zu einer Senkung der Körpertemperatur. Sie dürfen aber keinesfalls bei kalten Füßen oder Schüttelfrost eingesetzt werden.

Bei kalten Füßen, Frösteln und ersten Erkältungsanzeichen hilft ein ansteigendes Fußbad nach Sebastian Kneipp. Zu Beginn sollte die Wassertemperatur 33 °C betragen und wird anschließend über 20 Minuten hinweg langsam auf 40 °C gesteigert. Die beste Zeit für ein wärmendes Fußbad ist abends vor dem Schlafengehen. Nicht angewendet sollte das ansteigende Fußbad bei Venenproblemen, Thromboseneigung, diabetischem Fuß und arteriellen Durchblutungsstörungen. Ebenfalls wärmend, durchblutungsfördernd und schwach entzündungshemmend wirkt Ingwerwurzeltee aufgrund der enthaltenen Scharfstoffe (Gingerole, Shogaole) und ätherischen Öle.

Besonders beliebte Hausmittel bei Erkältungen sind Wickel. ­Warme Halswickel wirken durchblutungsfördernd, muskelentspannend und schwach krampflösend. Im Gegensatz dazu haben kühle Halswickel eine schwach abschwellende, entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung. Neben der rein physikalischen Wirkung von Wärme oder Kälte können Topfen, Zitrone, Zwiebel oder auch ätherische Öle angewendet werden, um die lindernde Wirkung zu unterstützen. Bei quälendem, krampfartigem Husten erleichtern Brustwickel das Atmen. Speziell Wickel mit Kartoffeln, Topfen und Zwiebeln haben sich hier als Hausmittel bewährt. Beim sogenannten „Ölfleck“ wird ein neutrales Öl, zum Beispiel Mandelöl, erwärmt und mit einigen Tropfen ätherischem Öl (Thymian, Eukalyptus …) versetzt. Anschließend tränkt man ein Tuch in der warmen Ölmischung, legt dieses auf die Brust und fixiert es mit einem eng anliegenden Oberteil. Mit dem Wickel sollte man 15–30 Minuten liegend ausruhen.

Spezialtipp für Kunden: Winterrettichsirup

Auch Gemüse, das sich im Winter in fast jeder Küche finden lässt, eignet sich hervorragend zur Herstellung von Hausmitteln. So wirkt ein Sirup aus Winterrettich aufgrund der enthaltenen Senfölglycoside antimikrobiell, schleimlösend und entzündungshemmend. Diese werden im Körper zu Senfölen metabolisiert und schließlich über die Lunge abgeatmet, wodurch sich die antimikrobielle Wirkung in den Atemwegen erklären lässt. Der Winterrettich wird geschält, geschnitten und mit Zucker bedeckt, in einem verschlossenen Glas an einem kühlen Ort stehengelassen. Schon nach wenigen Stunden bildet sich ein klarer Sirup, der mehrmals täglich teelöffelweise eingenommen werden kann. Analog dazu kann man auch einen Sirup aus Zwiebeln herstellen, der durch seine schwefelhaltigen Verbindungen antiasthmatisch, antibakteriell und schleimlösend wirkt. Beide Sirupe sollten nicht bei Magengeschwüren und Gastritis angewendet werden.

Generell gilt für die Anwendung von Hausmitteln: Sollten sich die Beschwerden nach einigen Tagen nicht bessern oder sogar verschlechtern, dann ist ein erneutes Gespräch in der Apotheke oder mit dem Arzt ratsam!

 


Literatur:

* Rennard BO, Ertl RF, Gossmann GL et al., Chicken soup inhibits neutrophil chemotaxis in vitro. Chest 2000 Oct; 118(4):1150–7

AutorIn: Mag. pharm. Karoline Sindelar, MSc

Apo-K 23|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-12-04