Nichts geht mehr …? (Teil 2)

Ernährung, Bewegungsarmut und Stress zählen zu den möglichen Lebensstilfaktoren bei der Entstehung einer Obstipation. Sie sollen im zweiten Teil zum Thema nun näher ausgeführt werden (für Teil 1 siehe Apotheker Krone 3, Seite 24). Eine ballaststoffreiche Ernährung gilt als wesentliche Therapiesäule bei Obstipation. Lösliche Ballaststoffe wie Pektine, Beta-Glukane, Samenschleime oder Guar binden viel Wasser und machen den Stuhl weicher und gleitfähiger. Dickdarmbakterien bilden beim Abbau der Faserstoffe Stoffwechselprodukte wie kurzkettige Fettsäuren, welche die Darmbewegungen anregen können. Aber auch unlösliche Faserstoffe wie Lignin, Zellulose oder einige Hemizellulosen erhöhen das Stuhlvolumen, regen die Peristaltik an und verkürzen die Kolontransitzeit. Insgesamt sollten täglich mindestens 30 g Ballaststoffe aufgenommen werden.1

Oft sind es schon kleine Ergänzungen oder ein Austausch von Lebensmitteln im Ernährungsalltag, um eine Verbesserung der Situation zu erzielen.
Beispiele dafür sind:1

  • Roggenmischbrot statt Weißbrot
  • Vollkorntoast anstelle von herkömm­lichem weißem Toastbrot (Achtung: Mehrkorntoast ist kein Vollkorn!)
  • Haferflocken statt Frühstückszerealien
  • Naturreis statt weißem Reis
  • Äpfel und Beerenobst anstelle von Bananen und Weintrauben
  • Obstsalat oder Kompott anstelle von Pudding und Milchreis
  • Vollkornkekse statt Kuchen
  • Nüsse statt Chips

Auch Hülsenfrüchte bereichern den Speiseplan des Obstipationspatienten. Sie sollten ein- bis zweimal pro Woche auf dem Speiseplan stehen. Die Auswahl obliegt den eigenen Vorlieben, Erbsen und Bohnen sind ebenso eine gute Option wie Linsen. Brotmahlzeiten können mit mundgerecht geschnittenem Gemüse aufgewertet werden. So passen klein geschnittene Karotten, Paprika oder Kohlrabi in jede Jausenbox und sorgen gleichzeitig für eine höhere Faserstoffzufuhr. Natürlich wäre Vollkornbrot die ideale Wahl unter den Brot- und Gebäcksorten, vielen Menschen fällt aber der Umstieg schwer, und somit sind Mischbrote oder auch Pumpernickel oder Vollkorntoast eine gute Wahl für eine Übergangsphase. Oftmals ist es nicht nur eine Änderung der Gewohnheiten (und der Vorlieben) selbst, welche die Herausforderung der Ernährungsmodifikation darstellt: Auch der Darm benötigt eine Umstellungsphase und nicht selten ist unerwünschte Gasbildung möglich. Umso wichtiger ist ein schonender Übergang hin zu einer faserstoffreichen Kost. Nach einer gewissen Umgewöhnungsphase verschwinden in der Regel auch die Nebenwirkungen.1

Auch Nüsse können einen guten Beitrag im Rahmen einer Ernährungstherapie bei Obstipation leisten. Schon eine Handvoll pro Tag liefert rund 3 g Ballaststoffe. Samen und Kerne können als Bereicherung für Müsli oder auch für Salate dienen und bringen ein weiteres Ballaststoffplus.
Wichtig ist bei einer Steigerung der Ballaststoffzufuhr in der täglichen Nahrung auch ein Augenmerk auf die Flüssigkeitszufuhr. Ballaststoffe aus Vollkorn und Co müssen quellen, um ihre positiven Wirkungen zu entfalten. Die nunmehr abgelaufene S2k-Leitlinie zu chronischer Obstipation enthielt als Empfehlung für die tägliche Flüssigkeitszufuhr eine Menge von 1,5–2 Liter. Bei jedem Betroffenen sollte die Trinkmenge abgefragt werden (oder es wird ein Trinktagebuch geführt), da mehrere Studien nachweisen konnten, dass sich eine Obstipation durch Normalisierung der Trinkmenge bessern kann. Wird die Menge aber über das normale, empfohlene Maß hinaus gesteigert, sind keine Zusatzeffekte zu erwarten.2

Führen Lebensstilmaßnahmen nach vier Wochen nicht zum gewünschten Erfolg, empfiehlt sich laut dieser Leitlinie die Zufuhr von zusätzlichen Ballaststoffen in Form von Flohsamenschalen oder Weizenkleien.2

Selbstmedikation

Für die Behandlung der chronischen Obstipation wird ein Stufenschema empfohlen (siehe Abb.). Als dritte Stufe ist der Einsatz von Medikamenten vorgesehen.2 Optionen der Selbstmedikation umfassen Stuhlweichmacher wie Macrogol 400. Ein kurzfristiger Einsatz von Laxanzien ist möglich und unbedenklich. Dies gilt insbesondere für vorübergehende Verstopfung, wie sie im Urlaub bei vielen Menschen auftritt. Empfehlenswert sind außerdem auch Probiotika, um die Darmflora ins Gleichgewicht zu bringen.

Körperliche Inaktivität unbedingt meiden

In der S2k-Leitlinie (die hoffentlich bald in aktualisierter Form wieder erscheinen wird; Anmerkung der Redaktion) wurde körperliche Inaktivität als eine der Ursachen für chronische Obstipation beschrieben. Trotz des epidemiologischen Zusammenhangs zwischen Bewegungsarmut und Obstipation gebe es, so hieß es jedoch, keine hinreichenden Studienbelege für einen therapeutischen Effekt einer gesteigerten körperlichen Aktivität.2 Es verhält sich in Bezug auf Bewegung also wie bei der Flüssigkeitszufuhr: Bewegung ist eine wichtige Säule in Prävention und Therapie, aber über ein gewisses Maß hinaus ergeben sich keine Zusatzeffekte für die Besserung der Obstipation.

Ballaststoffzufuhr in Österreich zu niedrig
Laut letztem Österreichischen Ernährungsbericht 2017 werden deutlich zu wenig Ballast­stoffe konsumiert. Frauen liegen im Schnitt bei 20,1 g pro Tag, Männer bei 21,7 g. Nur 14 % erreichen laut dem Bericht die täglich empfohlene Menge. Normalgewichtige nehmen im Schnitt deutlich mehr Faserstoffe zu sich als Übergewichtige.
Quelle: Rust P, Hasenegger V, König J, Österreichischer Ernährungsbericht 2017