Tipps gegen „Mitbringsel“ aus Bädern

Dermatitiden, Fußpilz, Nagelpilz, Vaginalmykosen, Harnwegsinfekte, Konjunktivitis, Warzen – alle diese Beschwerden können ihren Auslöser im Besuch eines Hallenbades, einer Therme oder einer Sauna haben. Das Wasser wird in öffentlichen Badeanstalten zwar gut kontrolliert, aber das Risiko befindet sich oft auch auf Böden, in Nassräumen und in Garderoben. Stark frequentierte Orte wie rund um das Becken sind ebenso ein Platz, an dem eine erhöhte Viren-, Pilz- und Bakterienexposition besteht. Die Chlorierung des Wassers tötet zudem nicht alle Keime ab, und warme Wassertemperaturen fördern die Vermehrung von pathogenen Keimen.

Ein Überblick über „Mitbringsel“ eines Bäderbesuches:

Fußpilz (Tinea pedis): Die Infektion erfolgt häufig durch infizierte Hautschuppen auf Fußmatten, Holz- und Kunststoffrosten auf den Böden von Bädern oder durch Handtücher. Verletzungen des Nagelbettes erleichtern das Eindringen von Pilzkeimen. Die Infektion beginnt meist zwischen den Zehen und kann sich unbehandelt auf größere Fußbereiche und die Nägel ausbreiten.

Nagelpilz (Onychomykose): Die Ansteckungsgefahr durch Schwimmbad- und Saunabesuche ist in der Literatur dokumentiert.1 Die Erreger (häufig Dermatophyten wie Trichophyton spec.) bevorzugen ein feucht-warmes Milieu. Der Pilz beginnt meist an einem einzigen Nagel mit veränderter Nagelfarbe. In weiterer Folge wird die Nagelplatte brüchig und löst sich vom Nagelbett. Eine Selbstbehandlung bewährt sich: Die Applikation von milch- oder essigsäurehaltigen Produkten in Form von Stiften oder Lösungen führt zu einer Absenkung des pH-Werts und damit zu ungünstigen Bedingungen für die Dermatophyten. Ebenfalls eingesetzt werden die Wirkstoffe Amorolfin, Clotrimazol und die Kombination aus Bifonazol mit Harnstoff.

Vaginalinfekte: Das Scheidenmilieu kann durch Chlor im Beckenwasser beeinträchtigt werden. Dadurch wird die natürliche Schutzbarriere gegen Bakterien und Pilze geschwächt. Zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung des natürlichen Gleichgewichtes im Intimbereich eignen sich laktobazillenhaltige Präparate. Weitere Empfehlungen: Badekleidung nach dem Schwimmen rasch gegen trockene Kleidung wechseln, ebenso wie Tampons. Gynäkologen raten prinzipiell dazu, nicht mit Tampons zu schwimmen, da diese das Chlorwasser aufsaugen und in die Scheide weiterleiten.

Harnwegsinfekte: Unterkühlung durch altes Wasser im Becken oder auch durch das lange Tragen von nasser Badekleidung können die Ursache für eine Blasenentzündung nach einem Schwimmbadbesuch sein. Auch das Sitzen auf kaltem Untergrund wie Steinplatten ist in Kombination mit nasser Kleidung riskant. Die kurze Harnröhre der Frau erweist sich als zusätzlicher Risikofaktor.

„Badeotitis“: Ohrenschmerzen nach einem Schwimmbadbesuch können oftmals eine Entzündung des Gehörganges darstellen, die auch als Badeotitis bezeichnet wird. Gelangt Wasser ins Ohr, bieten sich in Kombination mit dem feucht-warmen Klima ideale Bedingungen für Erreger. Durch Eindringen von Chlorwasser oder verschmutztem Wasser können auch unspezifische Entzündungen leichter entstehen.

„Schwimmbad-Konjunktivitis“: Diese wird meist durch eine Reizung mit Chlorwasser hervorgerufen, seltener durch Bakterien oder Chlamydien. Die Verwendung von Tränenersatzflüssigkeit erweist sich als hilfreich, weil das Auge befeuchtet und das Brennen somit gelindert wird.

Warzen: Die Entstehung wird durch humane Papillomviren verursacht. Die Ansteckungsgefahr im Wasser tendiert gegen Null, jedoch werden die Viren besonders häufig über Böden und Handtücher übertragen. Ein reduzierter Barriereschutz der Haut (darunter auch kleine Verletzungen) sowie Immundefizite fördern die virale Ansteckung. Eine Verbreitung über den Blutweg findet nicht statt. Das konsequente Tragen von Badeschuhen ist eine wirkungsvolle Vorbeugungsmaßnahme. Für die Therapie von Fußwarzen (Hinweis für Kunden: Durch Kratzen kann eine Übertragung auf andere Körperstellen erfolgen) eignet sich eine Behandlung mit Ameisensäure. Die Säure dringt in die Warze ein und hilft, diese von innen heraus auszutrocknen, sodass eine sanfte Abstoßung erfolgen kann. Auf der Haut bleiben keine Spuren zurück. Weitere Möglichkeiten sind Trichloressigsäure, Salizylsäure und Milchsäure, die nach Aufweichung der Haut in einem Fußbad dabei helfen, die Warze abzutragen. Als wirksame Maßnahme erweist sich die Kryotherapie. Verwendet wird dabei Distickstoffmonoxid. Die Kälte dringt tief in die Warze ein und zerstört diese. Studien haben vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich einer raschen Beseitigung der Warzen nach wenigen Tagen gezeigt.2 In vielen Fällen reicht für eine Kryotherapie schon eine Anwendung, nur bei größeren Warzen oder sehr lange bestehenden Wucherungen ist oftmals eine Wiederholung nötig. Ebenfalls möglich ist die Anwendung eines Gels, das die Kälte auf die betreffende Stelle leitet und ein Durchdringen des harten Gewebes ermöglicht.

Eine frühzeitige Behandlung von Warzen verhindert bei rund 50 % der Patienten eine Chronifizierung. Unbedingt indiziert ist eine frühzeitige Behandlung, wenn prädisponierende Faktoren für eine Virusinfektion der Haut vorliegen, zum Beispiel atopische Ekzeme oder Hyperhidrose an Händen und Füßen.2

Allgemeine Empfehlungen

Nach dem Baden und Duschen sollten die Füße immer gründlich abgetrocknet werden, besonders zwischen den Zehen. Bei Anfälligkeit für Fuß- und Nagelpilz kann auch ein Föhn zum Trocknen verwendet werden. Handtücher/Badetücher, die im Schwimmbad verwendet worden sind, sollten mit mindestens 60 °C gewaschen werden; generell gilt die Empfehlung, dass Tücher nicht mit anderen Personen geteilt werden sollen. Zum Schutz vor Badeotitis kann der Kopf nach dem Schwimmen oder Tauchen zur Seite geneigt werden, damit das Wasser aus dem Ohr herauslaufen kann. Bei Menschen, die anfällig für brennende Augen sind, bewährt sich der Einsatz einer passenden Schwimmbrille. Personen mit Warzen sollten Socken nach Verwendung auskochen.

 

Literatur:

1 Raab W, Nagelerkrankungen in der dermatologischen Praxis. Springer-Verlag 2012

2 Ockenfels HM, Therapeutisches Management kutaner und genitaler Warzen. JDDG

AutorIn: Mag. Martin Schiller

Apo-K 05|2020

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2020-03-13