Warzen individuell und effektiv behandeln

Warzen sind gutartige Neubildungen der Haut beziehungsweise der Schleimhaut, die in den meisten Fällen durch humane Papillomviren (HPV) – mit ihren zahlreichen Subtypen – ausgelöst werden. Eine Ausnahme bilden die Dellwarzen (ausgelöst vom Molluscum-contagiosum-Virus) und die Alterswarzen ­(seborrhoische Warzen).

Die unterschiedlichen Formen von Viruswarzen sind:

  • die vulgäre Warze (Verruca vulgaris), die häufigste Form, hautfarben, hart und rund; mit der Zeit wird sie größer, rau und rissig mit einer zerklüfteten Oberfläche („karfiolartig“). Lokalisiert ist diese Warzenform vor allem an Finger- und Handrücken, am Nagelwall sowie manchmal auch unter dem Nagel. Sie tritt einzeln oder beetförmig auf.
  • Dornwarzen (Verrucae plantares), auch eine Form der vulgären Warze, zeigen sich als flache, verdrückte Hautteile mit einem harten Rand und mit einer weichen Mitte (vor allem an der Fußsohle). Da die Warzen an der Fußsohle nicht nach außen wachsen können, wachsen sie wie Dornen nach innen und verursachen je nach der Eindringtiefe stechende Schmerzen beim Gehen und Stehen. Charakteristisch für Dornwarzen ist der dicke Hornhautwall mit vielen roten oder schwarzen Punkten. Dabei handelt es sich um Einblutungen in die oberste Hautschicht. Wenn sich Dornwarzen flächenhaft vermehren, können sie ein Warzenmosaik bilden.
  • Pinselwarzen (Verrucae filiformes): Hierbei handelt es sich um hohe fadenförmige Warzen, die besonders gern in der Augengegend entstehen.
  • Flachwarzen (Verrucae planae) sind rundlich bis oval und meist kleiner und weicher als andere Warzen. Sie treten typischerweise in großen Gruppen, vor allem an Händen und im Gesicht, auf, können aber prinzipiell am gesamten Körper vorkommen. Diese Warzenform tritt vor allem bei Kindern und Jugendlichen auf.
  • Feigwarzen (Condylomata acuminata): Diese gehören zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen und sind viel ansteckender als gewöhnliche Warzen. Die stecknadelgroßen bis mehrere Zentimeter großen rötlichen, grau-bräunlichen oder weißlichen Papeln treten im Genital- und Analbereich auf. Bei zirka 1 % der sexuell aktiven Personen zwischen dem 15. und ­45. Lebensjahr liegt eine klinische Manifestation vor, zirka 10 % sind latent infiziert. Feigwarzen bestimmter Virustypen (zum Beispiel HPV 16 und HPV 18) können invasiv ins Gewebe hineinwachsen und dieses zerstören (onkogen!).

Selbstmedikation

Die Empfehlung zur Selbstmedikation ist vertretbar, wenn es sich um banale klar erkennbare Warzen handelt, das heißt: unkritisch bezüglich Anzahl, Größe und Lokalisation; bei nicht eindeutig erkennbaren Hautveränderungen ist eine Abklärung beim Dermatologen erforderlich. Das gilt auch bei anogenitalen Warzen, Warzen im Gesicht, Warzen bei Kindern, Verdacht auf Melanom, auffälligen Veränderungen der Haut (Vergrößerungen, Blutungen, Entzündungen) sowie bei Personen mit geschwächtem Immunsystem und Menschen mit Hautkrankheiten wie Neurodermitis.Die Behandlung einer Warze erfordert Konsequenz in der Durchführung, da die Warzen sonst immer wieder neu auftreten. Der Erfolg der Therapie sollte auch nach Abheilung der Warzen über eine gewisse Zeit kontrolliert werden. Die Behandlung hängt vom Alter des Betroffenen, von der Anzahl der Warzen sowie von deren Platzierung ab. Je jünger die Warzen sind, desto leichter lassen sie sich entfernen.

In der Selbstmedikation haben keratolytisch wirkende Substanzen wie Salicylsäure oder Milchsäure eine große Bedeutung. Keratolytika weichen das Kerotin der Epidermis auf, wodurch sich das Warzengewebe nach und nach löst. Die Lösungen sollten zwei- bis viermal täglich über vier bis sechs Wochen aufgetragen werden. Eine andere Möglichkeit, Warzen zu entfernen, ist die schmerzlose Verätzung des Gewebes. Eingesetzt werden dazu Ameisen-, Milch- oder Chloressigsäure, die mit Hilfe eines Stiftes einmal wöchentlich aufgetragen werden, wobei auf den Schutz der umliegenden Haut zu achten ist.

Eine wirksame Methode ist auch die Kryotherapie. Durch das Einfrieren entsteht unter der Warze eine Blase, die bewirkt, dass sich die Warze nach zehn bis 14 Tagen aus der Haut hebt und von allein abfällt. Meist genügt eine Anwendung, nur in sehr hartnäckigen Fällen, insbesondere bei Dornwarzen, können zwei bis drei Behandlungen erforderlich sein. Lässt sich die Warze auch nach vier Anwendungen nicht entfernen, ist eine ärztliche Behandlung sinnvoll. Zudem bewährte sich eine Kombination mit Gelbehandlung.

Die Anwendung eines Vereisungssprays erfordert eine gute Beratung in der Apotheke. Eine falsche Anwendung kann dazu führen, dass die Vereisung zu tief eindringt und obere Hautschichten beschädigt. Die Vereisung darf nicht bei Kindern unter vier Jahren angewendet werden. Sie sind auch nicht für die Behandlung auf Muttermalen, auf dünner Haut oder Schleimhaut und bei Genitalwarzen geeignet.

HPV-Impfung empfehlen

Es sind mehr als 120 HPV-Typen bekannt, von denen zirka 14 onkogen wirken. Keine der heutigen Therapieoptionen (zum Beispiel Kryo-, Elektro- oder Lasertherapie, kaustisch mit Trichloressigsäure beziehungsweise medikamentös mit dem Chemotherapeutikum Podophyllotoxin und mit dem Immunmodulator Imiquimod) ist in der Lage, das HP-Virus vollständig zu beseitigen. Eine HPV-Impfung vor Aufnahme sexueller Aktivitäten ist eine sinnvolle Maßnahme. Aber auch bereits sexuell aktive Personen profitieren von einer Impfung.

Weitere Beratungstipps für Kunden

  •  An Warzen nicht kratzen oder manipulieren, da es sonst zu einer Übertragung der Viren über Fingernägel und Fingerkuppen auf andere Hautareale kommt!
  •  Hände und Füße nach dem Waschen gut abtrocknen und eigene Handtücher benutzen!
  •  Den Kreislauf anregen und für gute Durchblutung der Haut, vor allem an Händen und Füßen, sorgen!
  •  Stärkung des Immunsystems
  •  Tragen von Badeschuhen in Schwimmbad/Therme, Sauna oder ähnlichen öffentlichen Einrichtungen
  •  Hände und Füße regelmäßig eincremen (vor allem auch rund um die Nägel), um die Hautbarriere zu unterstützen, denn eine trockene und rissige Haut ist durch winzige Verletzungen meist anfälliger für Warzen!
Redaktion: Mag. pharm. Eva Owesny
Redaktion: Mag. Martin Schiller

Apo-K 24|2021

Herausgeber: Ärztekrone VerlagsgesmbH
Publikationsdatum: 2021-12-24