Verbesserungsbedarf bei Aus- und Weiterbildung in der Allgemeinmedizin

Liebe Leserin, lieber Leser,

das Gespräch mit Dr. Maria Wendler, Allgemeinmedizinerin in Graz, macht wieder einmal bewusst, wie viel Eigenengagement Hausärzte mitbringen müssen, um – sich im Endeffekt selbst – eine gute, qualitätsvolle Arbeitsweise zu ermöglichen, und das bei gleichzeitig geringer Wertschätzung in der Kollegenfachschaft. Nicht verwunderlich also, dass es an interessiertem Nachwuchs mangelt und die offenen Kassenstellen unbesetzt bleiben. Die Geringschätzung beginnt bereits bei der Ausbildung, wie Wendler berichtet: „Ich kenne genügend Fälle, wo Kollegen, nur weil sie Allgemeinmediziner werden wollen, ausschließlich für den Systemerhalt im Krankenhaus benutzt werden – beispielsweise zum Schreiben von Arztbriefen am Wochenende.“

Aber auch bei den Weiterbildungsmöglichkeiten für Allgemeinmediziner gilt es Lücken zu füllen. So seien etwa wichtige sozialmedizinische Themen mit wenigen Ausnahmen in der österreichischen Fortbildung unterrepräsentiert. Wendler besucht deshalb regelmäßig den internationalen Kongress für Allgemein- und Familienmedizin, der heuer in Bratislava stattgefunden hat: „Der WONCA-Kongress ist für mich immer sehr spannend, weil er ein breites Spektrum an Themen bietet – vor allem solche, die bei klassischen Fortbildungen in Österreich kaum vertreten sind, die hausärztliche Medizin aber ausmachen.“

Hausärzte übernehmen für ihre Patienten die Rolle des medizinischen Experten, des Familienmediziners, des Psychologen und manchmal auch die des Sozialarbeiters. Für dieses breite Leistungsspektrum sollte diese Berufsgruppe nicht nur eine entsprechende Wertschätzung – etwa in Form des Facharztes – erhalten, sondern auch die Möglichkeit einer guten Aus- und Weiterbildung, die den spezifischen Bedürfnissen und Fähigkeiten der  Allgemeinmediziner entspricht.

Herzlichst

AutorIn: Dr. Isabella Bartmann

Chefredakteurin


A&P 08|2019

Herausgeber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH
Publikationsdatum: 2019-09-30