Weh dem, der lügt!

Liebe Leserin, lieber Leser,

welche Bedeutung dem oft lieblos und lückenhaft ausgefüllten Anamnesebogen zukommt, offenbart sich manchmal erst in einem Gerichtsverfahren, wenn die gesamte medizinische Dokumentation beleuchtet wird. Es ist eben jene wenig geschätzte, da ressourcenhungrige Dokumentation, die dann als Dreh- und Angelpunkt des medizinischen Gutachtens im Gerichtsverfahren dient. Aber der Gutachter darf sich natürlich nicht nur auf die dokumentierten Erkenntnisse anderer verlassen, sondern wird auch selbst Untersuchungen durchführen bzw. veranlassen. Einen vielleicht besonders interessanten Aspekt stellen in diesem Zusammenhang nicht oder kaum objektivierbare Symptome dar, allen voran der Schmerz. So muss der Gutachter bei vielen Zustandsbildern ohne den Einsatz apparativer Diagnostik zu einer Beurteilung kommen, die oft großen Einfluss auf das Leben des Untersuchten nimmt. Nicht selten leitet das Gegenüber des Gutachters kein hehrer Gedanke, sondern der simple Wunsch nach einem widerrechtlichen Vorteil. Hier handelt der Arzt als Detektiv, seiner gewohnten Tätigkeit artverwandt und doch anders. Im Normalfall hegt der Patient den Wunsch, gesund zu werden. Wie man damit umgeht, wenn die Motivation anders liegt, durfte ich im Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Wilfried Ilias erfahren. Ebenso, wie man Gutachter wird, wie man sich als solcher verhalten sollte und warum es sich lohnt, einer zu werden.

Ich hoffe, Sie verzeihen, dass ich an dieser Stelle ausnahmsweise nicht auf die sich mittlerweile entscheidend gebesserte Corona-Situation eingegangen bin, und verbleibe mit den besten Wünschen für Ihren Sommerbeginn

Ihr

Redaktion: Dr. Sebastian Pokorny

Chefredakteur


A&P 05|2021

Herausgeber: MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH
Publikationsdatum: 2021-06-01