Mit Trichophyton mentagrophytes Genotyp VII (TMVII) rückt ein Dermatophyt zunehmend in den Fokus der STI-Medizin. Wie Alba Català berichtete, hat sich der ursprünglich mit tierischen Reservoiren assoziierte Erreger offenbar an die Übertragung innerhalb menschlicher sexueller Netzwerke angepasst. Betroffen sind vor allem Männer, die Sex mit Männern haben (MSM); häufig bestehen eine PrEP-Einnahme, eine HIV-Infektion oder weitere sexuell übertragbare Koinfektionen.
Die Übertragung erfolgt insbesondere durch intensiven Haut-zu-Haut-Kontakt, etwa beim Geschlechtsverkehr oder bei intimen Massagen. Auch eine indirekte Transmission über Handtücher, Bettwäsche oder andere kontaminierte Gegenstände ist möglich. Klinisch auffällig ist die Prädilektion für pubogenitale, inguinale, gluteale und perianale Regionen, daneben können Gesicht und Bartbereich betroffen sein.
Charakteristisch sind ausgeprägt entzündliche, schuppende Plaques, Pusteln und tiefe follikuläre Knoten bis hin zum Majocchi-Granulom. Gerade diese ungewöhnlich inflammatorische Präsentation birgt die Gefahr einer Fehldiagnose als Ekzem, Psoriasis oder bakterielle Follikulitis. Eine Behandlung mit topischen Kortikosteroiden kann das klinische Bild zusätzlich verschleiern und eine tiefere Pilzinvasion begünstigen.
Für die sichere Diagnose reicht der alleinige Pilznachweis (KOH, Kultur) nicht aus. Laut Català erfolgt die definitive Erregeridentifikation molekularbiologisch mittels PCR und anschließender ITS-Sequenzierung, um TMVII von anderen Dermatophyten (T. indotinea, TmII) abzugrenzen. Bei tiefem follikulärem Befall ist eine topische Monotherapie unzureichend. Im Vortrag wurde orales Terbinafin als Erstlinientherapie über meist 8–12 Wochen genannt; bei Resistenz oder Therapieversagen kommt Itraconazol infrage. Ergänzend sind Kontaktmanagement, Hygienemaßnahmen und ein paralleles Screening auf weitere STI wesentlich.