At the Crossroads

Wer zu den (gesundheits-)politischen Gesprächen nach Alpbach fährt, hat naturgemäß hohe Erwartungen: Themen müssen platziert, Stakeholder überzeugt und Netzwerke geknüpft werden. Eine große Aufgabe für nur zwei Tage. Das Motto „At the Crossroads“ beschreibt diesen Zugang wohl noch einen Schritt abstrakter: Weichen werden gestellt, bisher eingeschlagene Wege verlassen und neue Pfade gesucht. Am Ende wird Bilanz gezogen, nicht nur von den Veranstaltern des traditionellen Forums, sondern auch vom scheidenden Gesundheitsminister und den Teilnehmern, denn spätestens jetzt stellt sich die Frage: Was kann für die Betroffenen mitgenommen werden?
Betroffene – damit sind ausnahmsweise nicht die Patienten gemeint, sondern die Ärzte, das Pflegepersonal und die Hersteller von Produkten, also all jene, über deren Köpfen Politik gemacht wird und die schlussendlich in der täglichen Praxis davon betroffen sind. Von diesen forderte Bundesminister Alois Stöger „ihren Beitrag zu einem solidarischen Gesundheits­system“. Die Lösung, wie das funktionieren kann, lieferte er gleich mit: mit einem radikalen Paradigmenwechsel von Krankheitsorientierung zur Gesundheitsorientierung und von der Institutionen- zur Patientenorientierung. Nachsatz des scheidenden Ministers: „Denn im Gesundheitsbereich steuert der Markt gar nichts!“ Nun liegt die Latte wohl hoch, nicht nur für seine Nachfolge, sondern auch für alle Gesundheitsdienstleister, die in diesem System tätig sind. Dazu zählen auch die Hersteller von Medizinprodukten, die aber – anders als Stöger – durchaus davon überzeugt sind, dass „weniger Staat und mehr Privat“ bereits gelebte Realität ist und der Markt durchaus – positiv wie negativ – in die Steuerung eingreifen kann und muss. Immerhin forderte Stöger auch, dass 10 % der Wirtschaftsleistung erkennbar in den Gesundheitsbereich fließen sollen. Wir sehen darin ein klares Bekenntnis für die Stärkung des heimischen Wirtschaftsstandortes und einen Wink, dass der Markt doch nicht ganz an der Gesundheitswirtschaft vorbeilebt.
Auch Dr. Pamela Rendi-Wagner vom Gesundheitsministerium widmete sich der Suche nach Verantwortlichkeiten für die künftige Gestaltung des Gesundheitswesens und kam zu durchaus konkreten und Hoffnung machenden Vorschlägen, die Sie auf Seite 70 nachlesen können. Bleibt zu hoffen, dass die ­vielen Ideen bis Alpbach 2015 nicht in Vergessenheit geraten und dort angeknüpft wird, wo heuer aufgehört wurde …

Ihr
Philipp Lindinger
Geschäftsführer AUSTROMED

AutorIn: Mag. Philipp Lindinger

Geschäftsführer AUSTROMED


MP 04|2014

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2014-09-04