Das Schlusswort 4/14 – Paradigmenwechsel in der Versorgung

In der letzten Ausgabe haben wir die Problematik der Standortgefährdung für Österreich und den damit verbundenen drohenden Qualitätsverlust thematisiert. Diesmal möchte ich Ihnen meine Überlegungen zum nächsten Schritt mitteilen: Ist eine Effizienzsteigerung mit gleichzeitiger Kostensenkung möglich oder widerspricht das einander? Welche Lösungsansätze gibt es dazu?
Darüber habe ich kürzlich in einem „Experts Talk“ zur aktuellen Beschaffungssituation im Gesundheitswesen mit je einem Vertreter aus dem Bereich Krankenanstalt, Pharmaindustrie, Unternehmensberatung und Vergaberecht debattiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass die Vergangenheit bereits gezeigt hat, dass es funktioniert! Innovative Produkte und Behandlungsmethoden steigern die Effizienz und senken gleichzeitig die Kosten – ein Beispiel hierfür wären minimalinvasive Interventionen. Aber auch qualitativ hochwertige Produkte helfen sparen, weil sie sich oftmals durch geringeren Verbrauch und höhere Lebensdauer auszeichnen. Das Fazit ist: Nicht BEI Medizinprodukten soll gespart werden, sondern MIT Medizinprodukten!
Ein wesentlicher Meilenstein in der nachhaltigen Kostenoptimierung wäre, die Entscheidungsträger von einem Schwenk weg von der Stückkosten- hin zu einer zeitgemäßen Prozesskostenbetrachtung zu überzeugen.
Auch ist es ein Trugschluss, dass ein Unternehmen über den Einkauf saniert werden kann. Es muss dort gespart werden, wo ein größeres Einsparungspotenzial vorhanden ist, nicht aber bei Medizinprodukten, denn diese machen vom Gesamteinkauf nur einen einstelligen Prozentbereich aus!
Daher ist die wichtigste Forderung der AUSTROMED im Vergaberecht, dass neben dem Preis auch die Qualität als verbindliches Zuschlagskriterium verankert wird. Dazu gibt die neue EU-Richtlinie 2014/24/EU über die öffentliche Auftragsvergabe den Raum, indem sie als übergeordnetes Konzept den Begriff des „wirtschaftlich günstigsten Angebots“ verwendet. Denn letztlich müssen wir weg aus dem Dogma der Mindestversorgung hin zu einer niederschwelligen „State-of-the-Art Versorgung“!

Ihr
Mag. Friedrich Thomasberger
AUSTROMED Präsident

AutorIn: Mag. Friedrich Thomasberger

AUSTROMED Präsident


MP 04|2014

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2014-09-04