Das Schlusswort: Traum und Wirklichkeit

Bei unserer Hauptversammlung am 16. April brachte es Mag. Peter McDonald vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger mit seiner Keynote zum Thema „Österreichs Gesundheitswesen fit für die 2. Hälfte des 21. Jahrhunderts machen“ auf den Punkt:

„Ziel der Sozialversicherung ist es, die Finanzierung der Versorgung nachhaltig sicherzustellen. Wir nehmen den Menschen die Sorge um ihre soziale Sicherheit, damit sie den Kopf dafür frei haben, sich den Herausforderungen ihres Lebens zu widmen. Wir müssen wegkommen davon, Ausgaben im Gesundheitswesen nur als Kosten zu sehen, sondern sie auch als Investitionen begreifen. Es ist wichtig, dass wir künftig mehr über den Nutzen diskutieren und nicht nur über Kosten. Gute Qualität kostet viel, schlechte Qualität kostet aber noch viel mehr. Aber auch in der persönlichen Gesundheitsvorsorge ist es notwendig, ein größeres gesellschaftliches Bewusstsein zu erreichen.“

Diese Aussage lässt durchaus Hoffnung aufkeimen – seitens der AUSTROMED werden wir jedenfalls darauf achten, wie diese Worte einer konkreten Umsetzung zugeführt werden.
Die Wirklichkeit sieht derzeit anders aus: Medizinprodukte und der medizinische Fortschritt werden in der medialen Berichterstattung und von den Entscheidungsträgern des Gesundheitssystems als Kostentreiber gesehen. Natürlich verursacht jede Investition zunächst Kosten – oder richtiger Mittelabfluss (Cash-out). Entscheidend ist aber, wie schnell und in welchem Ausmaß der Mittelrückfluss (Cash-in) einer Investition stattfindet. Das können vermiedene Ersatzinvestitionen, kürzere Krankenstände, geringere Verbräuche, effizientere Prozesse, kürzere Liegezeiten, bessere medizinische Outcomes und vieles mehr sein. Darüber spricht niemand, obwohl es ganz entscheidend für eine Investitionsentscheidung ist.
Wichtig bei einer Investitionsbetrachtung ist auch die Qualität. Die Kausalität zwischen dem Qualitätslevel des Inputs und dem Ergebnis ist evident, andernfalls wird an den Anforderungen vorbeiinvestiert. Aber das wollen wir nicht annehmen. Hohe Qualität hat auch einen Sicherheitsaspekt, ist also ins ­Risikomanagement einzubauen.
Zu guter Letzt der „medizinische Fortschritt“: Mit innovativen Produkten und Therapien wird ein Mehrwert in der Patientenversorgung geschaffen. Innovationen bedeuten am Anfang des Lebenszyklus mitunter höhere Kosten, aber der Nutzen wird langfristig überwiegen und zur Erhöhung der gesunden Lebensjahre führen. Beim gesetzlichen Auftrag, „ausreichend und zweckmäßig, das Maß des Notwendigen nicht überschreitend“ zu versorgen, müssen wir das Notwendige als „State of the Art“ verstehen. Alles andere ist gesellschaftspolitisch bedenklich.

Ihr

Mag. Friedrich Thomasberger