Gesundheitspolitik zwischen Werten und Erwartungen

Vom traditionellen Sommerloch war in der Medizinprodukte-Branche, da möge es noch so heiß gewesen sein, nicht viel zu bemerken. Was unsere Branche über den Sommer hin beschäftigt hat und weiterhin beschäftigen wird, ist der Vorschlag der EU-Kommission über die Medizinprodukte-Verordnung. ­Anfang Juni veröffentlichte der Ausschuss für Umwelt, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) Informationen zum Berichtsentwurf der Verordnung zu Medizinprodukten. Die Berichterstatterin für die Überarbeitung der Verordnung und EU-Abgeordnete, Dagmar Roth-Behrendt, fordert darin die Umstellung auf ein zentralisiertes Zulassungssystem vor dem Inverkehrbringen von Medizinpro­dukten. Die AUSTROMED stellte sofort nach dieser Ver­öffentlichung klar, dass ein Zulassungssystem in dieser Form unnötige Verzögerungen von lebensrettenden, medizinischen Geräten ohne Verbesserung der Patientensicherheit in Europa bedeuten würde. Insgesamt 900 Änderungsanträge lagen dem Europäischen Parlament zum Kommissionsentwurf Mitte Juni vor. Danach fanden und finden nach wie vor entscheidende Gespräche und Abstimmungen in Brüssel statt. Die Thematik geht in den nächsten Tagen in eine weitere heiße Phase, denn das EU-Parlament wird am 18. September 2013 über den Vorschlag der Kommission abstimmen.
Bereits über ihre Wünsche und Forderungen an die Politik abgestimmt haben die Teilnehmer der diesjährigen Alpbacher Gesundheitsgespräche, die von 16. bis 19. August stattfanden. Die AUSTROMED, Partner und Sponsor der Gespräche, war auch heuer wieder mit einem Stand vor Ort vertreten. Alpbach stand unter dem Motto „Wer entscheidet Gesundheit?“. Teilnehmer aus allen Bereichen des Gesundheitswesens diskutierten gemeinsam mit Experten Fragen wie: „Inwieweit hilft die evidenzbasierte Medizin Entscheidungen zu treffen? Woran orientieren sich medizinische Forschung, ärztliche Behandlung und die Gestaltung des rechtlichen und politischen Rahmens?“ In den unterschiedlichen Arbeitskreisen wurden elf Forderungen erarbeitet, die am 18. August durch ein digitales Voting zu den sechs Top-Forderungen verdichtet wurden.
Aus den Expertendiskussionen in Alpbach ging deutlich hervor, dass es weiterhin eine der Aufgaben der AUSTROMED sein wird, in der Öffentlichkeit vermehrt das Bewusstsein zu schaffen, dass die Medizinprodukte in allen Bereichen des Gesundheitswesens eine unverzichtbare Rolle spielen. Von der viel diskutierten Prävention über die Diagnostik und Behandlung bis hin zur Rehabilitation reicht das Spektrum. Vor allem die Prävention und die damit verbundene Wissensvermittlung ist ein wesentlicher Bestandteil von Teilbereichen der Medizinprodukte-Branche, wie Desinfektion & Hygiene, Dekubitusprophylaxe oder In-vitro-Diagnostik, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch zum Know-how-Transfer leisten die Medizinprodukte-Unternehmen einen wesentlichen Beitrag, weit über die Erfüllung des gesetzlichen Auftrags aus dem Medizinproduktegesetz hinaus. Last but not least profitieren auch die Patienten im Sinne einer erhöhten Sicherheit von einer kontinuierlichen und professionellen Aus- und Weiterbildung der Anwender durch die Medizinprodukte-Unternehmen. Deshalb ist es für das heimische Gesundheitswesen von enormer Wichtigkeit, die Medizinprodukte-Branche in die Diskussionen und Entscheidungen der Gesundheitspolitik mit einzubeziehen. Die AUSTROMED wird mit ihrer Arbeit auch weiterhin dafür Sorge tragen, dass die Medizinprodukte-Branche entsprechendes Gehör findet.

Ihr

Philipp Lindinger

AutorIn: Mag. Philipp Lindinger

Geschäftsführer AUSTROMED


MP 04|2013

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2013-09-06