Josef Taus fordert auf, die Weltpolitik im Auge zu behalten

Österreichs wirtschaftliche Entwicklung kann sich ­sehen lassen: Wir haben uns seit dem Ende des 2. Weltkriegs zu einem der wohlhabendsten Staaten in Europa hochgearbeitet. Derzeit ist die Konjunktur zufriedenstellend, auch wenn es erste Anzeichen gibt, dass sie schwächer wird. Es gibt wenig Anlass zur Sorge.

Untrennbar mit der wirtschaftlichen Prosperität verbunden ist die Entwicklung der Gesellschaft, einer aktuell alternden Gesellschaft, die gerade im Gesundheitswesen oft als Krisenszenario dargestellt wird. Tatsächlich wird sich zwischen 2015 und 2050 nach aktuellen Schätzungen die Bevölkerungsgruppe der über 50-Jährigen verdoppelt haben. Was heißt diese Entwicklung auf einer Makroebene für die Wirtschaftspolitik eines Landes? Denn: Nur eine stabile Wirtschaft kann auch langfristig den Rahmen für ein hochqualitatives Gesundheitswesen sicherstellen.

Es gibt eine Reihe von wirtschaftspolitischen Fragen, mit denen die Menschheit bisher nie konfrontiert war, für die es aber gilt, rasch Lösungen zu finden: zum Beispiel die Frage der Pensionen, wenn Mitarbeiter 70 Jahre und älter werden und noch im Arbeitsprozess stehen; die Frage der ständig wachsenden Mittelschicht; die Frage der wachsenden Weltbevölkerung und der dafür ausreichenden Nahrungsmittelproduktion. Natürlich betrifft das nicht jedes Unternehmen in gleichem Ausmaß – aber wer morgen noch konkurrenzfähig sein will, muss heute darauf achten, welche Entwicklungen die Weltwirtschaft bestimmen werden. Wir müssen uns nicht die Frage stellen, welche Produkte und Dienstleistungen die Medizin braucht, wenn große Fragen wie die Grenzen der Energie- oder Wasserversorgung nicht gelöst sind. Und darüber müssen wir jetzt nachdenken und nicht erst dann, wenn Knappheit eingetreten ist. Politische Entscheidungsträger sind gefordert, stabile Verhältnisse für die Wirtschaft zu schaffen, damit sich die Unternehmen genau auf diese Fragen konzentrieren können und an der Gestaltung eines Gesundheitssystems mitwirken können.

Folgende Konsequenzen und Handlungsspielräume ergeben sich für Medizinprodukte-Unternehmen:

  1. Österreich braucht dringend einen ­Kapitalmarkt, der hierzulande aber völlig fehlt. Unternehmen müssen investieren und expandieren können, dazu ist ­politische Unterstützung und politisches Commitment erforderlich.
  2. Aufgrund der Altersstruktur werden die Pensionen nicht aus Rücklagen zu ­finanzieren, sondern von der aktiven Generation zu bezahlen sein. Wer das zu übernehmen hat, wird eine unangenehme, aber immer dringlichere Frage sein.
  3. Die Wirtschaft muss wachsen und das kann nicht gelingen, wenn wir innerhalb der österreichischen Grenzen denken. „Europe first“ muss eine Zukunftsstrategie sein, die uns das ermöglicht. Der Weg dorthin ist mit Sicherheit schwierig, denn historisch gesehen waren die europäischen Staaten immerhin in zwei Kriege ­verwickelt, die heute noch eine Einigung auf eine gemeinsame Wirtschaftspolitik schwer machen.
  4. Die Medizinprodukte-Unternehmen beklagen das Fehlen einer staatlichen Stelle für die Zulassung ihrer Produkte in Österreich. Das ist ähnlich wie mit dem Kapitalmarkt – was wir nicht haben, müssen wir uns aufbauen und uns aktiv dafür einsetzen! Ich behaupte nicht, dass es einfach ist, diese Interessen durchzusetzen, aber versuchen müssen wir es!
  5. Unternehmen müssen die weltpolitische Entwicklung im Auge behalten und ihre Strategie auch am „großen Ganzen“ orientieren.
Kommentar von: Josef Taus

MTB Beteiligungen AG

Foto: Franz Baldauf


MP 02|2018

Herausgeber: AUSTROMED, lnteressensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2018-12-19