Kreative Versorgungskonzepte gefragt

Immobilien für Spitäler, Gesundheitszentren oder Gemeinschaftsordinationen, die heute geplant und in rund zehn oder oft erst fünfzehn Jahren fertiggestellt werden, müssen heute schon den künftigen Anforderungen Rechnung tragen. Das führt dazu, dass auch im Immobiliensektor das Spannungsfeld zwischen knappen Budgets und steigenden Anforderungen an die Qualität der Versorgung deutlich spürbar ist – und auch hier adäquate Lösungen fehlen. Zukunftsweisende Versorgungskonzepte erfordern zukunftsweisende Immobilienkonzepte. Welche Herausforderungen das für Planer, Betreiber und Nutzer von Gesundheitseinrichtungen mit sich bringt, wurde im Rahmen des 4. Business-Circle-Jahresforums für Planung, Bau und Betrieb im Gesundheitswesen von Experten diskutiert.

 

DI Berndt Martetschläger: Gesundheitsgruppe Flexible Anforderungen

Das Arbeitszeitgesetz, der Ärztemangel und die steigende Erwartungshaltung der Bevölkerung an die Verfügbarkeit der Gesundheitsleistung werden dazu führen, dass die Vorhaltekosten drastisch steigen werden. Um wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben, werden die Betriebsgrößen steigen müssen und die klassische 150 m2-Ordination bald ein Auslaufmodell werden. Die Bereitstellung hochwertiger Immobilien als Geschäftsmodell kann aufgrund der Spezialanforderungen nur in einer direkten Partnerschaft mit dem Auftraggeber entstehen. Die Kunst ist es, ein hohes Maß an Funktion zu gewährleisten und gleichzeitig sehr flexibel zu bleiben.

Univ.-Doz. Mag. Dr. Thomas Mück: Ambulant oder stationär

Auf das Realisieren von Spezialanforderungen müssen die hochspezialisierten Unfallkrankenhäuser und Rehabilitationszentren der AUVA längst vorbereitet sein, die pro Haus weniger Betten als Allgemeinkliniken haben. Eine massive Auswirkung auf die Immobilien hat die Frage, ob wir im österreichischen Gesundheitswesen bzw. im stationären Bereich die Versorgung konzentrieren oder weiterhin verteilt behalten wollen. Daran knüpft sich die Frage, ob sich am Spezialisierungsgrad der Häuser etwas ändern wird. Und schließlich ist es für die weitere Entwicklung wichtig zu wissen, ob das Zusammenwirken von stationärer und ambulanter Versorgung künftig noch besser organisiert werden kann und welche Rolle Primary Healthcare Zentren einnehmen ­werden.

Mag. Christina Schwarz: Demografischer Wandel

Bei der Planung von Versorgungskonzepten müssen auch die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft und der Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens mitberücksichtigt werden. Der Leidensdruck wird größer, denn Gesundheit heißt mehr als nur die Behandlung in einer Institution. Das Thema Prävention wird hier völlig unterschätzt und spielt bei der Planung von Immobilien noch eine untergeordnete Rolle. Gefragt sind ­unkonventionellere Projekte und kreative Konstellationen – etwa neue Wohnformen im Alter oder eine niederschwellige, regionale Versorgung. Neue Berufsgruppen wie Sozialberufe müssen integriert werden, aber auch neue technische Entwicklungen wie die Telemedizin stellen Bauherrn und Planer vor völlig neue Herausforderungen.

Kommentar von: DI Berndt Martetschläger

Geschäftsführer, Klinikum Austria GmbH – die Gesundheitsgruppe

© stuhlhofer-wolf gmbh


Kommentar von: Univ.-Doz. Mag. Dr. Thomas Mück

stellvertretender Generaldirektor der AUVA, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt

©AUVA


Kommentar von: Mag. Christina Schwarz

Geschäftsführerin, Rudolfinerhaus Privatklinik GmbH


MP 03|2015

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2015-07-16