Stomamanagement in der Praxis: Neue Aufgabenfelder im Stomamanagement

Was unterscheidet die Stomaversorgung von ­Stomamanagement?

Das Aufgabengebiet im Stomamanagement ist viel breiter gefächert, geht weit über die Versorgung hinaus und beginnt bereits vor Anlegen eines künstlichen Darmausgangs mit einem aufklärenden Gespräch vor dem operativen Eingriff. Hier werden Fragen abgeklärt wie die Auswirkungen der Stomaversorgung auf die Lebensqualität, auf den Lebenspartner oder Angehörige. Wir begleiten den Patienten vom ersten Gespräch bis hin zum sicheren Umgang mit dem Stoma. Stomamanager arbeiten hauptsächlich in Spitälern und arbeiten eng mit den behandelnden Ärzten sowie therapeutischen Fachkräften und dem Pflegepersonal zusammen. Stomatherapie hat sich mittlerweile zu einem speziellen Fachgebiet im Bereich der Krankenpflege entwickelt und beschäftigt sich mit der individuellen und ganzheitlichen Pflege und Rehabilitation von Stomapatienten. Dazu gehört zum Beispiel auch die Pflege von Wunden, die Hautpflege und Ernährungstipps, aber auch die Beschaffung erforderlicher Produkte. In manchen Krankenhäusern arbeiten wir auch in interdisziplinären Gruppen an Fallbesprechungen mit. Auch an der Ausarbeitung einschlägiger Leitlinien oder Richtlinien nach internationalen Kriterien ist das Wissen von Stomamanagern gefragt.

Welche besonderen Anforderungen werden an ­Stomamanager gestellt?

Wir begleiten Patienten oft über einen langen Weg mit einer sehr einschneidenden Lebenserfahrung. Neben der fachlichen Qualifikation braucht es hohe soziale Kompetenz, die Betroffenen zu schulen und zu unterstützen. Eine kontinuierliche Weiterbildung ist erforderlich, um das Wissen um neue Produkte und Therapien ständig up to date zu halten.

Wie entwickelt sich der Pflegeprozess in der ­Stomaversorgung?

Stomaberater sind in der Beratung prä- und postoperativer Versorgung eingebunden und eine wichtige Schnittstelle zu den anderen Berufsgruppen.

Ist diese umfassende Stomaberatung gelebte Praxis?

Wir wissen, dass bei fehlender präoperativer Beratung postoperative Versorgungsprobleme auftreten und dass die Lebensqualität des Betroffenen eingeschränkt wird. Letztendlich führt das auch zu höheren Kosten für das System insgesamt. Aus meiner Erfahrung kann ich nur bekräftigen, dass die Notwendigkeit und der Bedarf da sind.

Wie ist in der SALK das Stomamanagement organisiert?

Ich habe eine Stabsstelle für Wund-, Stoma- und Kontinenzmanagement. In den einzelnen Abteilungen haben wir Beauftragte, die je nach Schwerpunkt diese Themen abdecken. In der Weiterbildung und bei Schulungen wird dann auf die Bedürfnisse der Abteilung besonders eingegangen. Grundsätzlich stellen wir eine flächendeckende Basisausbildung sicher, denn diese Fragen treten in der täglichen Pflegepraxis in allen Abteilungen auf.

Interview mit: Gerlinde M. Wiesinger DGKS

Wund-, Stoma- und Kontinenzmanagement
SALK – Gemeinnützige Salzburger Landeskliniken BetriebsgesmbH


MP 03|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-06-21