Turnusärzte-Befragung: Mehr Zeit für Medizin

„Die Durchschnittsnote auf der Schulnotenskala liegt mit 2,36 über dem letzten Ergebnis der Evaluierung der Ausbildung in der Allgemeinmedizin. Dennoch gibt es einige wichtige Verbesserungsmöglichkeiten, die wir schleunigst in Angriff nehmen sollten“, fasste Dr. Karlheinz Kornhäusl, stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte, die Resultate zusammen.

Gute Ausbildung als moralische Verpflichtung

Die Entlastung der Ärzteschaft durch Delegation von Tätigkeiten des mitverantwortlichen Bereiches an das Pflegepersonal wurde ebenfalls als essenziell für einen guten Lernerfolg genannt. „Krankenanstaltenträger müssen gute Ausbildung als eigene Verpflichtung wahrnehmen und entsprechende Zeit- und Personalressourcen für die Ausbildenden freimachen“, fordert Kornhäusl. Dazu fordert der Kammervertreter vor allem eine strukturierte Ausbildungsassistenz zur Entlastung der Ärzte von Administrations- und Dokumentationsaufgaben sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Ausbildung. Unter dem Strich sollte dann mehr Zeit für Medizin, mehr Zeit für Wissensvermittlung und -aneignung sowie mehr Zeit für den Patienten übrigbleiben.
Dass mit diesen Maßnahmen auch eine Planungssicherheit für die gesamte Arztkarriere möglich wird, schafft wiederum die Basis dafür, dass der Beruf an Attraktivität gewinnt. Eine aktive Fortbildungsunterstützung durch Freistellung und Kostenübernahme vonseiten der Arbeitgeber sowie familienfreundliche Maßnahmen wie Teilzeitarbeit oder Angebote für eine Kinderbetreuung würden nach Ansicht Kornhäusls dafür sorgen, dass Ausbildungsärzte den „Arbeitsplatz Spital“ als durchaus erstrebenswert und vor allem bleibenswert sehen. Die fixe Implementierung von „Ausbildungs-Oberärzten“ und die Schaffung von Skill- und Trainingszentren in ganz Österreich wären ebenso wichtige Maßnahmen, um das Portfolio für eine bessere Ausbildungs- und Arbeitssituation in der Medizin zu verbessern.

Fachärztliche Ausbildung schneidet besser ab

Prinzipiell wird die fachärztliche Ausbildung etwas besser beurteilt als die allgemeinmedizinische: 77 Prozent der Befragten geben an, dass die fach- und abteilungsspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten „zur Gänze“ bzw. „zu einem großen Teil“ vermittelt worden seien. Bei der Evaluierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung lag der Anteil derer, die sich gut ausgebildet fühlten, zuletzt bei 38 Prozent.
Bei der Auswertung haben sich fünf Faktoren herauskristallisiert, die für die Bewertung der Ausbildung und des Lernerfolgs an einer Abteilung entscheidend waren: die Qualität und Umsetzung eines guten Ausbildungskonzepts, die Rahmenbedingungen für den Ausbildner, gute Rotationsmöglichkeiten, das Bemühen des Ausbildungsverantwortlichen um die Ausbildung und ein häufiges Feedback durch den Vorgesetzten. „Die Prioritäten sind hier ganz klar ersichtlich. Aus der Beantwortung der Fragen lässt sich ablesen, dass beispielsweise ein Ausbildungskonzept sehr hoch bewertet wird. Dort, wo Ausbildungskonzepte vorhanden sind, erhielten sie im Schnitt die Note 2,0, ihre Umsetzung wurde durchschnittlich mit 2,4 bewertet.“ Allerdings hätten nur 41 Prozent der Befragten angegeben, dass es an ihrer Abteilung überhaupt ein Ausbildungskonzept gibt. Immerhin 31 Prozent der Befragten wissen nicht, wer ihr Ausbildungsverantwortlicher ist. „Ein Schandfleck, den wir beseitigen müssen“, fordert Kornhäusl.

Dr. Karlheinz Kornhäusl

stellvertretender Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) und Obmann der Bundessektion Turnusärzte


MP 01|2016

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2016-02-26