Pressegespräch der ÖDG: Die Diabetologie ist eine Erfolgsgeschichte!

Anfang März lud die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) Vertreter von Fach- und Laienpresse zum Gespräch, um ihr Arbeitsprogramm für die kommenden zwei Jahre vorzustellen und auf die anhaltend hohe medizinische und volksgesundheitliche Bedeutung der Diabetologie hinzuweisen.

„Non-Stop Revolution in der Diabetologie“

Für ÖDG-Präsident Prim. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Heinz Drexel (Feldkirch) sind die weltweit steigenden Diabeteszahlen nicht nur Ausdruck der Schwierigkeiten bei der Prävention lebensstilassoziierter Erkrankungen, sondern auch Folge der massiv gestiegenen Lebenserwartung von Diabetespatienten, wie er am „Wannenbeispiel“ (siehe Illustration) anschaulich machte.

Univ.-Prof. Prim. Dr. Guntram Schernthaner (Wien) belegte mit Zahlen, in welchem Ausmaß Aufklärung und Schulung sowie die Intensivierung der medikamentösen Therapien (Blutdrucksenkung, Lipidsenkung, verbesserte Diabeteseinstellung) zum Rückgang der vaskulären Diabeteskomplikationen geführt haben: In den USA sank die kardiovaskuläre Mortalität innerhalb von 2–3 Jahrzehnten um 70 % und die Gesamtmortalität um 40 %. In Großbritannien nahmen die Spitalsaufnahmen bei Diabetikern nach Herzinfarkt oder Koronar-Bypass um 25 % ab. Die Rate der Fußamputationen konnte, wiederum in den USA, bei steigender Diabetesprävalenz um 35–67 % reduziert werden. Schwerwiegende Augenerkrankungen bei Typ-2-Diabetes gingen nach einer globalen Metaanalyse (35 Studien) um 50–67 % zurück. Schließlich
nahm die terminale Niereninsuffizienz bei Diabetespatienten in den USA zwischen 1966 und 2007 um 35 % ab, für Österreich zeigt das österreichische Hämodialyseregister
einen ähnlichen Trend.

Herausforderungen beim alten Menschen

Mit der steigenden Lebenserwartung steigt die Diabetesprävalenz im höheren Lebensalter.
Schon jetzt sind zwei von drei Diabetespatienten über 65 Jahre alt. Diabetes und die häufigeren Folgeerkrankungen und Komorbiditäten (Gefäßerkrankungen, Tumorerkrankungen, Frakturen, Demenz, Depression) bei geriatrischen Patienten erschweren die Therapie, erhöhen den Pflegebedarf, beeinträchtigen die Selbstversorgungsfähigkeit und die Lebensqualität und verringern die Lebenserwartung.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner (Hochzirl) benannte den Erhalt größtmöglicher
Selbständigkeit und damit Lebensqualität sowie die Verbesserungen geriatrischer Symptome als Prioritäten bei der Diabetesbehandlung des alten Menschen. Um den spezifischen Bedürfnissen geriatrischer Patienten gerecht zu werden, müssen spezifische Syndrome (Demenz, Stürze, Frailty etc.) beachtet und die Therapie individuell angepasst werden. Wesentlich ist auch die Umsetzbarkeit der Therapie im Alltag. Was bei älteren Patienten immer abzuwägen ist, ist einerseits das Risikomanagement und andererseits die Polypharmakologie. Leider gibt es für viele Medikamente keine Studiendaten bezüglich Effektivität und Sicherheit beim alten Patienten.

 

 

Mehr Patienten – zu wenige Experten

Aus der Zunahme der Diabeteshäufigkeit durch eine insgesamt ältere Bevölkerung und eine individuell längere Lebenserwartung als Folge der verbesserten Diabetestherapie resultiert eine zentrale Problematik. ÖDG-Präsident Drexel: „Die Umsetzung der Therapie erfordert Kompetenz. Österreich hat in Zukunft zu wenig Experten! Mehr Ausbildungsstellen für Diabetesspezialisten (Additivfach für Endokrinologie und Stoffwechsel) werden dringend benötigt, um auch in den nächsten Jahren allen Diabetikern eine optimale Behandlung garantieren zu können.“